Angelobung im KZ

Heer plante Zeremonie in Mauthausen

Streit um Plan von Ex-Verteidigungsminister Kunasek: Auf dem Appellplatz des KZ Mauthausen wollte das Bundesheer Rekruten angeloben.

Wien, 14. Jänner 2020 / Wie der „Kurier“ in seiner Dienstagsausgabe berichtet, werden derzeit Pläne diskutiert, Rekruten des Bundesheers ausgerechnet dort anzugeloben, wo von 1938-1945 Häftlinge aus ganz Europa strammstehen mussten und starben. Urheber dieser Idee ist der ehemalige FPÖ-Verteidigungsminister Mario Kunasek. Das Mauthausen-Komitee war in die Vorbereitungen eingebunden, doch der wissenschaftliche Beirat ist gegen den Plan. ÖVP-Verteidigungsminsiterin Klaudia Tanner will die Angelobung deshalb absagen.

„Schöne Sache“

Die Idee hinter der Veranstaltung war folgende: Indem die Rekruten ihr Gelöbnis auf die demokratische Republik Österreich ablegten, setzten sie ein Zeichen gegen Diktatur. Willi Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen-Komitees und leitender Sekretär des ÖGB erklärte, „wir würden die Grundwehrdiener vorher begleiten, ihnen die Geschichte des Konzentrationslagers und seine Bedeutung als Gedenkstätte erklären.“ Unter diesen Bedingungen sei die geplante Aktion eine „schöne Sache“.

Der wissenschaftliche Beirat des Komitees unter seinem Vorsitzenden, dem Wiener Zeithistoriker Bertrand Perz, spricht sich jedoch entschieden gegen den Plan aus. Er hielte „jegliche Inanspruchnahme von KZ-Gedenkstätten für Veranstaltungen, die sich nicht direkt auf deren konstituierende Funktionen als Friedhof, als Denkmal an die Opfer und als Museum/Lernort zur Geschichte des Konzentrationslagers beziehen, für ungeeignet und problematisch.“, teilte Perz mit.

SPÖ und Grüne: Nationale Symbole unpassend

Sabine Schatz von der SPÖ kritisierte den nationalen Charakter einer Angelobung als unpassend für einen Ort, an den etwa 200.000 Menschen aus ganz Europa verschleppt wurden. Auch der grüne David Stoigmüller schlug in dieselbe Kerbe. Bekannt ist der Ausbruch 500 sowjetischer Offiziere, die im Rahmen der „Aktion Kugel“ ermordet werden sollten. Bei der folgenden „Mühlviertler Hasenjagd“ wurden im Februar 1945 fast alle Ausgebrochenen unter Mithilfe der lokalen Bevölkerung wieder gefangen und ermordet. Einzelne Familien bemühten sich unter Todesgefahr, Ausbrecher zu verstecken.

Bereits 1983 fand im ehemaligen KZ Mauthausen eine Angelobung statt, die für einen weltweiten Skandal sorgte.

(tw)

Titelbild: APA Picturedesk

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