Klimagipfel scheitert: Wen wundert’s?

Kommentar

Nach dem Klimagipfel kommt die Ernüchterung. Wen das jetzt wundert, der ist naiv. Denn Weltwirtschaft beruht auf Ausbeutung – und es sieht nicht so aus, als würde sich das so schnell ändern.

Wien, 16. Dezember 2019 / Die Welt ist nicht gerettet. Die Klimakonferenz endet mit Ernüchterung. Die Medien überschlagen sich: „Desaster“, „ein Angriff auf das Pariser Abkommen“, so titeln verschiedene Postillen. Aber wundert sich wirklich jemand?

Niemand gibt seinen Marktvorteil her

Eher ist alles wie erwartet: genügend wirtschaftliche Großmächte blockierten ein ambitioniertes Abkommen. Brasilien, USA, Australien und Japan sind die Sünder – allerdings ist die Blockade nicht verwunderlich. Sie haben Interessen, wirtschaftliche Interessen. Am kapitalistischen Weltmarkt geht es um Wettbewerbsvorteile. Und um Profite. Beides wird man um keinen Preis abgeben. Auch nicht, wenn die EU den „Klimanotstand“ ausruft, oder wenn Greta Thunberg zur wichtigsten Person des Jahres gewählt wird.

So läuft das Spiel: Am Weltmarkt konkurrieren die Staaten miteinander. Jedes Land will so viel vom Geld-Kuchen wie möglich. Und das geht nur, wenn man den Konzernen viel Spielraum lässt. Die geben sich neuerdings als grüne Vorreiter. Aber auch die EU und ihre „Klimakrise“ steht nicht außerhalb wirtschaftlicher Interessen. So setzt sich die Atomlobby für die CO2-Ziele des Paris Agreements ein. Denn Atomstrom könnte künftig als grüner Strom kategorisiert werden. Zwar könnte die CO2-Emission dann reduziert werden, im Gegenzug werden aber Kernkraftwerke subventioniert. Die Welt retten – durch Kernkraft. Diese Vision wäre für Öko-Bewegungen bis vor Kurzem undenkbar gewesen.

Die UNO kann nicht alles ändern

Nicht nur das CO2 ist eine Baustelle für die Menschheit. Unser Wirtschaftssystem beruht auf Ausbeutung und Konkurrenz. Und auch durch neue „ökologische“ Märkte kann Profit erwirtschaftet werden. So werden E-Autos eine immer stärkere Konkurrenz am Automobilmarkt. Ob E-Autos sauber sind? Auch das kommt auf die Sichtweise an. Ein nachhaltiger Wandel in der Wirtschaft wird dadurch jedenfalls nicht angestoßen. Diese Baustelle scheint noch größer als das Paris Agreement.

Die UNO hat viel für die Welt geleistet. Aber wer dachte ernsthaft, die Staatschefs würden sich am Klimagipfel zusammensetzen und die Welt retten? Da müsste man erstens sehr naiv sein und zweitens wenig Ahnung von unserem Wirtschaftssystem haben. Das Scheitern nach dem Klimagipfel sollte nicht wundern.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

Thomas Oysmüller kommentiert

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