Google-Imperium durchbricht Schallmauer

Googles Börsenwert explodiert. Gestern übersprang der Google-Mutterkonzern Alphabet den Marktwert von 1 Billion Dollar. Indem Milliarden Nutzerdaten vermarktet werden, erlebt man im Silicon Valley einen Goldrausch. Aus der einstigen Suchmaschine wurde ein Imperium.

Wien, 17. Jänner 2020 / Als die berühmte DotCom-Blase im März 2000 platzte, war Google noch eine Suchmaschine. Viel fehlte damals nicht und sie wäre, so wie viele andere Tech-Unternehmen, für immer verschwunden. Denn zu dieser Zeit – und auch noch in den nächsten Jahren – warf Google noch wenig Geld ab. Zwar nutzten bereits die meisten Internet-User Google, allerdings hatte man bei der Suchmaschine keine genauen Pläne, wie man damit Geld verdient. Die Privatsphäre galt als unantanstbar.

Alphabet mehr Wert als 1 Billion Dollar

20 Jahre nach Platzen der Blase schaut das ganz anders aus. Aus Google wurde Alphabet, der Mutterkonzern ist einer der kapitalstärksten Unternehmen der Welt. Für die Investoren bedeutete das in den letzten Jahrzehnten berauschenden Profit. Eine Suchmaschine ist Google schon lange nicht mehr, auch wenn man sich selbst gerne als das bezeichnet. So baut Google beispielsweise ganze Stadtteile in Toronto zu „Google Cities“ aus, arbeitet an vollautomatisierten Autos, entwickelt Spiele wie Pokemon Go oder arbeitet an der umfassenden Kartierung des Planeten.

Das Geld dafür kommt seit den 2000er Jahren hauptsächlich aus Werbeeinnahmen. Denn Google kam dem Traum jedes Marketing-Gurus einen großen Schritt näher: absolute Erfolgsgarantie inklusive Verhaltensvorhersage. Durch die personalisierte Werbung, die Google ihren Kunden anbieten kann, steigt die Wahrscheinlichkeit für erfolgreiches Marketing erheblich. Das zeigt sich an der Börse: gestern durchbrach Alphabet die magische 1 Billionen Dollar Marke.

Werbeeinnahmen on- und offline

Erst Apple, Amazon und Microsoft war das gelungen. Apple sprang als ersten Unternehmen im August 2018 über die Schallmauer. Die Alphabet-Aktie steigt, weil erwartet wird, dass der Werbeumsatz keinesfalls zurückgeht. Einige weitere Märkte, künstliche Intelligenz oder selbstfahrende Autos harren noch ihrer Expansion. Und die Werbeeinnahmen beschränken sich schon längst nicht mehr auf den Cyber Space. Präzise Verhaltensvorhersage der einzelnen Nutzer schafft immer mehr Umsatz.

Mit Pokemon Go gelang Alphabet der Sprung von der Online-Welt in die Realität. Ungewiss ist, wie viel es sich Starbucks kosten ließ, um offizieller Pokemon Go-Partner zu werden. Stattdessen weiß man aber, dass unzählige Pokemon-Trainer danach Starbucks-Filialen fluteten, und Starbucks damit Kundschaft und Umsatz erhöhte. Googles Online-Werbung war in der realen Welt angekommen.

Für John Hanke, Chef des Pokemon Go-Konzerns und Alpahbet-Tochter Niantic Inc., war das „nur der Anfang“.  Zuvor arbeitete Hanke an der Expansion von Google Earth und Google Maps. Die neuen Bilderdaten durch Pokemon Go waren ein erfreulicher Nebeneffekt.

Entfesselter Data-Kapitalismus

Der Data-Kapitalismus hat das Silicon Valley voll erfasst. Google entdeckte zuerst, wie man aus Daten Profit macht. Facebook sprang schnell auf diesen Zug auf. Amazon und Microsoft folgten auf dem Fuß. Das Internet wurde zum vollüberwachten Goldbrunnen.

Doch es gibt ein Problem: es braucht immer mehr Daten, um das Verhalten der Nutzer immer besser vorhersagen zu können. Politische Entscheidungen rund um Datenschutz könnten das Geschäftsmodell der Internetriesen zum Einsturz bringen. Gerade deshalb investieren Google, Facebook und Co. Millionen für Lobbying in Washington und Brüssel.

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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