Die Akte Gudenus:

Kokain im Schlafzimmer?

Lange Zeit war Johann Gudenus einer der engsten Vertrauten von Heinz-Christian Strache. Im Ibiza-Video war Gudenus neben seinem früheren Chef der zweite Hauptdarsteller. Seitdem sind viele alte Bande zerbrochen, und die Staatsanwaltschaft verfolgt neue Spuren. ZackZack.at deckt auf, warum. Lesen Sie heute den ersten Teil der „Akte Gudenus“.

Wien, 27. November 2019 / Am 12. August 2019 klopft ein Beamter des Bundeskriminalamts an einer Wohnungstür in der Wiener Neuwaldeggerstraße. Johann Gudenus öffnet ihm – in „Schlafkleidung“, wie der Beamte des Büros für Organisierte Kriminalität protokolliert. „Nachdem die Sicherheit hergestellt war – in der Wohnung befinden sich zwei Faustfeuerwaffen sowie zwei Langwaffen, die alle ordnungsgemäß versperrt waren, kamen auch die Staatsanwälte der WKStA in die Wohnung die in der Folge der Durchsuchung beiwohnten.“

Das weiße Pulver

Die Beamten durchsuchen einen Raum nach dem anderen. Im Schlafzimmer öffnen sie einen Schrank und stehen vor einem kleinen Tresor. Neben ihm machen sie einen Zufallsfund: drei Visitkarten, auf denen sich kleine Häufchen eines weißen Pulvers befinden.

In der „Lichtbildbeilage“ halten die Beamten fest:

„Im Schlafzimmer des Johann GUDENUS wurden neben dem Tresor liegend Visitkärtchen sowie in einer schwarzen Schachtel liegend ein zusammengefaltetes Stück Papier aufgefunden, die Rückstände von suchtmittelverdächtigen Substanzen aufwiesen.“

Ein Beamter bringt das Pulver auf einen Teststreifen „DIPRO DRUGLAB – Multi-Drug Screen-Test“ auf. Bei drei Substanzen zeigt der Streifen zwei Striche – negativ. Bei „Coc“ ist der Test positiv. Der Einsatzleiter des Bundeskriminalamts legt einen getrennten Amtsvermerk an:

„Bei drei Visitkarten sowie einem ca. 15 x 15 cm großen Karton konnten Spuren eines weißen Pulvers festgestellt werden. Dieses Pulver wurde einem Suchtgiftschnelltest unterzogen und wurde bei dem auf den Visitkarten vorgefundenen Pulver festgestellt, dass es sich vermutlich um Kokain handelte.“

Auf ZackZack-Nachfrage bestätigt Gudenus den Fund: „Ich kommentiere keine Zufallsfunde in Form von irgendwelchen Rückständen in einem Haufen vieler fremder Visitenkarten.“

Aber wie kommen „irgendwelche Rückstände“ auf die Visitkarten? Und wie kommen die „fremden“ Visitkarten in das Schlafzimmer des Ex-Klubobmanns der FPÖ?

Politische Verantwortung

Die Justiz ermittelt. Zwei Tage nach der Hausdurchsuchung beantwortet Justizminister Jabloner eine schriftliche Anfrage der Neos:

„Folgende Vorwürfe werden auf das Vorliegen eines Anfangsverdachts bzw. auf ihre strafrechtliche Relevanz geprüft bzw. wurden noch keiner Enderledigung zugeführt: (…) 18: Überlassung von Kokain an verschiedene Abnehmer: Verbrechen des Suchtgifthandels nach §28a Abs. 1 fünfter Fall SMG.“

Die Ermittler werden eine einfache Frage beantworten müssen:

Hat der Chef der Wiener FPÖ, der Wiener FPÖ-Vizebürgermeister und der FPÖ- Nationalratsklubobmann Kokain konsumiert? War er kokainabhängig? War er dadurch erpressbar? Und wenn ja: Wer in seiner Partei hat davon gewusst?

(red)

Kommentar zur Story

Titelbild: APA Picturedesk

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