Wer ist Karl Nehammer?

Der Hardliner

Wien, 05. Jänner 2020 /

  • Geboren 1972 in Wien-Meidling
  • ÖVP-General und bekannt für unterhaltsame Pressekonferenzen
  • designierter Innenminister

Profil:

Karl Nehammer kam 1972 in der Heimat von Sebastian Kurz, Wien-Meidling, auf die Welt. Bereits im Alter von 14 Jahren machte er Wahlkampf für den ehemaligen ÖVP-Außenminister Alois Mock. In den 90ern wechselte er nach seinem Präsenzdienst und seiner freiwilligen Weiterverpflichtung in das Bundesministerium für Landesverteidigung als Trainer für strategische Kommunikation. Erst echter Soldat, dann Parteisoldat: es folgten Posten in den Untiefen der ÖVP. So war er zum Beispiel Bereichsleiter für Training und Netzwerk in der damals noch schwarzen Parteiakademie. 2009 wurde Nehammer Geschäftsführer der ÖVP-Akademie. 2013 folgte er dem Ruf der ÖVP Niederösterreich, für die er zwei Jahre als Kommunalabteilungsleiter tätig war. Pikant: Nehammers Frau war beim damaligen niederösterreichischen Innenminister Wolfgang Sobotka Pressesprecherin. Nach seiner Tätigkeit in Niederösterreich verschlug es Nehammer zum ÖVP Arbeitnehmerbund (ÖAAB), wo er die Nachfolge von August Wöginger, dem jetzigen Klubchef der Türkisen, als Geschäftsführer antrat. Nebenbei studierte Nehammer auf der Kremser Donau-Uni Peter Filzmeiers Studienprogramm „Politische Kommunikation“. 2016 durfte er sich als Präsidentschaftswahlkampfstratege für Andreas Khol probieren – der Erfolg blieb jedoch aus, Andreas Khol erreichte Platz 5 von 6 antretenden Kandidaten (nur Richard Lugner war noch schlechter, Red.).

Unter Kurz erfuhr der Parteisoldat einen steilen Aufstieg. Nur kurz nachdem er 2017 in den Nationalrat einzog, wurde er ÖVP-Generalsekretär. Richtig in Erscheinung sollte Nehammer jedoch erst im Wahlkampf 2019 treten. Dabei forderte er ÖVPler offen auf, „Verdächtiges im Internet, dass uns diskreditiert zu melden“. Besonders gerne verwies Nehammer immer wieder auf den SPÖ-Strategen Tal Silberstein und die Methoden des „Dirty Campaignings“, wenn Meldungen über Sebastian Kurz auftauchten, die dem General nicht in die Meinung passten. Bei seinem Amtsantritt als Geschäftsführer spuckte Nehammer noch andere Töne:

„Dieses Generalsekretärsgehabe, dass man Unfreundlichkeiten austauscht oder immer gleich negativ auf Vorschläge des anderen reagiert, ist entbehrlich und auch nicht mein Stil“.

Kaum ein Tag verging ohne Pressekonferenz desjenigen Mannes, der Obmann Kurz nicht von der Seite weicht. Besonders in der „Falter“-Causa über eine vermeintliche „doppelte Buchhaltung“ übernahm Nehammer eine zentrale Rolle und schoss sich gegen Chefredakteur Florian Klenk ein. Bei der anschließenden Pressekonferenz wurde der „Falter“ ausgeladen: Nehammers Grund zur Ausladung wurde damit begründet, dass der „Falter“ kein tagesaktuelles Medium sei. Klenk und Nehammer gerieten in einen offenen Schlagabtausch über Twitter, links und rechts wurde mit Klagen gedroht. Klenk gibt sich allerdings mittlerweile handzahm gegenüber dem designierten Innenminister: „Ich halte @karlnehammer für keine schlechte Wahl. Besser als alle Vorgänger seit (Caspar A.d. Red) Einem.“ Nehammer und Klenk hatten zuvor ein „klärendes Gespräch“.

Bei den Koalitionsverhandlungen war der Asyl-Hardliner federführend für die Themen Europa, Migration, Integration und Sicherheit zuständig. Nachdem Anschober, sein grünes Gegenüber zunächst kritisch gestimmt war, einigte man sich offensichtlich auf die türkise Linie.

Interessantes:

Vor den Koalitionsgesprächen mit Anschober traf sich Nehammer in einem Wiener Lokal mit ihm, um die gegenseitigen Standpunkte in lockerer Atmosphäre auszutesten. Fotos der beiden von diesem Treffen, die auf Twitter kursieren, zeigen die beiden jedoch relativ desinteressiert und gelangweilt. Um so vertraut wie „K. u. K.“ zu wirken (bekanntes Foto an der Bar, Red.), braucht es wohl noch ein bisserl Übung.

(bf)

Titelbild: APA Picturedesk

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