FPÖ-Ortsgruppe flüchtet vor eigener Partei

Burgenland

Nächster FPÖ-Aufreger: Nur 14 Tage vor der Burgenlandwahl verabschiedet sich eine gesamte Ortsgruppe. Die Ortschefin, ein FPÖ-Urgestein, erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die eigene Partei. Mit ihr verabschieden sich weitere drei Funktionäre.

Eisenstadt, 14. Jänner 2020 / Die FPÖ kommt nicht zur Ruhe. Jetzt tritt eine gesamte burgenländische Ortsgruppe aus der FPÖ aus. Die ehemalige Chefin der Ortspartei Tadten, Silvia Burian, geht dabei hart mit ihrer Ex-Partei ins Gericht: Sie sei „ewig und drei Tage“ bei der FPÖ und „in einem freiheitlichen Haus aufgewachsen, habe viele Politiker kommen und gehen gesehen und war mit vielen dieser Menschen sehr gut befreundet.“

„Freunderlwirtschaft der ärgsten Sorte“

Doch jetzt kann sie mit ihrer Partei nicht mehr mit. Es liegt auch an Landeshauptmann-Stellvertreter Tschürtz, obwohl sie persönlich kein Problem mit ihm habe, auch wenn er sich auf seinen Posten ausruhe: „Der Fisch fängt beim Kopf zum Stinken an. Ich habe das Gefühl, ihm fällt die Führung aus dem Ruder. Er lässt vieles zu. Er ist jetzt Landeshauptmannstellvertreter und ruht sich natürlich auf seinem Sessel aus. Mit ihm habe ich jetzt nicht das große Problem. Es geht mir eher um die Bezirksorganisation Neusiedl.“

Denn in Neusiedl geht es mitunter deftig zu:

„Da wird ein Verhalten sichtbar, eine Gedankenwelt greifbar, die einfach nicht mehr die meine ist! Qualifikation mit sachlichem Hintergrund spielt – wenn überhaupt – nur eine untergeordnete Rolle. Freunderlwirtschaft der ärgsten Sorte ist die Folge.“

All das soll sie jahrelang von der FPÖ gespürt bekommen haben.

Vor allem als Frau soll sie es besonders schwer gehabt haben:

„Frauen werden immer wieder – sobald diese geradlinig und eigenständig Wege gehen – schnell mal als hysterisch abqualifiziert. Oder man versucht diese mit chauvinistischen Untergriffen kaltzustellen. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass speziell Frauen reihenweise die Flucht ergreifen.“

FPÖ-Reaktion symptomatisch

Mit ihr gehen auch die drei weiteren Ortsmitglieder. Es war wohl nicht nur Frau Burian zu viel: „Das geht schon jahrelang so, dass gut gemeinte Ratschläge von gewissen Personen abgelehnt werden. Sie wollen gar nicht, dass man bürgerbezogen ist. Hier geht es für die Personen nur um ihre eigenen Plätze und Pfründe Aber das, was da in der Bezirkspartei und in Neusiedl abgeht, ist schon nicht mehr schön.“

Die FPÖ versucht zu relativieren und meint, die Vorwürfe wären auf „den Frust ihrer eigenen Erfolglosigkeit“ zurückzuführen. (Die FPÖ Tadten flog 2017 aus dem Gemeinderat, Red.) Auch der FPÖ-Klubobmann Géza Molnár wetterte danach umgehend gegen die Medien, die so tun „als wäre etwas Epochales passiert und der andererseits in der inhaltlichen Berichterstattung über den Wahlkampf der FPÖ sparsam ist und vergleichbare Fälle, die es auch in allen anderen Parteien gibt, geflissentlich ignoriert. Auch ÖVP Burgenland-Chef Steiner hat parteiintern mit unzufriedenen Geistern zu kämpfen.“ Nur bei der FPÖ werde daraus eine Spitzenmeldung gemacht.

Strache aktuell keine Option

Die Reaktion der FPÖ sieht Burian symptomatisch. „Es ist eben das, was ich gesagt habe. Wenn eine Frau eine eigene Position hat, dann gilt sie als hysterisch. In der FPÖ Burgenland darfst du keine eigene Meinung haben. Obwohl ich die Ortsgruppe aufgebaut habe.“ Ob auch die Ereignisse in der Bundes-FPÖ eine Rolle gespielt haben? „Ja, natürlich war das im Hinterkopf, wie mit manchen Menschen, die andere groß gemacht haben, umgegangen wird“, sagte sie auf ZackZack-Nachfrage.

Sie sei schwer enttäuscht von der Politik. Aktuell könne sie sich kein weiteres Engagement vorstellen. Auch ein Mitwirken bei der DAÖ könne sie sich gegenwärtig nicht vorstellen.

Für Silvia Burian bleibt nur ihre Wahlempfehlung: „Auf keinen Fall FPÖ!“

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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