Erdogan atmet auf

Türkische Wirtschaft brummt

Jahrelang fand die türkische Wirtschaft nicht aus ihrer tiefen Krise. Die Lira war im freien Fall, Investitionen gingen zurück, die Wirtschaft schrumpfte. Das Regime von Präsident Erdogan geriet durch diese Entwicklung unter massiven Druck. In der sogenannten „Kartoffelkrise“ stiegen Preise für Grundnahrungsmittel in lichte Höhen, Unruhe in breiten Teilen der Bevölkerung war die Folge. Im Juni 2019 verlor Erdogans AKP Istanbul – trotz fragwürdiger Wahlwiederholung. Doch nun kann Erdogan aufatmen.

Wien/Ankara, 02. Dezember 2019 / Die türkische Wirtschaft wächst nach längerer Flaute wieder. Das Bruttoinlandsprodukt legte von Juli bis September um 0,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu, wie das nationale Statistikamt am Montag mitteilte. Zuvor war es drei Quartale in Folge geschrumpft, zuletzt um 1,6 Prozent. Zu verdanken ist das Comeback vor allem der Landwirtschaft, die um 3,8 Prozent wuchs. Die „Kartoffelkrise“ ist also endgültig überwunden. Auch die Industrie schaffte ein überdurchschnittlich Plus von 1,6 Prozent, während die Dienstleister um 0,6 Prozent zulegten und die ehemals brummende Baubranche sogar um 7,8 Prozent schrumpfte.

Billiges Geld ins System pumpen

Das viele Jahre mit Wachstumsraten um die fünf Prozent glänzende Schwellenland leidet unter der kräftigen Abwertung der Landeswährung Lira, die 2018 um annähernd ein Drittel zum Dollar verlor. Das verteuert Importe und treibt die Inflation nach oben, was wiederum die Kaufkraft der Türken schmälert. Von Reuters befragte Ökonomen rechnen deshalb für das zu Ende gehende Jahr lediglich mit einem Wachstum von 0,5 Prozent.

Um die Konjunktur mit billigerem Geld anzukurbeln, hat die Zentralbank ihren Leitzins kräftig gesenkt. Er liegt derzeit bei 14 Prozent, nachdem er im Juli noch 24 Prozent betrug. Die Regierung sagt für 2020 ein Wirtschaftswachstum von fünf Prozent voraus. Der schnurrende Wirtschaftsmotor ist ein wichtiger Stabilisierungsfaktor für das Regime Erdogan. „Wachstum um jeden Preis“ scheint daher die Strategie der Regierung zu sein. Ob das nachhaltig ist, wird sich zeigen.

(APA/red)

Titelbild: APA Picturedesk

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