Skandalkalender – Türchen 3

Der Fall Strasser

20. März 2011. Der ehemalige ÖVP-Innenminister ist tief gefallen – aufs Abstellgleis der österreichischen Politik, nach Brüssel. Dort ist er nicht nur Politiker, sondern auch Geschäftsmann.

Wien, 03. Dezember 2019 / 2011, veröffentlichte die britische Zeitung Sunday Times ein verwackeltes Video. Zu sehen ist der österreichische EU-Parlamentarier Ernst Strasser. Ganz offen erzählt er über seine Kunden, für die er Gesetze macht. Das kostet natürlich eine Kleinigkeit: 100.000,- Euro pro Deal. Was Strasser nicht weiß: die zwei vermeintlichen Geschäftparner, denen er das erzählt, sind in Wirklichkeit Undercover-Journalisten.

Was war die Leistung?

Strasser bezeichnet sich auf die Nachfrage der Journalisten als Politiker und Lobbyist. Er könne in seiner Position „Menschen beeinflussen“ und „die Richtung vorgeben, um kritische Inhalte zu verändern“.

Ab in den Häfen

Nach der Veröffentlichung des Videos verteidigte sich Strasser originell: Eigentlich wollte – ehrlicher Bürger, der er ist – den vermeintlichen Bestechern eine Falle stellen und ihren Bestechungsversuch melden.  Leider sei er noch nicht dazu gekommen.

Vor Gericht hielt Strassers Sichtweise nicht. Am November 2014 trat der ehemaligen Innenmister seine Haftstrafe an – ausgerechnet in einem Gefängnis, das er selbst als Innenminister eröffnet hatte. Schon nach acht Wochen Haft bekam Strasser jedoch Freigang, um nebenbei in einer Beraterfirma zu arbeiten. Nochmals fünf Monate später konnte er mit einer elektronischen Fußfessel das Gefängnis verlassen.

Skandal?

Bleibt die Frage, was hier eigentlich der Skandal ist: Die Bestechlichkeit oder die Tatsache, dass Strasser sie nur mit einer Stippvisite im Gefängnis abbüßen musste?

(mp)

Titelbild: APA Picturedesk

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