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Adipositas-Lawine trotz guter Neujahr-Vorsätze

Adipositas – auch Fettleibigkeit oder Fettsucht genannt – ist auch unter Österreichern nach wie vor stark ansteigend. Sie fordert nicht nur Millionen von Todesopfer sondern ist auch für über 8 Prozent der Gesundheitsausgaben in den OECD-Staaten verantwortlich. Der Ernährungswissenschaftler Kurt Widhalm spricht über Ursachen und Auswirkungen der Volkskrankheit – und Herausforderungen für die Österreichische Gesundheitspolitik.

Wien, 7. Jänner 2020 / Gute Neujahr-Vorsätze zur Gewichtsreduktion nützen allein noch nichts. “Wenn wir nichts tun, werden wir in den nächsten 30 Jahren in den OECD-Ländern 90 Millionen Todesfälle durch Übergewicht-bedingte Erkrankungen haben. Die gesamte Politik ist gefordert”, sagte jetzt der Präsident des Österreichischen Akademischen Institutes für Ernährungsmedizin, Kurt Widhalm, im Gespräch mit der APA.

Übergewicht kostet jeden Österreicher 321,63 Euro jährlich

“Übergewicht betrifft in 34 von 36 OECD-Staaten etwa die Hälfte der Bevölkerung. Die Kosten für Übergewicht machen 3,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in diesen Ländern aus, zu denen auch Österreich gehört. Übergewicht kostet jeden Bürger damit pro Jahr 360 US-Dollar (321,63 Euro).”, sagte Widhalm, langjährig in der Ernährungsmedizin tätig und ehemals Spezialist an der Universitäts-Kinderklinik in Wien.

8,4 Prozent der Gesundheitsausgaben für Fettsucht-abhängige Erkrankungen

Was kalorienreiche Ernährung und sitzender Lebensstil verursachen, ist sprichwörtlich “nicht von schlechten Eltern”. “Übergewicht ist zu 70 Prozent für die Kosten von Diabetes verantwortlich, zu 23 Prozent für die Kosten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und zu neun Prozent für die Aufwendungen für Krebserkrankungen”, sagte Widhalm. 8,4 Prozent der Gesundheitsausgaben in den OECD-Staaten gingen bereits jetzt in die Behandlung von Fettsucht-abhängigen Erkrankungen. “Das sind 311 Mrd. US-Dollar (277,85 Mrd. Euro) pro Jahr oder pro Kopf 209 US-Dollar (186,72 Euro).”

70 Prozent der Kinder an Wiener Volksschule übergewichtig

Österreich sei da längst ebenfalls auf einem unheilvollen Weg. “Wir betreuen in einem wissenschaftlichen Projekt (“Eddy”) in einer Volksschule in Wien-Meidling. Laut unseren aktuellsten Auswertungen sind dort bereits 70 Prozent der Kinder übergewichtig”, schilderte der Experte. “Die Verhinderung von Übergewicht muss das zentrale Element der Gesundheitspolitik der Zukunft sein.”

Forderung: Mehr Bewegung in Alltag und Schule

Was dabei benötigt werde: Eine Erhöhung der physischen Aktivität der Kinder auf mindestens 30 Minuten pro Tag. Schulprogramme müssten intensive körperliche Aktivität plus Ernährungserziehung umfassen. Der BMI sollte dadurch generell um 0,3 Punkte gesenkt werden. “Restriktionen bei der Werbung für (problematische; Anm.) Nahrungsmittel für Kinder, Lebensmittelkennzeichnung und die Reformulierung von industriell erzeugten Lebensmitteln gehörten hierher. “Bildungs- und Gesundheitspolitik, Wissenschaft und Sozialversicherung müssen hier zusammenarbeiten”, erklärte Widhalm.

Studie: Dünne Kinder sind schlauer

Nicht nur die physische Gesundheit von Kindern würde dadurch gestärkt. “Eine in der Zeitschrift der amerikanischen Gesellschaft für Ernährung im Jahr 2019 veröffentlichte Studie an 869 Zwillingskindern hat eindeutig gezeigt, dass ‘dünnere’ Kinder eindeutig bessere kognitive Leistungen erbringen als ihre genetisch engstens verwandten, aber dickeren Zwillingsgeschwister”, fasste der Ernährungsmediziner die Ergebnisse zusammen.

Weniger Fleisch: Gut für die Gesundheit und fürs Klima

Fleisch nur noch ein bis zweimal pro Woche würde nicht nur einen positiven Effekt auf Atherosklerose und Nierenerkrankungen bewirken: “Mehr Obst und Gemüse bzw. Vollkornprodukte bedeuten auch Klimaschutz, weil die Tierzucht ja ein wesentlicher klimaschädlicher Faktor ist. Und dass in unserer Gesellschaft 30 Prozent der Lebensmittel weggeschmissen werden, ist inakzeptabel”, betonte der Experte.

Mehr Bildung bedeutet weniger Fettsucht

Widhalms Aussagen werden durch eine aktuelle Studie in der angesehensten US-Medizinfachzeitschrift (New England Journal of Medicine; 19. Dezember 2019) unterstützt: In den USA wird demnach im Jahr 2030 einer von zwei Erwachsenen adipös (BMI größer 30) sein (48,9 Prozent). 24,2 Prozent werden dann bereits extreme Adipositas (BMI größer 35) aufweisen. Bei Frauen und Erwachsenen mit niedriger Bildung wird das die Gewichtskategorie extremer Fettsucht bereits die anteilsmäßig größte Gewichtsklasse ausmachen.

(APA)

Titelbild: Pixabay

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