Skandalkalender – Türchen 4

Die Liederbuch-Affäre

Hinter Türchen Nummer vier steht ein junger niederösterreichischer FPÖ-Spitzenkandidat und ein Buch, über das er stolpern sollte. Zumindest für kurze Zeit.

Wien, 04. Dezember 2019/ Wir schreiben das Jahr 2018. Im Vorfeld der Landtagswahl in Niederösterreich erlangt der FPÖ-Spitzenkandidat Udo Landbauer enorme Medienpräsenz. Doch es ist nicht aufgrund seiner Aussage über Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, die er als „Moslem-Mama-Mikl“ bezeichnet, sondern über seine Vergangenheit in der Burschenschaft „Germania zu Wiener Neustadt“. Am 23. Jänner 2018 wurde in dieser ein Liederbuch mit einer Reihe von rassistischen und antisemitischen Texten gefunden. Landbauer war bis vier Tage vor dem Fund stellvertretender Vorsitzender und insgesamt 17 Jahre Mitglied der Burschenschaft.

Druck steigt

Es stand der Verdacht auf Wiederbetätigung im Raum. Selbst Landeshauptfrau Mikl-Leitner schloss eine Zusammenarbeit mit Landbauer nach der geschlagenen Wahl kategorisch aus. Kanzler Kurz, der zwar die „volle Härte des Gesetzes“ forderte, ging nicht weiter auf die Rolle Landbauers ein. Der Druck auf Landbauer wurde jedoch zu groß. Sämtliche Parteien stellten sich gegen ihn und am 1. Februar 2018 legte er alle politischen Funktionen zurück. Ende gut, alles gut.

Bin weg – bin wieder da

Nun, nicht ganz. Da das Verfahren aufgrund von Verjährung – das Liederbuch wurde 1997 herausgegeben – eingestellt wurde, war Landbauer aus dem Schneider. Nur sechs Monate später kam Landbauer auf ausdrücklichen Wunsches HC Straches wieder zurück, unter massiven Protesten von ÖVP und SPÖ. Mittlerweile ist Landbauer Klubobmann der niederösterreichischen FPÖ.

(bf)

Titelbild: PBwag – wikicommons / ZackZack-Grafik OW

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