Kickl kommentiert

Sexistische Weihnachten

Was schenkt Mann seiner Frau oder Freundin zu Weihnachten? Keine einfache Frage, wenn es nach den Sexismus-ExpertInnen geht.

Wien, 14. Dezember 2019 / Ein Hersteller von Fitnessgeräten musste jüngst neun Prozent Kursverlust in Kauf nehmen, weil er seinen Heimtrainer in einem 30-Sekunden-Werbespot wie folgt angepriesen hatte:

Ein Mann schenkt seiner (schlanken) Frau einen Heimtrainer zu Weihnachten. Die Frau beginnt zu trainieren und filmt sich dabei. Sie macht das ein Jahr lang. Nächste Weihnachten schenkt sie Zusammenschnitte des Videos, um sich zu bedanken.

Mehr hat es wirklich nicht gebraucht! Die ExpertInnen waren ebenso flugs zur Stelle wie Argumente, die dem sexistischen Treiben den Garaus machen sollten. Erstens: die Frau schaut vor den Trainingseinheiten genauso schlank aus wie danach! Zweitens, und das wiegt viel schwerer: ein MANN darf seiner FRAU keinen Heimtrainer schenken!

Die Wurzel dieses sexistischen Übels liegt nämlich in der mit dem Heimtrainer einhergehenden Aufforderung zum Abnehmen! Dass sie gar nicht abnehmen kann, weil sie doch bereits schlank war, macht nichts, denn keine der ExpertInnen hat beide Argumente verwendet.

Das Geschenke-Sexismus-Dilemma

Was also könnte ein Mann schenken, ohne in Sexismus-Verdacht zu geraten? Am besten nichts! Bücher könnten bedeuten, dass die Frau deppert ist und Bildung braucht. Kosmetikartikel sind ein Zeichen, dass mit dem Äußeren was nicht stimmt. Küchen- und sonstige Haushaltsgeräte sind ohnehin längst out, weil sie kein Heimchen am Herd sein darf. Schokolade und Pralinen sind eine Kritik an zu wenig Figur, Dessous ein Aufruf zur Kopulation.

Frohes Schenken und gute Kondition für uns alle!

Daniela Kickl

Der Kommentar gibt nicht die Meinung der Redaktion, sondern ausschließlich der Autorin wieder.

Mehr von der Autorin unter: https://danielakickl.com/

Titelbild: APA Picturedesk

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