Festnahme in Türkei

Spionagevorwurf gegen Deutschland

Seit September sitzt ein Anwalt in Istanbul in Haft. Dieser war für die Deutsche Botschaft tätig. Türkische Behörden werfen ihm Spionage vor. Deutschland befürchtet, dass sensible Daten in die Hände Erdogans gefallen sind.

Istanbul/Berlin, 21. November 2019 / Raue Töne zwischen Erdogan und Merkel. Ein Anwalt der Deutschen Botschaft wurde in Istanbul festgenommen. Verdacht: Spionage! Der Türke soll schon am 17. September festgenommen worden sein. Nun wurde die Festnahme bestätigt.

Informationen über Erdogan-Gegner

Türkische Regime-Medien sprechen von „Verbindungen zu Terrororganisationen“ – der übliche Vorwurf, wenn es sich um einen politischen Gefangenen handelt. Doch eigentlich geht es um Spionage. So soll der Anwalt Informationen über türkische Staatsbürger geprüft haben. Brisant: Informationen über jene Türken, die in Deutschland Asyl beantragten!

Im schlimmsten Fall kam das Erdogan-Regime durch die Festnahme an sensible Daten von türkischen Regimegegnern. Die deutsche Bundesregierung befürchtet nämlich, dass die Daten und Akten des Anwalts jetzt bei türkischen Behörden sind. Darin enthalten: Informationen über rund 50 Personen, die vor Erdogan fliehen. Darunter sind laut Presseberichten prominente Kurden und Anhänger der Gülen-Bewegung. Nun sind möglicherweise die Informationen über sie beim türkischen Geheimdienst MIT.

Deutsche Botschaft protestiert

Für die Deutsche Botschaft ist die Verhaftung „nicht nachvollziehbar“. Der Anwalt hätte „die international übliche und aus unserer Sicht unstrittig zulässige Unterstützung geleistet, das ist auch europaweit eine gängige Praxis.“ Da es sich um einen türkischen Staatsbürger handelt, kann er allerdings nicht durch die Botschaft unterstützt werden.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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