Papst zwischen König und Atombomben

Königs- und Kaiserbesuch in Asien

Papst Franziskus träumte in jungen Jahren davon, Missionar in Japan zu werden. Aber seine Oberen entschieden anders. Mit 82 Jahren erfüllt sich der Argentinier nun den Wunsch und reist zuerst nach Thailand, dann nach Japan. Er ist der zweite Papst, der die beiden asiatischen Länder besucht.

Wien, 19. November 2019 / Im Mittelpunkt steht klar der Aufenthalt in Japan: Dort wird er am Sonntag in den Städten Nagasaki und Hiroshima der Opfer der beiden Atombombenabwürfe durch die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg gedenken und ein Ende der atomaren Rüstung verlangen. Schon vor dem Abflug mahnte er: „Der Einsatz von Atomwaffen ist unmoralisch.“ Das wird gewiss gehört. Doch was können die Papstworte ändern?

Japan verweigert Beitritt zum UN-Atomwaffenverbotsvertrag

Nicht weit von Japan entfernt sitzt in Nordkorea der unberechenbare Kim Jong Un mit seinem Atomwaffen- und Raketenprogramm. Nagasakis Bürgermeister Tomihisa Taue hatte zuletzt die japanische Regierung aufgerufen, dem UN-Atomwaffenverbotsvertrag beizutreten. Doch Ministerpräsident Shinzo Abe ging darauf nicht ein. Japan steht unter dem atomaren Schutzschild der USA.

Papst trifft Überlebende von Fukushima-Super-GAU

Um Atomkraft ihre horrenden Auswirkungen geht es auch bei einem Treffen mit Überlebenden von Japans Atom-Katastrophe im März 2011: Damals starben bei einem Tsunami und einem Erdbeben 18 500 Menschen. Im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi kam es zu einem Super-GAU, die Zehntausende zur Flucht zwang. Anschließend trifft der Papst den neuen japanischen Kaiser Naruhito.

Thailand: wird der Papst Sextourismus kommentieren?

In Bangkok trifft der Papst auf den dortigen König Maha Vajiralongkorn (Rama X.), der auch in Deutschland wegen seiner dortigen Ferien-Residenz in Bayern bekannt ist, wo der 67-Jährige des Öfteren in knappsten bauchfreien Tops gesichtet wurde. Der König ist mehrmals geschieden und präsentierte offiziell seine Sexpartnerin, die seit ihrer „Entlassung“ spurlos verschwunden ist – es gilt als ausgeschlossen, dass der Papst sich dazu öffentlich äußert. Dafür könnte er kritisch über Sextourismus und Menschenhandel sprechen, große Probleme in Thailand.

Katholizismus auf Vormarsch in Asien

„Die europäische und amerikanische Kirche schrumpfen, in Asien und Afrika boomt die katholische Kirche dagegen. Franziskus lässt den Eurozentrismus hinter sich. Er wendet sich kleineren Ortskirchen zu, vor allem den verfolgten oder sonst wie bedrängten.“, sagt Kirchenkenner Andreas Püttmann. So standen Länder wie Südkorea, Sri Lanka, Ägypten oder Staaten seiner lateinamerikanischen Heimat – außer Argentinien – auf dem Programm.

(apa)

Titelbild: APA Picturedesk

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