Flüchtlinge in Vorarlberg

Studie: Nach sieben Jahren ökonomisches Plus

Ab dem siebenten Jahr ihres Aufenthalts in Vorarlberg übersteigen die von Flüchtlingen geleisteten Abgaben, vor allem Sozialversicherungsbeiträge, Lohnnebenkosten und Steuern, die Jahressumme an erhaltenen Transferleistungen, also Zahlungen aus der Grundsicherung, Mindestsicherung und Arbeitslosengeld. Das ist eines der zentralen Ergebnisse einer von Land Vorarlberg und AMS beauftragten Studie.

Wien, 10. Jänner 2020 / Darin untersuchte Studienautor Stefan Haigner von der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) in Innsbruck die ökonomischen Effekte von Asylwerbenden und Asylberechtigten in Vorarlberg. Weil sich diese aber nur durchschnittlich 5,9 Jahre im Land aufhielten, ergab sich zunächst ein negativer Saldo aus Abgaben und Transfers von 195,7 Euro pro Person. Allerdings führten die rund 26 Millionen Euro Konsumausgaben der Asylwerbenden bzw. Asylberechtigten in Vorarlberg von 2004 bis 2018 zu einem zusätzlichen jährlichen Bruttoregionalprodukt von 28 Millionen Euro und einer zusätzlichen Beschäftigung von 197 Jahres-Vollzeitäquivalenten, so Haigner. Die wiederum dadurch verursachten fiskalischen Rückflüsse überstiegen netto, also nach Abzug der geleisteten Abgaben, die staatlichen Transferleistungen. Daraus ergab sich in Summe laut der Studie sozusagen ein volkswirtschaftliches Plus.

Schneller Zugang zum Arbeitsmarkt ist zentral

Wenig überraschend ist der schnellere Zugang zum Arbeitsmarkt laut der Studie zentral für ein steigendes Abgabenaufkommen der Flüchtlinge. An der möglichst raschen Integration am Arbeitsmarkt dieser Personengruppe wolle man daher weiter „stark dran bleiben“, betonten Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne) und AMS-Landesgeschäftsführer Bernhard Bereuter. Im Unterschied zu früheren Flüchtlingswellen sei man diesmal strukturiert vorgegangen. „Es zeigt sich, dass der pragmatische, unaufgeregte Vorarlberger Weg der richtige ist“, sah sich Wiesflecker bestätigt. Als eines der wenigen Bundesländer habe Vorarlberg mit Deutschkursen bereits bei Asylwerbenden begonnen, dazu kämen eine gute Kooperation zwischen AMS und den Bezirkshauptmannschaften sowie gut überlegte AMS-Projekte, etwa das nun ausgeweitete „Work 1st“. In diesem Programm gehen Beschäftigung und Deutschlernen Hand in Hand.

Zahl an Asylwerbern in Grundversorgung stark rückläufig

Laut Wiesflecker geht die Zahl an Asylwerbenden in der Grundversorgung in Vorarlberg stetig zurück. Derzeit seien das 1.066 Personen, im April 2016 waren es noch rund 4.000. Auch die Zahl der Mindestsicherung beziehenden Bleibeberechtigten sei rückläufig. Im Oktober 2019 waren das 2.950 Menschen, davon 1.666 im erwerbsfähigen Alter. Wiesflecker gab zu bedenken, dass sich darunter auch viele Frauen mit Betreuungspflichten befänden, die dem Arbeitsmarkt nicht bzw. noch nicht zur Verfügung stehen können. Um diese darauf vorzubereiten, wolle man auch bei diesen Frauen künftig mit aufsuchenden Angeboten das Deutschlernen forcieren. Der Aufwand der monatlichen Mindestsicherung für Flüchtlinge liege mit 1,2 Millionen Euro wieder auf dem Niveau von Anfang 2016, im Mai 2017 waren es noch 1,9 Millionen Euro.

Gut für Fachkräftemangel

Rund 2.500 Personen aus Syrien, Iran, Irak, Afghanistan, Pakistan, Somalia und der Russischen Föderation waren im Oktober 2019 unselbstständig beschäftigt, laut Wiesflecker „sehr gute Zahlen“. Ende November waren rund 1.000 Flüchtlinge beim AMS vorgemerkt, fast 80 Prozent hatten maximal einen Pflichtschulabschluss. „Ein Jugendlicher braucht fünf bis sechs Jahre bis zum Lehrabschluss, aber das ist gut investiert“, so Bereuter auch mit Verweis auf den Fachkräftemangel. „Der Nachteil ist, dass sie gering qualifiziert sind, der Vorteil ist, dass sie jung sind“, fasste Wiesflecker zusammen. Laut Bereuter sind viele Flüchtlinge, allen kulturellen, fachlichen und sprachlichen Hemmnissen und Unterschieden zum Trotz, motiviert und sehr an Beschäftigung interessiert.

(APA)

Titelbild: APA Picturedesk

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