Sebastian und die Chatgruppe

Kommentar

Jetzt ist schon wieder was passiert. Die Casinos-Affäre hat Sebastian „Seb“ Kurz erwischt. Schweigen wird jetzt nicht mehr reichen.

Wien, 22. November 2019 / Bettina Glatz-Kremsner, Hartwig Löger, Gernot Blümel: Die Einschläge in der Casinos-Affäre kamen Sebastan Kurz bedrohlich nahe. Gestern konnte er sich nur noch aus der Affäre ziehen, weil dem „Profil“ in seiner Recherche ein kleiner, aber folgenschwerer Fehler unterlaufen war. Jenes Meeting mit „Seb“ zum Thema Casinos-Austria AG, von dem Novomatic-Chef Harald Neumann an Thomas Schmid geschrieben hatte, fand nicht 2018 statt, sondern im Februar 2019 – kurz vor der Bestellung Peter Sidlos. Falls, wie die Staatsanwaltschaft vermutet,  „Seb“ Sebastian Kurz ist (und wer sollte es sonst sein?) , war der damalige Kanzler involviert.

Kurz muss jetzt auspacken

Die Verteidigungsstrategie der ÖVP zieht nicht mehr. Die Türkisen hatten verlautbart, dass „die Nachrichten zum angeblichen FPÖ-Deal mit Novomatic zu Casinolizenzen rund um die Vorstandsbestellung von Sidlo ein Jahr später nichts zu tun“ hätten. Die Nachrichten wurden aber tatsächlich nicht ein Jahr, sondern nur wenige Wochen vor der Bestellung Sidlos verschickt. Der Kontext der Nachrichten ist der Widerstand der tschechischen Sazka-Gruppe gegen Sidlo. Das Meeting mit „Seb“ habe diesbezüglich Neuigkeiten ergeben, schrieb Novomatic-Chef Neumann.

Jetzt also auch Kurz. Der fleißige Lehrling des „Schweigekanzlers“ Wolfgang Schüssel muss nun sehr genau erklären, was er wusste. Er sollte dabei bedenken, dass seine Worte weiteren Recherchen standhalten müssen.

Thomas Walach

Titelbild: APA Picturedesk

Thomas Walach kommentiert

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