Rapid in Gefahr

Übernehmen FPÖ, Novomatic und Tojner Rapid?

Am Montag wählen mehr als 2000 Rapid-Mitglieder einen neuen Präsidenten. Und diesmal haben sie eine Wahl: zwischen einer traditionellen Kandidatur rund um Martin Bruckner und einem neuen Mann: Roland Schmid.

Aber wer steht hinter Schmid?

Wien, 22. November 2019 / Am 11. Oktober 2019 meldet der Kurier: „Eine konkrete Zusage konnte Energie-Manager Robert Grüneis von Michael Tojner gewinnen: Der Milliardär unterstützt die Liste Grüneis. Offen bleibt, wie genau Tojner sich nach einem Machtwechsel einbringen würde: Die Listen haben vereinbart, vorerst keine Details zu kommunizieren.“

Zu diesem Zeitpunkt führt der Stadtwerke-Manager Grüneis seine eigene Liste an. Ein paar Tage später bringt er seine Kandidatur in die Liste von Roland Schmid ein.

Tojner

Aber wer ist Michael Tojner? Seit März 2019 ermittelt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft gegen den Investor. Der ORF berichtet: „Kurz zusammengefasst wirft die Korruptionsstaatsanwaltschaft Tojner vor, er habe mit Unterstützung verschiedener Treuhänder und Strohmänner die Burgenländischen gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften billig erworben, um so die Aberkennung der Gemeinnützigkeit zu erreichen. Kurz nach Aberkennung der Gemeinnützigkeit sollen die Immobilien dann um ein Vielfaches teurer weiterverkauft worden sein – das Land Burgenland soll so um 40 Millionen Euro geschädigt worden sein.“

Steht auch Tojner hinter Schmid? Schmid verharmlost ihn derzeit als „Sponsor“. Aber Tojner macht aus seinen Plänen kein Geheimnis: „Ich hätte diese Entwicklung gerne mitgestaltet, eigenes Geld zur Verfügung gestellt und ich habe mit anderen Partnern gesprochen, die Rapid derzeit schon unterstützen. Vorgesehen ist eine Art Partnerschaftsmodell, weil der SK Rapid das aus eigener Kraft nicht stemmen könnte. Eine solche Partnerschaft würde über ein reines Sponsoring für das Nachwuchszentrum hinausgehen…“

Tojner ist „Investor“, wie Schmid. Und beide wissen, wie das Geschäft funktioniert.

Novomatic

Als Roland Schmid am 8. August 2019 seine Kandidatur ankündigt, präsentiert er seine Nummer 2: Bernd Oswald, den Aufsichtsratsvorsitzenden von Novomatic. Oswald hat als Rechtsanwalt viele Jahre für Novomatic gearbeitet. Mit seiner Adresse „Tuchlauben 11“ ist er direkter Nachbar der fünf Firmen von Roland Schmid.

Am 29. Oktober nimmt Schmid die Grüneis-Gruppe in seine Liste auf. Oswald und Novomatic verschwinden – aus gutem Grund. Novomatic ist inzwischen mit der Affäre „Sidlo“ endgültig ins Zwielicht geraten. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt unter dem Aktenzeichen 17 ST 5/19d gegen Novomatic-Chef Neumann, gegen Strache und seinen Staatssekretär Fuchs.

Aber Schmid distanziert sich weder von Novomatic noch von Oswald. Bis heute nicht.

FPÖ

Am 26. August 2019 berichtet der Standard über einen Aufruf des FPÖ-Chefs an die Rapid-Mitglieder: „Heinz-Christian Strache, der Ex-Sportminister und Ex-FPÖ-Obmann, hat sich bemüßigt gefühlt, Mitglieder aufzufordern, sie mögen für Schmid, der übrigens parteilos ist, stimmen. Sollte Grün-Weiß blau werden?“

Strache will Schmid. Aber was will die FPÖ von Rapid?

Inzwischen hat es bei Rapid Tradition: Der Verein duldet keine Vertreter rechtsextremer Parteien. Im Kuratorium gibt es bis heute keinen Platz für die FPÖ. Aber auch Freiheitliche wissen: Rapid bringt Prestige und Sympathie.

Herbert Kickl hat mit seiner Unterstellung von „Randaliererei und Chaotentum“ anlässlich des Polizeikessels im Dezember 2018 die Rapid-Fans gegen die FPÖ aufgebracht. Strache will jetzt den Schaden wiedergutmachen und durch die Hintertür in den Verein. Den Zutritt erhofft er sich von Roland Schmid.

Für Schmid kommt die Strache-Unterstützung zum falschen Zeitpunkt. Er versucht auf Distanz zu gehen: „Ich bin politisch völlig unabhängig. Ich stand noch nie in meinem Leben in irgendeiner Form mit einer politischen Partei in einem Naheverhältnis, schon gar nicht mit der FPÖ. Ich kenne Herrn Strache persönlich gar nicht und habe um keine Unterstützung durch ihn gebeten.“

Aber ein Mail aus dem April 2019 spricht eine andere Sprache.

Am 18. April 2019 mailt Straches stellvertretender Kabinettschef Philipp Trattner einem ehemaligen Aktiven von Rapid:

„Ich habe Roland Schmidt geschrieben, da er zur Zeit in Miami ist. Er hat deine Nummer und deinen Namen und wird sich bei dir melden, sobald er in Österreich ist.

Straches Kabinettschef vermittelt Termine mit Strache. Das ist klar. Aber warum vermittelt er Termine mit Schmid? Schmid steht offensichtlich in einem Naheverhältnis zu Straches Kabinett – und damit zu Strache und zur FPÖ.

Risiko „Schmid“

Tojner, Novomatic, FPÖ – sie alle haben Interesse an Rapid. Sie alle werden abstreiten, dass sie Rapid übernehmen wollen.

Aber wenn Schmid Präsident wird, können für sie nicht nur Hintertüren aufgehen. Das ist das Risiko „Schmid“.

Bis heute ist keinem „Investor“ die Übernahme von Rapid gelungen. Aber ab Montagabend kann alles anders sein…

(bf/pp)

Titelbild: APA Picturedesk

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