Wer ist Alma Zadic?

Folge 17: Die Flexible

Wien, 17. November 2019 /

– geboren 1984 in Tuzla, Jugoslawien, im heutigen Bosnien und Herzegowina

– als politische Ziehtochter von Peter Pilz von der Liste Jetzt zu den Grünen gewechselt

– wird als Integrationsstaatssekretärin gehandelt

 

Profil:

Alma Zadic, geboren 1984 in Tuzla, ist studierte Rechtsanwältin und seit 2017 Abgeordnete zum Österreichischen Nationalrat.

Als Zehnjährige flüchtete Zadic mit ihren Eltern aufgrund des Bosnienkrieges nach Österreich, wo sie nach ihrer Matura das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien abschloss. Ihren Master of Laws machte sie an der renommierten Columbia University in New York. Vor ihrem Gerichtsjahr in Wien war sie u.a. am Kriegsverbrechertribunal im niederländischen Den Haag.

Nach ihrer beachtlichen akademischen Laufbahn startete sie in der Politik durch: Polit-Legende Peter Pilz hievte sie als Youngster 2017 ins Parlament. Dort war sie sofort mitten im österreichischen Polit-Sumpf angelangt: als Ersatzmitglied von Pilz war sie für die Liste Jetzt im BVT-Untersuchungsausschuss und auch im Justizausschuss. Sicherheitspolitisch wurde sie also sofort „ins Kalte Wasser“ geworfen. Nachteilig wirkte sich das für sie nicht aus: an der Seite von Peter Pilz war sie öffentlich sehr präsent, gerade wenn es um den BVT-Skandal ging.

Das entging auch Werner Kogler nicht: nach einigem Zögern wechselte sie mitten im Vor-Wahlkampf von der Liste Jetzt zu den Grünen. Auf ihrer Facebookseite änderte sie mehrmals einen Beitrag, in dem sie diesen Schritt rechtfertigte. Am Ende kam eine einigermaßen versöhnliche Version im Hinblick auf ihr politisches Sprungbrett, der Liste Jetzt, heraus:

„(…) Vor zwei Jahren habe ich dann eine einzigartige Chance bekommen, meine Vision direkt im Nationalrat zu vertreten. Dafür bin ich unglaublich dankbar, auch für die zahlreichen Menschen die mir auf diesen Weg begegnet sind, die an meiner Seite gearbeitet und mein Leben bereichert haben. Gleichzeitig bin ich auch dankbar für die großartige Zusammenarbeit mit allen Abgeordneten im Parlamentsklub JETZT.“

Den Bundeskongress der Grünen „überlebte“ sie erstaunlich gut: Mit Listenplatz 5 hatte sie nicht nur ein bombensicheres Mandat, sondern war auf einmal auch Teil der neuen Grünen Spitze. Derzeit ist sie Chef-Verhandlerin für Staat, Gesellschaft und Transparenz bei den türkis-grünen „Flirtversuchen“ für eine Regierungskoalition.

Als Chef-Verhandlerin im Transparenz-Bereich darf sie gegen ihr ÖVP-Pendant Wolfgang Sobotka versuchen, grüne Positionen durchzusetzen. Sie wird als künftige Integrationsstaatssekretärin gehandelt.

Interessantes:

Alma Zadic wurde wegen übler Nachrede verurteilt, jedoch nicht rechtskräftig. Sie hatte ein Bild getwittert, auf dem ein Burschenschafter vermeintlich die Teilnehmer der Donnerstagsdemo mit einem Hitlergruß provoziert. ZackZack.at berichtete darüber und warf die Frage auf, was auf Twitter geht und was nicht.

Das Gericht entschied: damit habe Zadic dem Burschenschafter „pauschal verächtliche Eigenschaften zugeschrieben“, argumentiert Richter Spreize. Seltsam, dass der Juristin Zadic das passiert. Der Burschenschafter hatte kurz nach dem Vorfall erklärt, er habe keinen Hitlergruß gezeigt. In Zadic‘ Tweet wird diese Erklärung nicht berücksichtigt. Die Rechtsansicht: Zadic habe „nicht ausgewogen berichtet und dadurch die journalistische Sorgfaltspflicht nicht eingehalten.“ Dass Alma Zadic allerdings kein Medium, sondern eine Privatperson ist, ist dem Gericht wohl entgangen.

(wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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