Links-Gründer im Interview:

„Es muss was passieren!“

LINKS soll eine neue starke Opposition zu Rot-Grün in Wien werden. Am Wochenende setzte die Organisation, die sich seit letztem Sommer formierte, den Startschuss in Form einer Gründungsversammlung. ZackZack.at hat mit Can Gülcü, einem der Sprecher und Initiatoren von LINKS, gesprochen.

ZackZack.at: Am Wochenende gab es die Gründungsversammlung Eurer Organisation. Warum LINKS?

Can Gülcü: Nach den Erfahrungen unter der schwarz-blauen Regierung der letzten zwei Jahre, dem Zusammenbruch durch den Ibiza-Skandal und der schwarz-grünen Regierungsbildung wurde deutlich klar, dass es auf der linken Seite eine neue Organisation braucht. Eine Organisation, die versucht, ganz viele unterschiedliche Menschen, die sich als Linke verstehen, zusammenzubringen. Eine Organisation, in der es ganz viele unterschiedliche Formen aktiv zu sein gibt, und in der viele unterschiedliche Menschen und politische Praxen Platz haben.

Mit Türkis-Grün in der Regierung und der Art und Weise, wie die FPÖ Oppositionsarbeit versteht, ist auf der linken Seite der Opposition sehr viel Platz.

ZackZack.at: Warum nicht KPÖ oder Wien Anders? Wandel? Worin liegt der Unterschied?

Can Gülcü: Die bisher übliche Form der Wahlbündnisse, die versuchen, von Wahl zu Wahl ein gemeinsames Wahlauftreten zu schaffen, lassen für klassische parteipolitische Praxen Platz, aber für viele Menschen, denen diese Form der Politik befremdend ist, nicht. Eine andere Form von Organisation kann das schaffen. LINKS ist offen für eine breite linke Bewegung von unten: Bei unserer Gründungsversammlung waren alle eingeladen, viele linke Organisationen waren ebenso vertreten und auch viele junge Menschen, die vermutlich noch nie auf so einer Art von Veranstaltung waren. Das merken wir ja auch bei Fridays for Future oder sehen das genauso wie bei den Donnerstags-Demos:

Bei jungen Menschen gibt es ein Bewusstsein, dass was passieren muss.

ZackZack.at: LINKS soll eine Organisation und keine Partei sein?

Can Gülcü: Wir müssen darüber nachdenken, warum so viele Menschen – junge wie ältere – sich von Parteipolitik zurückgezogen haben und auf der anderen Seite so viele Menschen wie noch nie sich in Form von Initiativen, Demonstrationen, Grätzel-Projekten etc. sehr wohl politisch aktiv engagieren.

Wir sind jedenfalls eine linke Organisation. Ob sich in weiterer Folge auch eine Partei entwickelt oder nicht, würde ich vorerst nicht zur Diskussion stellen.

Wir wollen auch keine Spenden von großen Unternehmen oder Lobbys, sondern wollen uns vor allem über kleine Spenden finanzieren.

ZackZack.at: Welches sind zentrale Themen Eures Programms?

Can Gülcü: Themen, die für Wien spezifisch wichtig sind, liegen auf der Hand: Die immer mehr wachsende ökonomische und soziale Ungleichheit zwischen Arm und Reich und die Konsequenzen davon z.B. auf Arbeit, Gesundheit, Bildung, Wohnen müssen der Fokus jeder linken Politik sein. Auf welche Weise sie in den Wahlkampf einfließen bzw. als Forderungen formuliert werden, wird Ergebnis dieses bereits beschriebenen Prozesses sein.

ZackZack.at: Wie soll das konkret ausschauen? Wie wollt ihr die Basis erreichen?

Can Gülcü: Es wird in den Bezirken regelmäßige Treffen geben – das sollen keine wöchentlichen Kaffeekränzchen werden, sondern wir gehen raus und schauen, was den Menschen wichtig ist. Im Wirtshaus, Hausbesuche, auf der Straße, in den Betrieben und Initiativen. Natürlich wird es in Grätzeln und Bezirken auch offene Treffen geben, zu denen man niederschwellig seine Nachbarinnen, Kolleginnen und Freundinnen mitnehmen kann.

ZackZack.at: Seit wann bist Du dabei?

Can Gülcü: Von Anfang an. Seit Ende des Sommers, da haben sich viele unterschiedliche Menschen gleichzeitig gedacht, man muss etwas tun und haben sich in kleineren und größeren Gruppen getroffen. Es kommen die Wien-Wahlen, die Grünen könnten in die Regierung gehen, wagen wir das miteinander?

ZackZack.at: Wie steht ihr zu den anderen linken Parteien wie Wandel oder KPÖ bzw. die Allianz Wien Anders?

Can Gülcü: KPÖ Wien bzw. Wien Anders und auch einige Aktivistinnen von Wandel waren auf der Gründungsversammlung anwesend. Jetzt stehen mit unterschiedlichen bereits bestehenden linken Gruppen und Parteien Gespräche mit dem Ziel an, dass es nur eine linke Kandidatur bei den Wien-Wahlen gibt.

ZackZack.at: Ihr wollt eine starke Opposition zu Rot-Grün in Wien sein. Ist Rot-Grün nicht links genug?

Can Gülcü: Grundsätzlich kann man sagen, dass in Wien die Voraussetzungen für linke Politik eigentlich unvergleichlich gut wären, im Gegensatz zu vielen anderen vergleichbaren Großstädten. Dennoch versucht die Stadtregierung einen Spagat zwischen neoliberalen Profitinteressen und ihrer „Mehr schlecht als recht“-Verwaltung als Erbe des Roten Wien. Dass Menschen in ärmeren Bezirken um Jahre weniger leben als jene in reicheren, dass wir eine Zwei-Klassen-Medizin haben, dass Bildung und somit Lebenschancen vererbt werden, dass Wohnen immer teurer wird – all das sind nicht Folgen linker Politik.

ZackZack.at: Euer Ziel ist die Kandidatur bei den Gemeinderats- bzw. Vertretungswahlen. Wie geht es dann weiter?

Can Gülcü: Das kommt drauf an, was wir erreichen, aber das Ziel ist, in den Gemeinderat und in die Bezirksvertretungen einzuziehen. Dafür wollen wir 50.000 Stimmen. Wir wollen in möglichst allen Bezirken vertreten sein. Rot-Grün braucht nicht nur auf der Bezirksebene, sondern auch im Gemeinderat eine linke Opposition: nicht nur auf der Ebene der Sachpolitik, wo es einfach einen politischen Druck von links aufzubauen gilt, denn von rechts lassen sich ja auch Rot-Grün vor sich hintreiben. Es braucht auch Linke im Gemeinderat, um z.B. gegen Korruption, Postenschacherei, Parteibuchwirtschaft und Intransparenz bei Vergaben vorzugehen.

ZackZack.at: Danke für das Gespräch!

(lb)

LINKS versteht sich als Organisation für eine breite linke Wiener Basis. Mehr Informationen dazu auf der Webseite.

Titelbild: Martin Kohlberger. Die drei SprecherInnen von LINKS: Mahsa Ghafari, Can Gülcü und Anna Svec.

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