Wer ist Markus Tschank?

Folge 18: Der Hintermann

Wien, 24. November 2019 /

– geboren 1979 in Wien, 40 Jahre alt

– Funktionär verschiedener „Vereinskonstruktionen“ im freiheitlichen Umfeld

– stets im Hintergrund, dennoch Schlüsselfigur: wer Ibiza verstehen will, kommt an Tschank nicht vorbei

 

Profil:

Markus Tschank studierte Ende der 90er Jahre Rechtswissenschaften in Wien und Paris. Neben Englisch und Französisch spricht der Vater von zwei Kindern auch Russisch. Nach einem zusätzlichen Wirtschaftsstudium in der französischen Hauptstadt ging er zurück nach Wien, wo er zum Thema EU-Gesetzgebung und Gesellschaftsrecht (damals EG, red.) seine Doktorarbeit zum Dr. iur. abschloss. Der Verband der Banken und Bankiers dankte recht herzlich mit der Verleihung des Walther-Kastner-Preises, der für hervorragende Arbeiten vergeben wird, die der Förderung des österreichischen Bankenwesens dienen.

Auch der FPÖ sind Tschanks Qualifikationen nicht entgangen. Angefangen vom Ring Freiheitlicher Jugend, wo er guten Kontakt zu Ibiza-Darsteller Johann Gudenus pflegte, über seinen amtierenden Posten als Bezirksparteiobmann Wien-Innere Stadt, bis hin zum Kurzzeit-Nationalratsmandat zwischen 2017 und 2019 war fast alles dabei. Pikant ist jedoch vor allem seine Multifunktionalität im außerparlamentarischen Bereich:

  • 2013: Erstellte für Freund Johann Gudenus ein Rechtsgutachten. Inhalt: Privatisierung des Wiener Wassers. Das „weiße Gold“ war auch im Ibiza-Video Thema.
  • 2015 bis 2017: Kassier von Austria in Motion, einem Verein, der im Verdacht der Spendenwäsche stand. Der Verein dementiert jede Verwicklung im Rahmen illegaler Parteienfinanzierung, laut Presseaussendung der FPÖ sind „alle Verfahren gegen die FPÖ in der Causa Vereine und illegale Parteifinanzierung eingestellt“ worden. Diese Angaben wurden von der WKStA laut „Standard“ daraufhin jedoch dementiert: Tatsächlich habe sich nichts geändert, sagte ein Sprecher der WKStA.
  • 2013 bis 2018: Tschank gründete die Firma Polimedia, zusammen mit Bernhard Krumpel, Kommunikationsexperte aus dem ÖVP-Umfeld. Krumpel wechselte 2016 als Konzernsprecher… wohin? Genau, zur Novomatic. Und wer beerbte ihn bei Polimedia? Ein gewisser Peter Sidlo. Novomatic streitet bis heute sämtliche Vorwürfe ab (Strache im Video: „Novomatic zahlt alle“), doch die Personenverbindungen von Tschank und Co. sind äußerst bemerkenswert.
  • Ab 2017/18: Obmann des Instituts für Sicherheitspolitik, einem laut Medienberichten von SP-Verteidigungsminister Hans-Peter Doskozil ins Leben gerufenen Anhängsel des Verteidigungsministeriums mit Schwerpunkt auf Osteuropa und Zentralasien, das in der sicherheitspolitischen Blase jedoch – trotz umfrangreicher Leistungsbeschreibung – bislang relativ unbekannt blieb. Das Institut wurde von – richtig – Novomatic gesponsert, und zwar mit 200.000 Euro.

Interessantes:

Tschank hätte auf Wunsch seiner Partei das jetzige Nationalbank-Direktoriumsmitglied Eduard Schock als FPÖ-Finanzreferent beerben sollen. Doch es kam anders, Tschank wurde von den Ibiza-Nachwehen voll erwischt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun in der Sache wegen Untreue, nachdem der Verdacht der illegalen Parteienfinanzierung im Raum steht. Sie hatte deshalb um die Aufhebung der Immunität von Tschank ersucht, die „Auslieferung“ erfolgte überraschend einstimmig – und das obwohl Tschank selbst im Immunitätsausschuss saß. Der Ex-Mandatar beteuert weiterhin seine Unschuld. Es gilt die Unschuldsvermutung.

(wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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