Sonntag, Juli 14, 2024

Hitler-Vergleiche erregen Kurz

Alma Zadic werde die aktuellen Anfeindungen gegen sie schon aushalten, sagte Sebastian Kurz im Puls4-Interview, doch: auch er sei Angriffen ausgesetzt. Kurz beklagte sich auch darüber, dass über die “Hetze” gegen ihn wenig berichtet werde. Stimmt das?

Wien, 09. Jänner 2020 / Nachdem Sebastian Kurz in der deutschen “Bild” scharf gegen private Seenotretter vorging, wurde es unruhig. Denn daraufhin wurde der Ex-Altkanzler von Seenotrettern der Organisation “Mission Lifeline” in Sozialen Medien als „Baby-Hitler“ bezeichnet. Er findet das “nicht sonderlich appetitlich.”

Kurz machte in deutschen Medien durch eine provokante These auf sich aufmerksam. Bild: Screenshot bild.de

“Baby-Hitler”

Über die Anfeindungen gegen ihn wäre laut Kurz „nicht so stark berichtet worden.“ Da liegt Sebastian Kurz allerdings falsch. Der „Baby-Hitler“ wurde im gesamten Blätterwald berichtet. ZackZack fasst die Berichterstattung zusammen:

  • In der Online-Version von „Österreich“ und der „Krone“ war die verbale Attacke auf Kurz auf der Titelseite. Auch die „Heute“ schrieb über den Vergleich.
  • In Deutschland berichteten Print und Online die „Bild“ und die „Welt“. Sogar ein Kommentar beschäftigte sich mit dem Vergleich. Auch in der Schweiz wurde berichtet.
  • Unmengen an rechtspopulistischen Internet-Blogs berichteten ebenfalls über „Baby-Hitler“. So sprang etwa die Mölzer-Seite „ZurZeit“ Kurz unterstützend zur Hilfe.
  • Auch der ORF berichtete an der Kritik von Ministerin Raab am überspitzten Vergleich. Darüber schreibt auch „Die Presse“. Das macht auch der „Kurier“.

Kurz und die NGO “Mission Lifeline” schenken sich nichts. Bild: Screenshot Twitter

“Austria Rising”

Schon in der Verganenheit waren unangemessene Vergleiche zwischen Kurz und Hitler Thema in den Medien. In seiner Oktober-Ausgabe des Jahres 2018 hatte das US-Magazin “Newsweek” Kurz ein Portrait gewidmet – samt Titelbild in Leni-Riefenstahl-Optik. Mit einer ganz ähnlichen Bildsprache sollte Kurz sich dann im Wahlkampf 2019 selbst inszenieren. Newsweek hatte im Jahr zuvor vielsagend getitelt: “Austria Rising. Chancellor Sebastian Kurz is Remaking Europe’s Future from its Darkest Past.” Das amerikanische Kanzlerportrait beschäftigte sich ausgiebig mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Österreichs und aktuellen Verbindungen zwischen Sebastian Kurz und rechtsradikalen Verbündeten wie Viktor Orbán und Matteo Salvini. Der Newsweek-Artikel wurde in den österreichischen Medien ausführlich rezipiert.

Kurz in allen Medien

Sebastian Kurz kann also beruhigt sein: Die rechtsrechte Kampagne gegen Alma Zadic schnappt Kurz nicht die Aufmerksamkeit weg. Er ist trotzdem in allen Blättern. Diese berichten nun auch nicht über den Angriff des türkisen Kanzlers auf die Seenotretter. Stattdessen ist die „Hetze gegen Kurz“ Thema.

(ot/tw)

Titelbild: ZackZack

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