Skandalkalender – Türchen 5

Der Fall Lucona

Hinter Türchen Nummer Fünf befindet sich der mittlerweile legendäre Lucona-Skandal. Wie ein Frachtschiff die österreichische Innenpolitik nachhaltig veränderte und was die SPÖ damit zu tun hatte, das erfahren Sie heute auf ZackZack.at.

Wien, 05. Dezember 2019 / Wir schreiben das Jahr 1976. Der Bundeskanzler heißt Bruno Kreisky. Die SPÖ regiert mit absoluter Mehrheit und ein Mann names Udo Proksch treibt im biederen Österreich sein Unwesen.

Sprengstoff auf dem Frachter

Proksch chartert den Frachter Lucona und lässt ihn mit Sperrmüll beladen. Er behauptete allerdings, es handelt sich um Uranaufbereitlungsanlagen. Die vermeintlich wertvolle Fracht lässt er um 212 Millionen Schilling versichern und lässt sie in den Indischen Ozean verschiffen. Ziel: Ein Strohmann von Udo Proksch. Das einzig wertvolle auf dem Schiff ist Sprengstoff, der mit einem Zeitzünder ausgestattet wurde. Am 23. Jänner 1977 kommt es dann schließlich zur Explosion vor den Malediven. Dabei sterben sechs Menschen. Das einzige, das Udo Proksch interessiert, ist aber die Versicherungsleistung. So weit, so schlecht. Aber der eigentliche politsche Skandal beginnt erst danach:

Proksch und die SPÖ

Udo Proksch war bestens vernetzt in der SPÖ. Ihm wurde sogar eine Freundschaft mit Kreisky nachgesagt. Als Eigentümer des legendären Kaffeehauses Demel beherbergte er dort den berühmten Club 45. Ein Club, in dem die damalige SPÖ-Elite Verkehrte. Mitglieder waren unter anderem Heinz Fischer, Hannes Androsch und Karl Blecha. Durch diese Netzwerke, die weit bis in die Justiz und Polizei gingen, musste Proksch in Österreich nichts fürchten.

Lange Aufklärung

Insgesamt zog sich die Aufklärung der Lucona-Affäre 15 Jahre lang hin. Zug um Zug wurde die Involvierung der Club-45-Mitglieder Leopold Gratz und Karl Blecha sowie des durch Selbstmord aus dem Leben geschiedenen Verteidigungsministers Karl Lütgendorf ans Licht gebracht. Proksch entzog sich 1985 durch Flucht den Ermittlungen und wurde erst 1991 gefasst. Er ging sogar soweit, dass er durch eine Gesichtsoperationen seine Identität verschleiern wollte.

Die Folgen

Gratz und Blecha schieden daraufhin aus der aktiven Politik aus. Ihnen konnte im parlamentarischen Untersuchungsausschuss Parteilichkeit bei der Affäre Lukona nachgewiesen werden. Proksch wurde 1992 zu lebenslanger Haft verurteilt. Er starb 2001 im Grazer Gefängnis.

(fr)

Titelbild: APA Picturedesk / ZackZack-Grafik OW

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