ÖVP-Dressen für den ÖFB

Sind türkise Trikots nur Zufall?

Am Samstag wird der ÖFB wohl die EM-Quali feiern. Dabei kommt es zu einer seltsamen Premiere: Erstmals spielt das Nationalteam in schwarz-türkis. Türkis wurde seit Sebastian Kurz zu einer hochpolitischen Farbe, sie polarisiert die Bevölkerung. Fußball sollte die Bevölkerung eigentlich vereinen. Die neue Farbwahl ist deshalb äußerst unglücklich. Aber war es nur Zufall oder greift der „lange Arm“ von Sebastian Kurz schon bis zum ÖFB?

Wien, 14. November 2019 / Der ÖFB war in der Leiberl-Wahl konservativ. Mal rot, dann wieder weiß, in den letzten Jahren auch schwarz – das waren die drei Farben der ÖFB-Wäsche. Doch diesmal ist alles anders, unsere Kicker bekommen eine neue Farbe: Türkis!

Türkis – der „neue Stil“

Ausrüster Puma spricht von einem „neuen Jugendstil“ in schwarz und türkis. Hosen und Stutzen sind dabei ganz in türkis gehalten. Für Puma soll der Dress den „schnellen und kreativen Spielstil des ÖFB verkörpern.“ Neuer Stil und türkis – das assoziiert man mit österreichischer Innenpolitik.

In Österreich polarisiert die Farbe wie keine andere. Seitdem Sebastian Kurz die ÖVP als „Neue Volkspartei“ in türkis gefärbt hat, spaltet die Farbe das Land. Türkis wirkt für die Menschen nicht mehr beruhigend, sondern emotionalisiert. Für 37 Prozent der Wähler ist das Türkis der „neuen“ ÖVP die neue Erlösung, für die Mehrheit der Bevölkerung wirkt die Farbe bedrohlich. Kurzum: Türkis ist jetzt eine politischen Farbe.

Wer hatte die Idee?

Warum wählt der ÖFB dann also genau diese Farbe für die neuen Auswärtsdressen? Gerade Fußball sollte die gesamte Bevölkerung vereinen. Vom ÖFB konnte keine Stellungnahme eingeholt werden. Von Puma wollten wir wissen, ob die neue Farbe vom Verband angeordnet war oder eine Idee von Puma war. „Im Prozess des Designentwurfs waren auf beiden Seiten (ÖFB/PUMA) insgesamt zwei Dutzend Personen eingebunden, die in punkto Design, Beschaffung, Marketing und Produktion partnerschaftlich zusammenarbeiten“, richtete Puma gegenüber ZackZack.at aus. Wie das Türkis aufs Trikot kam, konnte nicht eruiert werden.

Trotzdem erscheint die neue „Wäsch“ in einem seltsamen Licht. Denn die Nähe des Präsidenten Leopold Windtner zur ÖVP ist allseits bekannt. Über 20 Jahre war Windtner Generaldirektor der Energie Oberösterreich AG. In den besten Zeiten der Aktiengesellschaft zählte Windtner zur sogenannten „Machttroika“ des Landes. Neben Windtner noch dabei: Josef Pühringer, Landeshauptmann bis 2017 und Ludwig Scharinger, Generaldirektor der Raiffeisen Oberösterreich von 1985 bis 2012. Die Drei verbindet das ÖVP-Parteibuch, ihre politische und wirtschaftliche Macht und eine enge Männerfreundschaft.

Pikant: Nur ein Monat nachdem Windtner seinen Chefsessel bei der Energie Oberösterreich AG geräumt hatte, trat Pühringer als Landeshauptmann zurück. Oberösterreich ist mittlerweile türkis umgefärbt: Landeshauptmann Thomas Stelzer gilt als äußerst Kurz-treu. Werner Steinecker, Nachfolger von Leo Windtner, referiert in seinen seltenen Interviews immer wieder vom beliebten Kurz-Thema: Wasserstoff.

Politische Botschaft? UEFA sagt Nein.

Hatten die altschwarzen ÖVP-Granden um Windtner und Pühringer etwas mit den neuen Auswärtsdressen zu tun? Dies würde jedenfalls für ordentlich Zündstoff sorgen. Denn die UEFA verbietet politische Botschaften der Nationalmannschaft. Erst kürzlich sorgten Salutier-Türken für internationale Aufregung. Bei den Türken war die politische Agitation offensichtlich. Das türkise Trikot ist subtiler, doch ist es weniger politisch?

Für die UEFA schon. Sie sieht in der Farbe eines Trikots keine politische Botschaft. Auf Nachfrage von ZackZack.at verweist die UEFA auf die einzige Richtlinie bezüglich der Trikots: Die Tormanndress muss sich eindeutig vom Trikot der Feldspieler unterscheiden. Ansonsten ist der nationale Fussballverband völlig frei in der Farbwahl der Dress. Untersuchungen aufgrund möglicher politischer Botschaften gibt es deshalb nicht.

Am Samstag spielt Österreich gegen Nord-Mazedonien. Bei einem Sieg oder einem Unentschieden wird Österreich die Qualifikation für die EM-Endrunde feiern. Die Jubelbilder werden tagelang durch die Medien getrieben werden. Und obwohl im Praterstadion gespielt wird: Der ÖFB wird erstmals in den schwarz-türkisen Auswärtsdressen auflaufen. Türkis wird dann für einige Tage, ganz ohne Sebastian Kurz, die Medien beherrschen.

(wh)

Titelbild: APA Picturedesk

Aktuell

ZACKZACK unterstützen

Unsere kleine Redaktion kann mit 16 Redakteur*innen, Layouter*innen, Videomachern und einem Karikaturisten jeden Tag ZackZack neu machen.  Dazu braucht es 3.000 Euro am Tag für unabhängigen Journalismus.

Schließen