Skandalkalender – Türchen 2

Haiders „Ordentliche Beschäftigungspolitik“

13. Juni 1991. In Kärnten ist ein junger Politiker Landeshauptmann, dessen Stern unaufhaltsam zu steigen scheint. Doch dann stolpert er beinahe über eine skandalöse Äußerung.

Wien, 02. Dezember 2019 / Jörg Haider sorgte für eine Menge Skandale, seit er 1986 seinen Vorgänger Norbert Steger von der FPÖ-Parteispitze geputscht hatte. Steger war vergleichsweise liberal gewesen, die „Kellernazis“ in seiner Partei wäre er gerne losgeworden.

Der Putsch der Deutschnationalen

Doch am Ende kam es umgekehrt. Die triumphierenden Deutschnationalen der FPÖ trugen 1986 ihren siegreichen Kandidaten Jörg Haider auf den Schultern. Der junge Populist führte die kleine FPÖ zu ungeahnten Höhenflügen. 1989 wurde Haider dank Unterstützung der ÖVP Kärntner Landeshauptmann.

Ordentlich daneben

Zwei Jahre später äußerte er in dieser Funktion im Kärntner Landtag etwas, das sogar für österreichische Verhältnisse untragbar war. An die Adresse der SPÖ gerichtet sagte Haider wörtlich:

„Na, das hat’s im Dritten Reich nicht gegeben, weil im Dritten Reich haben sie ordentliche Beschäftigungspolitik gemacht, was nicht einmal Ihre Regierung in Wien zusammenbringt. Das muss man auch einmal sagen.

Angesichts Millionen von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen, auf deren Schultern die „Beschäftigunspolitik“ des „Dritten Reiches“ ruhte, war es kein Wunder, dass diesem Sager wilde Proteste folgten. Die Aufregung war so groß, dass Haider etwas tat, was ganz und gar untypisch für ihn war: Er entschuldigte sich.

Na und?

Aber Haider hatte den Bogen überspannt. Zum ersten Mal in der Geschichte der Zweiten Republik sprach die Regierung einem Landeshauptmann das Misstrauen aus. Eine Woche nach dem Eklat wurde Haider als Landeshauptmann abgewählt.

Haider ging in die Bundespolitik. Die Wähler nahmen es dem Wahlkärntner nicht übel – im Gegenteil: Die FPÖ verzeichnete deutliche Zugewinne.

War Haiders Entgleisung ein Lapsus, bewusste Provokation oder einfach Ausdruck innerer Überzeugung? Wie immer konnte man das bei Haider nicht genau wissen.

(tw)

Titelbild: Dieter Zirnig flickr.com CC2.0 / ZackZack-Grafik OW

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