Türkise Fettnäpfchen

Kommentar

Noch keine Woche im Amt, haben vor allem türkise Minister erstaunlich viele Gelegenheiten gefunden, sich zu blamieren. Ist das zum Lachen oder zum Weinen?

Wien, 15. Jänner 2020 / Gernot Blümel hat also noch nie sein Konto überzeugen. Das ist schön für ihn. Klar, dass jetzt hauptsächlich diskutiert wird, wie das gerade einem Philosophiestudenten ohne Berufserfahrung außerhalb der ÖVP gelungen ist. Reiche Eltern für alle? Der Neid ist ein Hund, aber entscheidend ist doch: Warum Blümels private finanzielle Situation ihn zum Finanzminister qualifizieren soll, weiß kein Mensch.

Von Kurz…

Blümels Abgott, Ex-Altkanzler Sebastian Kurz, ist beleidigt, weil er nicht das größte Opfer der Twitter-Blase ist. Justizministerin Alma Zadic wird von rechten Trollen rassistisch beschimpft und bedroht. Dem Regierungschef fällt dazu bloß ein, dass auch er schon einmal beleidigt wurde. Sie Armer, Sie!

…über Raab,

Der neuen Frauenministerin Susanne Raab ist ein besonderes Bonmot gelungen. Sie sieht eine Gefahr für Österreichs Frauen, „wenn patriarchal geprägte Kulturen in hohem Ausmaß nach Österreich kommen.“ Ist das ein türkiser Akt der Selbsterkenntnis? Zur Erinnerung: Im Wahlkampf hatte ÖVP-Klubchef Wöginger verkündet: „Wer unter unserem Dach wohnt, hat ÖVP zu wählen.“

…Faßmann,

Wo wir schon bei patriarchalen Kulturen sind: In der Debatte um ein Kopftuchverbot für Lehrerinnen suchte und fand Bildungsminister Heinz Faßmann eine Gelegenheit, sich als Expertenfeind zu profilieren. Die Wissenschaft solle sich „nicht in alles einmischen“. Für den ehemaligen Vizerektor für Forschung der Universität Wien ist das eine erstaunliche Haltung.

und Edtstadler

Europaministerin Karoline Edtstadler hat am Montag in der ZIB 2 eindrucksvoll bewiesen, dass man sie problemlos durch einen einfachen Chatbot ersetzen könnte. Der gäbe intelligentere Antworten als die ehemalige Richterin.

…zu Schramböck

Den Vogel abgeschossen hat aber Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck, die im Standard-Interview über sich und ihr Ministerium sagte: „Unsere Kunden sind die Unternehmen.“ Dazu eine Nachfrage an die Ministerin: Kunden zeichnen sich dadurch aus, dass sie etwas kaufen. Was, Frau Schramböck, verkaufen Sie eigentlich?

Dumm oder böse?

Die türkisen Minister haben also eine erstaunliche Menge an Fettnäpfchen gefunden, in die sie mit Gusto treten konnten. Ein Hoppala folgt dem nächsten. Das Problem an der Sache ist, dass diese vermeintlichen Fehltritte nicht von ungefähr kommen. Sie zeigen, welche Ausmaße an Inkompetenz und Bösartigkeit sich hinter der Fassade der türkisen PR mehr schlecht als recht verbergen.

Thomas Walach

Titelbild: APA Picturedesk

Thomas Walach kommentiert

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