Erdogans Einfluss am Balkan

Dem bosnischen Onlinemedium „Direktno“ zufolge wurde diese Woche ein türkischer Schuldirektor in Bosnien und Herzegowina verhaftet. Er soll in die Türkei ausgeliefert werden. Der Grund: eine angebliche Verwicklung in den Putsch in der Türkei 2016.

Bihać, 6. Dezember 2019 / Der Schuldirektor Keskin lebt seit zwei Jahrzehnten in Bosnien und Herzegowina und ist Direktor des Richmond Park College School Centers in Bihać. Diese Woche wurde er verhaftet und anschließend zum Ausländerdienst und dann in das Einwanderungszentrum gebracht. Der Fall zeige laut Kritikern, wie groß der Einfluss des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mittlerweile offenbar auch in anderen Ländern ist.

Bedrohung für die öffentliche Ordnung?

Was war passiert? Der Grund für das Handeln der Behörden sind Vorwürfe gegen Keskin, er sei eine Bedrohung für die öffentliche Ordnung und die nationale Sicherheit von Bosnien und Herzegowina. Der Direktor des Auswärtigen Amtes, Slobodan Ujić, sagte nur, dass man K. zu zusätzlichen Kontrollen und auf der Grundlage früherer Informationen vorgeladen hätte.

Angst um die Sicherheit ihres Mannes

Die Frau des verhafteten Schuldirektors sagte in den Sozialen Medien, sie fürchte um die Sicherheit ihres Mannes. Das College in Bihac, das seit 2014 von Keskin geleitet wird, besteht indes auf eine fundierte Erklärung, warum Keskin wirklich verhaftet wurde.

“Die Mitglieder unseres Kollektivs sind entsetzt und wir können den Kindern heute einfach nicht erklären, was wirklich passiert ist“,

heißt es in der Erklärung des Richmond Park College.

Opposition kritisiert Erdogans Forderung

Die Opposition im Land gab zu verstehen, dass es sich um die Verfolgung von politischen Gegnern durch türkische Behörden handle. Das Richmond Park College betreibt tatsächlich ein Schulsystem, das früher “Bosnia Sema” hieß und von Fetullah Gülen finanziert wurde. Gülen steht in Ankara unter Verdacht, 2016 einen Putsch in der Türkei inszeniert zu haben. Im Anschluss daran begann eine Welle von Verhaftungen mutmaßlicher Gülen-Sympathisanten, darunter zahlreiche Richter, Journalisten und Universitätsprofessoren. Der türkische Präsident forderte heuer bei seinem Besuch in Bosnien und Herzegowina dazu auf, Personen die als „Gülenisten“ gelten, der Türkei auszuliefern.

Die sozialdemokratische SDP betont, dass im Bundesstaat Bosnien und Herzegowina Gesetze, Verfassungen und Regeln ausländischer Mächte nicht umgesetzt oder auferlegt werden dürfen. Die Partei kritisiert derweil die Erdogan-nahe SDA hart und fordert eine Stellungnahme.

(red)

Titelbild: APA Picturedesk

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