Wahlwerbung aus Gefängnis

Häftlinge machen Spendenanrufe

Der Milliardär und Ex-Bürgermeister von New York Michael Bloomberg ließ Häftlinge Werbeanrufe für seine Präsidentschaftskampagne tätigen.

Wien, 25. Dezember 2019 / Für die Präsidentschaftskampagne von US-Milliardär Michael Bloomberg sind Gefängnisinsassen für Werbeanrufe eingesetzt worden. Bloomberg bestätigte am Dienstag in einer Mitteilung einen entsprechenden Medienbericht.

Anruf aus dem Häf’n

Das US-Medium „The Intercept“ hatte zuvor berichtet, dass die Bloomberg-Kampagne mittels einer Firma ein Call-Center-Unternehmen engagiert habe, das Call Center in zwei staatlichen Gefängnissen im US-Bundesstaat Oklahoma betreibe. Aus mindestens einer Haftanstalt – einem Frauengefängnis – sollen Anrufe für die Bloomberg-Kampagne getätigt worden sein.

In der Erklärung Bloombergs hieß es, die Kampagne habe erst durch die Anfrage eines Journalisten davon erfahren. Die Zusammenarbeit mit der verantwortlichen Firma sei umgehend eingestellt worden. „Wir unterstützen diese Praxis nicht.“ Nähere Details zu den Umständen wurden nicht genannt.

Bloomberg: reicher als reich

Bloomberg war erst im November und damit extrem spät ins Präsidentschaftsrennen der Demokraten eingestiegen. Der frühere Bürgermeister von New York und Gründer der gleichnamigen Nachrichtenagentur ist laut „Forbes“ mit einem Privatvermögen von etwa 55 Milliarden Dollar neuntreichster Mann der Welt.

Ein Angebot für Trump-Wähler

Bloomberg gilt als Kandidat der Mitte. Er will republikanischen Wählern ein Angebot machen, für die Kandidaten wie der Senator von Vermont, Bernie Sanders, zu weit links stehen. Verglichen mit österreichischen Verhältnissen vertritt Sanders klassisch sozialdemokratische Positionen, die jedoch in den USA als linksaußen gelten.

Bloomberg hatte hingegen als New Yorker Bürgermeister die als „Stop an Frisk“ bekannt gewordene Praxis der Polizei, willkürlich Menschen anzuhalten und zu durchsuchen, verteidigt. Betroffen waren vor allem Menschen mit dunkler Hautfarbe. Kritiker bezeichneten Bloombergs Politik deshalb als rassistisch. Ein Bundesgericht verbot die Praxis 2013. Bloomberg stieß jedoch auch ein umfangreiches Projekt zur Errichtung von Sozialwohnungen an.

(APA/red)

Titelbild: APA Picturedesk

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