Handelskrieg USA – China

Teil 1

Der Handelskrieg zwischen den USA und China bewegt die Welt. Die Beziehungen zwischen den beiden Großmächten sind jedoch komplex und historisch gewachsen. In einem zweiteiligen Handelskrieg-Spezial geht ZackZack.at der Beziehung zwischen den USA und China auf den Grund.

Peking/Washington/Berlin, 20. Dezember 2019 / Donald Trump und Xi Jinping könnten ungleicher nicht sein. Trotzdem zählen sie zu den mächtigsten Männern der Welt. Trump gilt als unkontrollierbarer Haudrauf-Präsident. Xi dagegen wird als großer Stratege mit totalitärem Anspruch beschrieben. Er will zum neuen Mao werden, schreibt Bücher und lebt vor, wie er China vorstellt. Die Macht, die Xi im eigenen Land hat, hätte Trump wohl gerne. Nachdem ein Bürger Xi mit Winnie Puuh verglich, war der Honig-Bär wenig später aus China verbannt. Über Xi macht man keine Scherze.

Trump gewinnt Wahl mit „Bedrohung China“

Man könnte meinen, dass sich Trump ebenfalls ein solches Durchgriffsrecht wünscht. Denn nach eigenen Angaben läuft in den USA gerade eine „Hexenjagd“ gegen ihn. Gemeint ist das Impeachment-Verfahren. Aber seit Trump an der Macht ist, wurde China zum Erzfeind. Schon in seinem erfolgreichen Wahlkampf wetterte er gegen den „Wirtschaftsbetrug der Chinesen“, denn China soll laut Trump die Devisenmärkte manipulieren. Seit seiner Wahl verfolgt er eine Abschottungspolitik, vor allem gegen China.

Die Medien gaben der Auseinandersetzung Trump-Xi den Titel „Handelskrieg“. Denn Trump setzt seit Beginn seiner Amtszeit auf Zölle und Sanktionen. China antwortet darauf. Doch die chinesische Großmacht wurde von den USA über Jahrzehnte hinweg gefördert. Nur durch die massiven Investitionen von westlichem Kapital kann China nun ernsthaft an den Devisenmärkten mitreden.

Als Trump China zum Hauptfeind in seiner Kampagne auserkoren hatte, nahmen den Immobilienhändler nur wenige ernst. Seit er Präsident ist, ist das anders. Doch die Beziehungen zwischen der einst unumstrittenen Welpolizei USA und der zukünftigen Nummer 1, China, sind lange und kompliziert. Schwarz-Weiß hilft nicht, um dieser Gemengelage auf die Spur zu kommen.

Der Kalte Krieg

Mitten in der Zeit des Kalten Krieges, am 1. Jänner 1979, bekamen die Beziehungen zwischen China und den USA eine symbolische Wendung. Washington und Peking nahmen diplomatische Beziehungen auf. Wenige Wochen später trat Deng Xiaoping (damaliger Parteichef) eine neuntägige Reise durch die USA an. Die USA sahen China damals als Partner, als nützliches und wichtiges Instrument im Kampf gegen die Sowjetunion. Und vor allem sah man China als riesige Spielwiese für amerikanisches Kapital.

Der damalige Führer Chinas besucht US-Präsident Jimmy Carter im Jänner 1979

In den 1980ern öffnete sich China dann für Auslandsinvestitionen. Westliches Kapital floss nach China, durchschnittlich waren es 2 Milliarden Dollar – bis zum Massaker von Tianmen am 4. Juni 1989. Sanktionen waren die Folge und China verschwand für rund drei Jahre von der weltpolitischen Bühne. Dann kamen die 90er Jahre: der Kalte Krieg war entschieden und eine neue Zeitrechnung angebrochen.

Die 1990er – der entfesselte US-Kapitalismus

Nun setzte die USA zum Siegeszug über die Welt an. IWF und US-Finanzministerium setzten den „Konsens von Washington“ durch. Das bedeutete: weltweite Deregulierung, Öffnung der Märkte und umfassende Privatisierungen – weltweit. Die 1990er Jahre waren die goldenen Jahre des US-Imperiums: Die Regierung in Washington war mit den Konzern-Multis und den Banken vollkommen einig. Man zog an einem Strang und formte die Weltwirtschaft nach eigenem Wunsch. Der Wunsch war klar: Alle Länder der Welt sollten die liberal-kapitalistische Weltordnung übernehmen.

China galt damals nicht mehr nur als Partner, das „Reich der Mitte“ war schon fast Verbündeter. Ab 1992 wurde Tianmen langsam vergessen und Deng setzte Reformen um, die China wieder schneller in die Weltwirtschaft einbinden sollten. Mit den USA einigte man sich auf Frieden. Im UN-Sicherheitsrat intervenierte China nicht gegen die Weltpolizei USA. Im Gegenzug wurde China von den USA in den globalen Kapitalismus integriert. Die Investitionen nach China stiegen daraufhin: Von 1992 bis 2000 gingen schon 30 Milliarden US-Dollar nach China.

Am 11. Dezember 2001 kam es zu einem historischen Punkt: China wurde in die WTO (Welthandelsorganisation) aufgenommen. Die strengen Vorgaben zur Aufnahme definierte Washington. Die US-amerikanischen Investitionen stiegen weiterhin rasant an. Von 2000 bis 2013 waren es schon 170 Milliarden US-Dollar, die im Durchschnitt nach China flossen. Die USA hatten keine Angst vor China, doch bauten sie in Wahrheit ihre eigene Hydra.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

Thomas Oymüller analysiert

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