Australien brennt

Trotzdem: keine Klimaschutzmaßnahmen in Sicht

Australien steht seit Oktober in Flammen – und kein Ende ist in Sicht. Rauchschwaden vernebeln Großstädte, Millionen Hektar Wald und Busch brennen – mit verheerenden Folgen: Tausende Menschen sind auf der Flucht, mindestens 25 Menschen und hunderte Millionen von Tieren sind durch die Flammen bereits ums Leben gekommen. Die Welt bekundet Solidarität, aber konkrete Maßnahmen bleiben aus.

Wien, 7. Jänner 2019 / In Australien ist Hochsommer – mit Rekordtemperaturen von bis zu 50 Grad Celsius. Seit Wochen halten Hitze und Trockenheit an, weshalb die Buschfeuer in Australien sich weiter ausbreiten. Ein Ende der Brände ist vorerst nicht in Sicht. Die seit Monaten anhaltenden Feuer sind verheerender als sonst. Sie treffen an vielen Orten im Südosten des Kontinents auf bewohntes Gebiet: Tausende Menschen mussten fliehen und ihre Häuser verlassen. Am Samstag verkündete Premier Scott Morrison die größte Zwangseinberufung in der Geschichte Australiens: 3000 Reservisten der Armee sollten zur Unterstützung der Feuerwehr-Einsatzkräfte herangezogen werden.

Tausende Menschen auf der Flucht – Schutzmasken werden knapp

Tausende Menschen mussten gerettet und umgesiedelt werden: Zahlreiche Siedlungen des Bundesstaats Victoria, Hinterhöfe Sidneys und beliebte Urlaubsorte an der Südostküste Australiens sind betroffen. In der Hauptstadt Canberra schlossen Geschäfte und öffentliche Einrichtungen wegen des Rauchs und der Luftverschmutzung. Die Schutzmasken wurden knapp. Die Menschen fliehen mit ihren Autos und Wohnwägen an die Strände – zuletzt wurden sie zum Teil mit Militärschiffen in Sicherheit gebracht. Immer wieder melden Behörden, dass Menschen in den Flammen oder durch den Rauch ums Leben gekommen sind.

„Etwas stimmt nicht.“ Australier rufen zu mehr Bewusstsein und strikten Klimagesetzen weltweit angesichts der verheerenden Auswirkungen des Klimawandels – und der Brände in Australien – auf. Bild: Screenshot Twitter

Hunderte Millionen Tiere qualvoll umgekommen

Die Brände haben verheerende Auswirkungen auf die Pflanzen- und Tierwelt des Kontinents: sie vernichten Australiens einzigartige Landschaft und Tierwelt. 8,4 Millionen Hektar brannten bereits nieder. Nicht nur Beuteltiere wie Koalas, Kängurus und Wombats fallen den Flammen zum Opfer: Abgesehen von Nutztieren wie Schafen und Rindern verenden auch Reptilien, Insekten und Vögel im Feuer.
Die Tiere schreien, während sie im Flammenmeer sterben. Bilder von Tieren im Brandgebiet verbreiteten sich im Internet – etwa das eines Koalas, der an Bord eines Lastwagens Schutz findet.

Seltene Bilder: Diese Tiere flüchten eigentlich vor Menschen – angesichts der Buschbrände suchen sie aber nun Schutz und Hilfe bei Menschen- Bild: Screenshot Twitter

Koalabären retten sich in LKWs – Bild: Screenshot Twitter

Premier erntet scharfe Kritik

Australien treffen die Auswirkungen des Klimawandels schwer. Scott Morrison, der australische Premierminister, bleibt trotz der verheerenden Buschfeuer hartnäckiger Unterstützer der Industrie und Klimawandel-Leugner. Die Buschfeuer erklärte er darüber hinaus viel zu spät zu einer nationalen Angelegenheit – für sein Krisenmanagement sowie seine Vorgehensweise erntet er national und international scharfe Kritik. Die australischen Feuerwehr-Einsatzkräfte sind wütend auf den Premier. Paul Parker, ein Feuerwehrmann aus dem Katastrophengebiet, verurteilte die Äußerungen Morrisons, die Tausenden freiwilligen Feuerwehrleute würden gerne gegen die Flammen kämpfen.

Solidarität weltweit – Klimaschutz dennoch keine Priorität, auch nicht in Österreich

Hilfsorganisationen entsenden Unterstützung, Stars rufen zum Spenden auf, Regierungschefs weltweit sprachen Australien gegenüber ihre Solidarität aus. Unumstritten scheint, dass die Buschfeuer in Australien, die diesmal ein weit größeres Ausmaß als sonst annehmen, eine Folge des Klimawandels und den damit in Verbindung stehenden steigenden Temperaturen ist. Dennoch scheinen die Verantwortlichen dieses Planeten keinen Finger rühren zu wollen – das wurde nicht zuletzt beim gescheiterten Klimagipfel deutlich. Auch Österreichs Politik scheint angesichts der weltweiten Katastrophen unbeeindruckt. Erst heute sagte Sebastian Kurz im Interview im Ö1-Morgenjournal, er sehe auf Grund der Buschbrände in Australien keinen Anlass, „die österreichische Politik auf den Kopf“ zu stellen.

(lb)

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