Kommt der Kältetod vor den Toren der EU?

Das Solidaritätsprinzip mancher EU-Staaten ist in einem Verfallszustand. Die Bedingungen im Camp Vučjak in Bihać (Bosnien) sind ohnehin schwer. Jetzt liegt Schnee und der Wintereinbruch ist voll da. Kommen jetzt Kältetote?

Sarajevo, 05. Dezember 2019 / Im Lager sind derzeit ungefähr 2.000 Menschen. Sie halten sich mit Feuer im Camp warm, da die Temperaturen auf unter 0 Grad gefallen sind. Die Menschenrechtskommissarin des Europarates, Dunja Mijatović, sagt nach einem Besuch von Vučjak am Dienstag zum Belgrader Sender N1, dass das Lager noch heute geschlossen werden sollte.

„Die Bedingungen sind nicht für Menschen. Das ist beschämend. Dieses Lager muss heute schließen. Den Menschen muss ein Ort zum Aufwärmen geboten werden, an dem sie eine Mahlzeit erhalten und ihre Anträge nach menschlichem Ermessen bearbeiten können“,

sagte die Kommissarin.

Shuhret Fazlić, Bürgermeister von Bihać, stellte sich dem bosnischen Portal Oslobodjenje. Er würde alle Entscheidungen unterstützen, die dazu führen würden, dass Bihać entlastet und die Anzahl der Migranten verringert würde.

Keine Entspannung in Sicht

Die EU hat noch immer keine Einigung für die Lösung des Problems. Schon länger zeigen sich einige EU Staaten als uninteressiert an der Verteilungsfrage. Die EU-Kommission erhob Klage gegen Ungarn, Polen und Tschechien. Mit der neuen EU-Kommission wird wieder ein neuer Schritt zur Lösung versucht werden.

Die kroatische Polizei kidnappt nigerianische Studenten 

Auch Kroatien, obwohl in der EU, geht hart mit den Geflüchteten um. Dem bosnischen Portal Žurnal zufolge verhaftete die kroatische Polizei zwei junge Männer, die zur Universitätsweltmeisterschaft nach Pula gekommen waren. Sie wurden bei einem Spaziergang von der Polizei angehalten und wie illegale Migranten behandelt. Danach brachte man sie in einen Wald nahe der bosnischen Grenze. Unter Androhung von Waffen drängte man sie nach Bosnien und Herzegowina. Die beiden Männer, Abia Uchenna Alexandro und Eboh Kenneth Chinedu, sind derzeit als illegale Einwanderer im Großraum Kladuša (Bosnien) inhaftiert.

Das Interuniversitäre Sportkomitee, der Organisator der Pula-Weltmeisterschaft, sei über den Vorfall informiert. Der Ausschussvertreter Alberto Tanghetti sagte im Gespräch mit Žurnal, dass die Studenten reguläre Visa hatten.

(rc)

Titelbild: APA Picturedesk

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