Das ÖFB-Jahr

Rückblick

Das Jahr 2019 war ein Auf und Ab für die ÖFB-Elf. Die erfolgreiche EM-Quali sollte jedoch am Ende herrausschauen. Doch wie schlug sich die Foda-Elf im Jahr 2019? Ein Rückblick.

Wien, 26. Dezember 2019 / 2.Dezember 2018. Österreich wird in die vermeintlich einfache Gruppe mit Polen, Slowenien, Israel, Nord Mazedonien und Lettland gelost. Das Ziel war klar, die Qualifikation für die erste paneuropäische Europameisterschaft 2020 muss in dieser Gruppe geschafft werden. Mit Polen zog man den vermeintlichst leichtesten Gegner aus dem ersten Topf. Slowenien und Israel wurden als Konkurrenten jedoch als schlagbar definiert. Der Weg sollte jedoch deutlich steiniger werden als gedacht.

Fehlstart gegen Polen

Die Österreicher starteten denkbar schlecht in die Qualifikation. Die 0:1 Heimniederlage gegen Gruppenfavorit Polen setzte einen ersten Dämpfer in die Erwartungshaltung für eine erfolgreiche Qualifikation. Zwar dominierte Österreich größtenteils das Spiel, jedoch zeigte sich ein Problem, dass vor allem zu Beginn der Quali immer wieder Thema wurde: Neben Arnautovic fehlt ein Stürmer von internationalem Format. So kam es auch das Marc Janko mit seinen 35 Lenzen noch einmal einberufen wurde und auch zu Spielminuten kam. Leider ließ er in den Schlussminuten seinen Torriecher vermissen und versemmelte die Riesen-Ausgleichschance.

Das 0:1 Polens durch Milan-Stürmer Krzysztof Piatek

Tiefpunkt gegen Israel

Gegen Polen kann man verlieren, jedoch musste man angesichts des Spielverlaufes nicht. Beim zweiten Gegner Israel, traf die ÖFB-Elf auf viele alte Bekannte. Trainer Andreas Herzog startete mit einem 1:1 gegen Slowenien in die Quali. Neben Herzog traf man auf weitere Personen mit Österreich-Bezug, darunter Willi Ruttensteiner, Markus Rogan und Klaus Lindenberger. In Haifa sollte die Foda-Elf ihr persönliches Waterloo erleiden. Gegen effiziente Israelis wurde man 2:4 abgeschossen. Katerstimmung machte sich unter den Fans und in den Sportredaktionen des Landes breit. Eine Taktik war für viele nach den ersten beiden Spielen nicht erkennbar. Die Niederlage sollte jedoch zum Weckruf für die Nationalelf werden.

Wie Phönix aus der Asche

Die ÖFB-Elf fand sich gemeinsam mit Lettland mit Null Punkten auf dem letzten Tabellenplatz wieder. Für das anstehende Heimspiel gegen den von vornherein erwarteten Konkurrenten um den zweiten Platz in der Gruppe, Slowenien galt bereits die Marschlinie: Verlieren verboten. Die Österreicher starteten druckvoll in die Partie, scheiterten jedoch zahlreich am Weltklasse-Goalie Jan Oblak. Erst der eingewechselte Guido Burgstaller konnte die Foda-Elf und ganz Fußball-Österreich erlösen. Burgstaller erklärte zwei Monate später seinen Rücktritt, das Tor gegen Slowenien war wohl sein wichtigster Beitrag für das Nationalteam .

Pferdelunge Laimer maschiert durch die slowenischen Abwehrreihen

RB-Pressing bringt Erfolg

Drei Tage später gastierte man bei Nord Mazedonien. Besonders auffällig an der damaligen Aufstellung: Acht Spieler der Startelf hatten RB Salzburg-Bezug. Ins Auge stechen sollte vor Allem Konrad Laimer der mit seiner Pferdelunge den Acker von Skopje für 90 Minuten durchpflügte. Zwar startete man denkbar schlecht nach einem Slapstick-Eigentor von Hinteregger, jedoch ließ sich die ÖFB-Elf nicht beirren und presste aufgrund der zahlreichen RB Spieler sich zu einem 4:1 Auswärtssieg.

Vierkampf um Platz 2

Durch den Sieg stand die ÖFB-Elf mittlerweile mit sechs Punkten auf Platz drei der Gruppe G. Makelloser Tabellenführer Polen (12 Punkte) hatte bereits fünf Punkte Vorsprung auf die zweitplatzierten Israelis. Am 5. Spieltag empfingen die Österreicher die Schießbude der Gruppe: Lettland. Souverän fuhr man über die Balten drüber mit 6:0 oder wie Arnautovic sagen würde: „Ein sechsstelliger Sieg“. Richtig spannend sollte es in der Gruppe jedoch aufgrund des Parallelspiels werden. Slowenien schlug die Polen überraschend mit 2:0. Somit entwickelte sich ein Vierkampf um den zweiten Platz in der Tabelle. Österreich lag erstmals in der Poleposition um das zweite Ticket hinter den Polen.

Sechsmal jubelten die Österreicher gegen die Letten

In Polen: spielerisch top, Chancenauswertung mangelhaft

Nun wartete der Tabellenführer in Warschau auf die Foda-Elf. Die Österreicher waren wieder voll im Rennen um das EM-Ticket und zeigten dies auch auf dem Platz. Voller Elan schnürte man die Polen in ihrer Heimstätte in der eigenen Hälfte ein und erspielte sich Chance um Chance, scheiterte jedoch immer wieder an Goalie Fabianski oder dem Aluminium. Im sechsten Spiel trafen die Österreicher bereits zum achten Mal in der laufenden Quali das Gehäuse. Polen versuchte immer wieder über Konter und Bayern-Bomber Lewandowski gefährlich zu werden. Jedoch standen die beiden Innenverteidiger Posch – der sein Startelfdebüt feierte nachdem Hinteregger ein bisschen über den Durst getrunken hatte aufgrund seines 27. Geburtstages – und Dragovic sattelfest. Am Ende stand für beide Mannschaften ein 0:0 auf der Habenseite mit dem beide leben konnten, jedoch aufgrund des Chancen-Pluses für Österreich sich ein bisschen wie zwei verlorene Punkte anfühlte. In der Tabelle wurde die ÖFB-Elf von den Slowenen überholt, dass man nun mit zehn Punkten auf Platz drei stand.

Revanche an Herzog

Am 7. Spieltag standen die Zeichen für die Österreicher auf Revanche. Im Ernst-Happel Stadion gastierten die Herzog-Israelis, die mit dem 4:2 in Haifa die Österreicher noch vorführten. Ein Sieg der ÖFB-Elf würde die Israelis aus dem Rennen um das Euro-Ticket werfen, nachdem nach dem Sieg gegen Österreich nur mehr 3 magere Punkte erreicht werden konnte. Österreich machte zwar, das Spiel gegen Israel jedoch schlug wieder einmal ÖFB-Schreck Zahavi, der drei Tore bereits im Hinspiel erzielte in der ersten Halbzeit zu. Doch die Österreicher schlugen postwendend zurück Lazaro glich noch vor der Pause aus und danach sollte der Auftritt von Martin Hinteregger kommen. Der Verteidiger nahm eine Flanke in Brasilianer-Manier mit dem Oberschenkel an und schloss eiskalt ab. Sabitzer setzte noch das 3:1 drauf. Mit diesem Ergebnis waren die Israelis so gut wie aus dem Rennen und um den Platz hinter den Polen kämpften nur mehr drei Teams: Slowenien, Österreich und überraschenderweise die Nord Mazedonier.

Vorentscheidung gegen Slowenien

Den wohl wichtigsten Schritt setzte die Foda-Elf im Auswärtsspiel in Ljubljana gegen Slowenien. Die Entdeckung im ÖFB-Team dieser Quali im Namen von Konrad Laimer führte in Abwesenheit von Arnautovic zu einem souveränen 1:0 Sieg. Posch erzielte nach einem Eckball mit seinem ersten Teamtor das 1:0. Zwar hatten die Österreicher zweimal Glück, dass der Schiedsrichter offensichtliche Handspiele im Austria-Strafraum übersah, jedoch stand am Ende ein verdienter Sieg zu Buche. Der Vorsprung auf die Verfolger um das Ticket bei der Euro betrug nun bereits fünf Punkte. In den verbleibenden zwei Spielen gegen Nord Mazedonien und Schlusslicht Lettland genügte nun ein Punkt.

Und diese Vorgabe erledigten die Österreicher bereits im nächsten Heimspiel. Mit einem 2:1 Sieg gegen Nord Mazedonien holte man das EM-Ticket ab. Das letzte Gruppenspiel gegen Lettland wurde somit zum Schaulaufen für Leute aus der zweiten Reihe. In Riga blamierten sich die Österreicher jedoch hochgradig. Das 0:1 gegen den Gruppenletzten dürfte jedoch wohl in die Kategorie: „Wurscht“ gehören. Der zweite Anzug saß den Österreichern überhaupt nicht. Im Endeffekt war es jedoch ein Spiel ohne Bedeutung.

Die ÖFB-Elf nach dem entscheidenden 2:1 gegen Nord Mazedonien

Fazit

Österreich erholte sich von den beiden Niederlagen zu Beginn der Quali blendend. In allen Spielen, die darauffolgten, war man stets die deutlich bessere Mannschaft. Jedoch war es eine Gruppe wo die Qualifikation wohl auch ein Muss war, viel einfachere Gruppen, gab es in der Qualifikation nicht. Die positiven Erkenntnisse, dass das Gerüst mit vielen ehemaligen und aktiven Red Bull Salzburg Spielern blendend funktioniert. Das indoktrinierte RB-Pressing wurde gegen sämtliche Gegner zumindest einmal im Laufe der Quali erfolgreich durchgesetzt.

1. Polen 10 8 1 118:5+1325
 2. Österreich 10 6 1 319:9+1019
 3. Nordmazedonien 10 4 2 412:13 −114
 4. Slowenien 10 4 2 416:11 +514
 5. Israel 10 3 2 516:18 −211
 6. Lettland 10 1 0 93:28−253

Die Gewinner des Jahres 2019:

Konrad Laimer: Der Leipzig Legionär war die Entdeckung im Nationalteam. Hohe Laufarbeit, starkes Zweikampfverhalten und enorme viele Ballgewinne, dadurch konnte der 22-Jährige dem ÖFB-Spiel seinen Stempel aufdrücken.

Marko Arnautovic: Arnautovic überzeugte bereits die Jahre zuvor stets und zeigt immer wieder wie wichtig er für die Mannschaft ist. In diesem Jahr konnte er jedoch erstmals als Goalgetter in Erscheinung treten. Mit 6 Toren führte er die Schützenliste des ÖFB an.

Marcel Sabitzer: Der Leipzig-Legionär scheint endlich im ÖFB-Team angekommen zu sein und entwickelte sich zum Leistungsträger als Zehner beziehungsweise hängende Spitze. Der oftmals gescholtene Ex-Rapidler zeigte vor allem durch Distanzschüsse seine Gefahr.

Die Nackten Zahlen

Meiste Einsätze:

  1.  Aleksandar Dragovic (10 von 10 Spielen/846 Minuten)
  2. Marcel Sabitzer (9/10/791 Minuten)
  3. Valentino Lazaro (9/10/754 Minuten)

Top-Torschützen:

  1. Marko Arnautovic (6 Tore)
  2. Valentino Lazaro/Marcel Sabitzer (2 Tore)

Debütanten:

Reinhold Ranftl, Thomas Goiginger, Alexander Schlager (alle LASK)

Cican Stankovic (RB Salzburg)

Pavao Pervan (Wolfsburg)

Stefan Posch (Hoffenheim)

Konrad Laimer (RB Leipzig)

Aussicht

Bei der kommenden Europameisterschaft wurde Österreich in eine Gruppe mit der Ukraine und den Niederlanden gelost. Zudem wird einer aus dem Quintett Georgien, Nordmazedonien, Kosovo, Weißrussland und Rumänien sich dazugesellen. Für den erfolgreichen Aufstieg ins Achtelfinale wird es wohl einer Steigerung bedürfen. Die Ukrainer setzten sich überraschenderweise in ihrer schweren Quali-Gruppe auf Platz eins durch und die Niederlande erleben gerade eine Renaissance des Football Total.

(bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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