Novomatic am Balkan

Der Wilde Westen des Glücksspiels

Novomatic ist wegen der Postenschacher-Affäre in aller Munde. Es weht generell ein rauer Wind für den Glückspielriesen in Österreich. Bereits in vier Bundesländern wurde das kleine Glückspiel verboten – in Niederösterreich und Wien wurde Novomatic sogar die Casinolizenz entzogen. Auch eine Mehrheitsbeteilung an den Casinos Austria ging schief. Am Balkan fließt für Novomatic aber Milch und Honig. 

Wien, 20. Novemer 2019 / Der Balkan ist empört und wütend, aber in Österreich zuckt man mit den Schultern: Novomatic hat in Serbien, Nordmazedonien und – vor dem Verbot – in Albanien ein Quasi-Glücksspiel-Monopol. Im Laufe des Markteintritts von Novomatic auf dem Balkan wurde in den betroffenen Ländern das Glücksspielgesetz liberalisiert. Ähnliches sieht man gerade in der bosnischen Teilrepublik Republika Srpska. Dort wurde dieses Jahr vom einen auf den anderen Tag das Glücksspielsgesetz geändert.

Novomatic-Monopol

Es fing allerdings schon viel früher an: Serbien verabschiedete 2004 eine neues Glücksspielgesetz. Profitiert haben vor allem die Casinos Austria: Sie bekamen die erste und vorerst einzige Lizenz vom serbischen Finanzministerium und dadurch auch das Casino-Monopol. Leidtragende war die staatliche serbische Lotterie: Seitdem steckt sie in den roten Zahlen. Die Lizenz war das Einfallstor für Casinos-Teilhaber Novomatic zum Balkan.

Seit 2012 haben die Österreichischen Lotterien die albanische Nationallotterie betrieben (Loteria Kombetare). 2016 zogen sich die Österreichischen Lotterien zurück und Novomatic übernahm das Geschäft dort. Laut dem Onlinemagazin alo.rs wurde daraufhin der private Glücksspielmarkt geschlossen und das oftmals mit brutalsten Mitteln. Sogar der aktuelle Ministerpräsident Albaniens Edi Rama soll laut alo.rs in die Sache verwickelt sein. Mit 1. Jänner 2019 verbot Albanien das Glückspiel gänzlich.

Novomatic plündert staatliche Lotterie

Seit 2012 ist Novomatic auch in Bosnien und Herzegowina aktiv – wieder zum Nachteil der staatlichen Lotterie. Im Jahr 2011 betrug der Gewinn der BuH Lotterie 4,3 Millionen KM (2,15 Millionen Euro.) Nach dem Einstieg von Novomatic sank der Gewinn allerdings auf 193.000 Euro, obwohl es einen Anstieg an Spielern gab. Im Jahr 2015 verstärkte Novomatic mit der Gesellschaft HTL d.o.o. ihr Engagement in Bonsien und Herzegowina. Bis 2015 waren in Bosnien lediglich 1.000 Spielautomaten zugelassen. Novomatic erwirkte eine Erhöhung auf 1.500 Automaten und vermietet alle exklusiv an die Bosnischen Lotterie. Andere Anbieter gibt es de facto nicht.

Ausnutzung politischer Situation

Offensichtlich macht sich Novomatic die schwierige politische Situation in Bosnien zunutze: Im März dieses Jahres wird ohne Vorwarnung und ohne vorherige Expertenberatung ein neues Glücksspielgesetz in der Nationalversammlung der BuH Entität Republika Srpska beschlossen. Privaten Veranstaltern wird das Recht entzogen, elektronisches Glücksspiel zu betreiben. Die Lotterie hat nun als einzige die Möglichkeit, exklusiv einen Partner für die Organisation des elektorinischen Glücksspiels auszuwählen.

Allerdings verstößt diese Regelung gegen das Monopolverbot der Repubika Srbska. Laut einem Bericht des Fernsehsenders BN vom 4.3.2019 wurde die Gesetzesänderung von „Interessenskreisen außerhalb des Ministeriums ausgearbeitet.“

FPÖ involviert?

Novomatic hat in der Entität Republika Srpska zwei Tochterunternehmen Novo RS d.o.o. i RSA Gaming d.o.o. Die Vorstände sind Aleksandar Aničić und Nenad Đedović. Das Onlineportal Alo berichtete am 31.8.2019 über eine Gruppe von internationalen Maklern, unter der Leitung des österreichischen Staatsbürgers Vlado V. und Adnan S.,  Milos P., die im Auftrag von Novomatic in der Region tätig sind. Es besteht der Verdacht, dass diese Gruppe lokale Politiker korrumpiert. Ziel soll sein, die gesetzlichen Rahmenbedingungen zugunsten von Novomatic zu ändern. Was letztendlich im März dieses Jahres auch passiert ist.

Sieger solcher Ausschreibungen sind fast immer Unternehmen aus dem Umfeld der Novomatic. Laut dem alo.rs sollen auch österreichische Politiker davon profitieren.

Die FPÖ in Form von Strache und Gudenus pflegt eine enge Freundschaft zum Präsidenten der Republika Srpska, Milorad Dodik. Ob mit den „österreichischen Politikern“ Strache und Gudenus gmeint sind, Stichwort „Novomatic zahlt alle“, und Peter Sidlo, ist unklar.

ZackZack.at bleibt dran.

(rc/red)

Titelbild: APA Picturedesk

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