Großclubs am Ende

WAC und LASK sind neue zweite Kraft

Die vermeintlichen Großclubs der österreichischen Bundesliga schwächeln. Mit der Ausnahme von Salzburg plagen sich mit Rapid, Austria und Sturm drei der „Großen Vier“ von Runde zu Runde durch die Liga. Der Rang wurde den drei ehemaligen Großmächten von LASK und WAC abgelaufen. Ein Trend, der sich seit Jahren abzeichnete.

Wien, 26. November 2019 / Bereits letzte Saison schwächelten die drei Großstadtclubs Sturm (4. Platz), Austria (5.) und Rapid (7.). Der erst 2017 aufgestiegene LASK setzte sich sukzessive im Spitzenfeld der Bundesliga fest und gilt nun bereits als zweite Kraft in Österreich. Im Windschatten der Linzer erklomm auch der Wolfsberger AC ungeahnte Höhen. Souverän erreichte man Rang drei letzte Saison und auch dieses Jahr überzeugt man national, als auch international. Doch woher kommt der Erfolg?

Das System

Beide Vereine sind geprägt von einer eindeutigen strukturellen Aufstellung. Der LASK entschied sich 2015 für Oliver Glasner als Cheftrainer. Das Oberösterreich-Urgestein kam mit einem genauen Plan zum Verein, den er aus seinen Lehrzeiten bei RB Salzburg mitnahm. Durch ein 3-4-3-System entwickelte Glasner ein enormes Pressing durch Überzahlsituationen im Mittelfeld. Der Gegner soll zu Fehlern gezwungen werden und durch schnelle Gegenstöße soll der Torerfolg gelingen. Ein Spielstil, der den Spielern körperlich alles abverlangt. Ein System, für das man das richtige Spielermaterial benötigt. Trainer seit dieser Saison ist Valerien Ismael, der dieses System exakt von Glasner übernahm.

Auch beim WAC herrscht Kontinuität im System. Im 4-4-2-System gilt eine große Devise: Rennen. Besonders das Mittelfeld ist von hoher Variabilität und Positionswechsel geprägt. Installiert durch Christian Ilzer, verfeinert durch Struber und nun fortgesetzt durch Neo-Trainer Sahli.

Bei Sturm, Rapid und der Austria hat sich in den letzten Jahren keine durchgängige taktische Linie etabliert. Zwar hatten der LASK und der WAC auch Veränderungen beim Cheftrainerposten, jedoch verfolgten die Nachfolger stehts den Plan ihrer Vorgänger.

Transfers

Der große Vorteil des LASK und des WAC ist der Kader. Nach ihrer starken letzten Saison hatten beide kaum mit Aderlass im Kader zu kämpfen. Mit Joao Victor zu Wolfsburg und Ulmann zu Rapid hat der LASK gerade mal zwei Stammspieler in der Sommer Transferzeit verloren – mit denen man mehr als vier Millionen einnahm. Die Verluste konnte man jedoch grandios abfedern. Mit Raguz zog man von den Juniors einen der Shootingsstars der Saison hoch. Der WAC musste so gut wie keine essenzielle Stütze der Erfolgssaison abgeben. Ganz im Gegenteil, man verstärkte mit dem Israel-Goalgetter Shon Weissmann sogar noch den Kader.

Bei den beiden Wiener Vereinen verlief die Transferzeit hingegen enttäuschend. Rapid verlor zwei wichtige Defensivspieler mit Müldür und Bolingoli, für die nicht wirklich adäquater Ersatz verpflichtet wurde, obwohl man Einnahmen in Millionenhöhe lukrierte. Kaum ein Neuzugang konnte wirklich überzeugen, mit der Ausnahme des Griechen Fountas bei Rapid. Die Austria tauschte Mitläufer durch noch größere Mitläufer aus. Bei den Grazern zeigte sich zumindest in den letzten Runden ein gewisser Aufwärtstrend, etwa beim ausgeliehenen Bulgaren Despodov.

Das Selbstvertrauen

Vor zwei Jahren war die Erwartungshaltung an den frisch aufgestiegenen LASK und den abstiegsbedrohten WAC noch eine andere. Man befand sich am unteren Ende der Liga, sowohl sportlich, als auch finanziell. Durch die letztjährigen Erfolge wurde regelrecht eine Euphorie um die beiden Vereine entfacht. Das steigerte auch das Selbstvertrauen der beiden Mannschaften. In der Europa League sorgten beide für Furore. Der WAC schoss den momentanen Tabellenführer der Deutschen Bundesliga Mönchengladbach mit 4:0 aus dem eigenen Stadion. Der LASK watschte den holländischen PSV mit 4:1 ab. Die Erwartungshaltung an die beiden ist nun eine andere, sie nehmen sie dankend an. Mit einer gewissen Selbstverständlichkeit traut man den beiden Vereinen international auch gegen nominell größere Kaliber viel zu. Ganz im Gegenteil zu den drei taumelnden Ex-Großclubs.

Das letzte Mal, dass die „Großen Vier“ auch die Plätze eins bis vier belegten, liegt bereits sieben Jahre zurück. Aussicht auf Besserung für Graz und Wien ist nicht in Sicht. Der LASK und der WAC werden sich aller Vorraussicht nach auch diese Saison einen internationalen Startplatz ergattern. Damit verbunden sind enorme finazielle Mittel, die den Abstand zu den ehemaligen Kräften noch vergrößern werden. Die Austria muss kämpfen, dass sie nicht noch in den Abstiegsstrudel geraten wird. Rapid und Sturm taumeln im Nirgendwo. Der LASK und der WAC sind gekommen, um zu bleiben.

(bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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