Žižek bei Assange

„Liefert ihn nicht aus!“

Schweden stellte die Ermittlungen gegen Assange ein. Trotzdem sitzt der Wikileaks-Gründer weiter im Gefängnis. Die Auslieferung nach Skandinavien ist dennoch gänzlich vom Tisch. Nun geht es nur mehr darum, ob er als politischer Gefangener in die USA deportiert wird. Wenige Tage nach der Einstellung besuchte der Slowene Slavoj Žižek Assange im Gefängnis.

London, 02. Dezember 2019 / Es war wenige Tage, nachdem Schweden seine Voruntersuchung gegen Assange einstellte. Am 21. November machte sich der slowenische Philosoph Slavoj Žižek auf, um Julian Assange zu treffen. Dafür muss man in das Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh reisen. Dort sitzt der Wikileaks-Gründer seit April. 23 Stunden pro Tag in Einzelhaft. 1 Stunde am Tag erhält er Ausgang, doch auch dann darf er keine anderen Gefangenen treffen.

Scharfe Kritik von Žižek

Laut Behörden zu seinem eigenen Schutz, berichtet Žižek. Die Gefängnisleitung würde behaupten, er wäre besonders gefährdet. Denn von vielen würde er als verhasster Verräter betrachtet werden. Gleichzeitig sei Zizek bei seinem Besuch allerdings streng bewacht worden, da er sich mit einem gefährlichen Gefangenen treffen würde.

Zurück kam Star-Philosoph Slavoj Žižek jedoch mit einem wortreichen Plädoyer für seinen Freund Julian Assange. In der US-amerikanischen Zeitung „Spectator“ versuchte er der Weltöffentlichkeit klarzumachen, was auf dem Spiel steht. Zudem kritisierte er Großbritannien scharf. Es scheint, schreibt Zizek, als wäre Großbritannien höriger gegenüber den USA, als Hongkong gegenüber China. Wie wäre es sonst zu erklären, dass die britischen Behörden keine Probleme darin sehen, eine Person, eines politischen Verbrechens beschuldigt, an die USA auszuliefern?

Im Gegensatz zu Hongkong und China, was auf die Formel „ein Land, zwei Systeme“ reduziert wird, wirken die Beziehungen zwischen Großbritannien und der USA wie „zwei Länder, ein System“. Und zwar das amerikanische System. Damit spricht er direkt die Fraktion der Brexiteers an, die unbedingt die EU verlassen wollen.

Ärzte äußern Bedenken

Denn wenn jene Gruppe die Souveränität der Briten wirklich gefährdet sehen, dann müssten sie sich aktiv gegen die Auslieferung Assange‘ einsetzen. Immerhin gehe es hier darum, ob sich Großbritannien als Handlanger der US-Regierung hingibt. Das müsste alle ehrlichen Brexiteers auf die Barrikade treiben.

Am 13. Dezember wird Julian Assange erneut angehört. Währenddessen mehren sich beinahe täglich die kritischen Zurufe. So schrieben Mediziner aus acht Ländern erst letzte Woche ein Gutachten, dass der gesundheitliche Zustand von Assange höchst bedenklich sei. Der Wikleaks-Gründer leide unter Depressionen, Zahnproblemen und schweren Schulterschmerzen. Die Ärzte äußern heftige Zweifel, dass Assange für den Prozess über die Auslieferung fit genug ist.

Im typisch philosophischen Stil endet Žižek sein Plädoyer mit einem grundlegenden Urteil: „Wann werden wir verstehen, dass die Geschichte von Assange eine Geschichte über uns selbst ist und dass sein Schicksal unser grundsätzliches Verständnis von Freiheit und Menschenrechte betrifft?“

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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