PR-Desaster bei Siemens

Fetter Kohle-Auftrag

Siemens hält nun doch am umstrittenen Auftrag, wichtige Technik für ein Kohlebergwerk in Australien zu liefern, fest. Mit seinem Schlingenkurs hat sich der Konzern ein PR-Desaster eingebrockt. Auch ein unmoralisches Angebot entwickelt sich zum Bumerang.

Wien, 13. Jänner 2020 / Nun ist klar: der indische Adani-Konzern kann bei der Erschließung der Bahnstrecke seines neuen, umstrittenen Kohlebergwerks auf Siemens zählen. Der deutsche Konzern wird demnach die wichtige Signaltechnik liefern, die für den Abtransport der Kohle des Werkes notwendig ist.

Konzernchef verkalkuliert sich

Nach Protesten von Klimaschützern, hatte Konzernchef Kaeser angekündigt, über den Auftrag nachzudenken. Damit, so die Kritik der einen Seite, habe er sich unnötig in eine Position der Schwäche hineinbegeben. Vonseiten der Klimaschützer hingegen kommt heftige Kritik für die Entscheidung, dem Adani-Konzern nun doch die wichtige Technik zu liefern. Der Protest, angeführt von der Bewegung „Fridays for Future“ ist strategisch gewählt: Siemens fällt eine Schlüsselrolle in der Verwirklichung des Projekts zu, da es neben dem deutschen Konzern nicht viele weitere Anbieter geben soll. Siemens hätte das Projekt also zu Fall bringen können. Doch, so betonte Kaeser gegenüber dem „Spiegel“, hätte er erst nach Unterzeichnung von dem Vertrag erfahren. Dass der Konzernchef bei einem so heiklen Projekt erst so spät informiert ist, sorgt vielerorts für Kopfschütteln.

PR-Gag geht nach hinten los

Durch die Ankündigung, den bereits unterzeichneten Vertrag mit Adani einzuhalten, handelte sich Siemens erst Recht den Zorn der Klimaschützer ein. Diese warfen dem deutschen Traditionskonzern seine eigenen Klimaschutzziele um die Ohren. Siemens will bis 2030 klimaneutral sein. Die Reaktion von Kaeser: ein medienwirksamer Kaffee mit der deutschen Umwelt-Galionsfigur Luisa Neubauer von „Fridays for Future“. Doch damit nicht genug: der Konzernchef wollte dem Vernehmen nach Neubauer in den Aufsichtsrat der Siemens Energy holen. So hätte er die Kritiker in sein Geschäftsmodell integriert – und damit erheblich geschwächt. Doch Neubauer lehnte den Schachzug ab.

Adani baut ungehindert weiter

Den Kritikern des Bauprojekts geht es vor allem um Klima- und Umweltschutz: der Verbrauch des Wassers sei massiv, das „Great Barrier Reef“ (größtes Korallenriff weltweit, Red.) werde durch den Transport der Kohle über Wasser zerstört. Der Bau der sogenannten Carmichael-Mine im australischen Bundesstaat Queensland sei derweil in vollem Gange, sagte eine Sprecherin des indischen Konzerns Adani:

„Wir lassen uns nicht einschüchtern oder davon abhalten, unsere Versprechen einzulösen – für die Menschen in Queensland, die Australier und die Menschen in Entwicklungsländern, die dringend bezahlbare Energie brauchen, um ihnen zu helfen, der Armut zu entkommen.“

Unterdessen riefen Neubauer und einige Umweltorganisationen zu Demonstrationen gegen Siemens, Adani und den Bau des Bergwerks auf.

(wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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