China-Virus breitet sich aus

Nach dem Bekanntwerden einiger Todesfälle in Folge der mysteriösen Lungenkrankheit in China, gibt es nun Hinweise auf eine leichte Übertragung von Mensch zu Mensch. Die Weltgesundheitsorganisation berät bereits über die Ausrufung einer Gesundheitsnotlage.

Peking, 21. Jänner 2020 / In China hat eine mysteriöse, neuartige Lungenkrankheit einem weiteren Patienten das Leben gekostet. Dies berichten übereinstimmend zahlreiche Agenturen und internationale Medine.

Zahl der Infizierten wohl höher

Wie die Gesundheitsbehörde der zentralchinesischen Metropole Wuhan mitteilte, starb ein 89-jähriger Mann, der mit dem Coronavirus infiziert war, am Sonntag in einem Krankenhaus. Damit sind seit dem Ausbruch der Krankheit vier Todesfälle in China offiziell bestätigt. Das britische Zentrum für die Analyse globaler Infektionskrankheiten am Londoner „Imperial College“ schätzt, dass schon weit mehr als 1.700 Menschen infiziert sein könnten.

Parallelen zu unheimlicher SARS-Pandemie

Der neue Erreger gehört zu den sogenannten „beta-Coronaviren“ – genau wie das SARS-Virus, das das Reich der Mitte vor etwa 18 Jahren schockte. Das haben Erbgut-Analysen des Berliner Virusforschers Christian Drosten ergeben. Das Akronym SARS steht für „Severe Acute Respiratory Syndrome“, das heißt „Schweres Akutes Atemwegssyndrom“. Bei der SARS-Pandemie waren 2002/2003 von China ausgehend weltweit rund 8.000 Menschen an der Lungenseuche erkrankt. Knapp 800 starben, die Welt hielt buchstäblich den Atem an.

Ein Problem der großen Ausbreitung von SARS war damals auch die anfängliche Vertuschung des Virus von Staatsseite. Auch diesmal scheint es laut Experten Bedenken zu geben, ob die Zahl der Infizierten und auch Toten nicht noch weitaus höher liegt, als die ohnehin schon höheren Schätzungen von nicht-chinesischen Beobachtern vermuten lassen.

Auch Pflegepersonal betroffen

Zudem wurde das Virus bei mindestens 15 Krankenhausangestellten in der zentralchinesischen Stadt Wuhan nachgewiesen, wo das Virus Ende Dezember ursprünglich ausgebrochen war. Demnach gibt es unter den medizinischen Angestellten einen weiteren Verdachtsfall.

Am Montag hatten die Behörden erstmals mitgeteilt, dass Pflegepersonal betroffen ist. Die Übertragbarkeit des Erregers von Mensch zu Mensch wurde bestätigt. Für Experten ist es ein wichtiger Indikator, ob Ärzte und Pfleger von einer neuen Erkrankung betroffen sind: Infizieren sich viele von ihnen, ist das ein deutlicher Hinweis auf eine leichte Übertragbarkeit. Die Zahl von offiziellen Stellen bestätigter Infektionen in China war Anfang der Woche sprunghaft auf über 220 gestiegen. Auch wurden erste Erkrankungen in den Nachbarländern Thailand, Japan und Südkorea nachgewiesen.

Das österreichische Außenministerium rät zum Tragen von Schutzmasken bei einem China-Besuch. Bild: APA Picturedesk.

Reisewelle als Übertragungsgefahr

Mit der gerade laufenden Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest am kommenden Samstag wächst die Gefahr einer Übertragung des Virus erheblich. Bei der größten jährlichen Völkerwanderung sind einige Hundert Millionen Chinesen unterwegs. Asiatische Nachbarn und mehrere Flughäfen in anderen Ländern weltweit haben wegen der neuen Lungenkrankheit inzwischen Fieberkontrollen bei der Einreise aus Wuhan eingeführt.

Weltgesundheitsorganisation in Alarmbereitschaft

 Unterdessen hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihren Notfallausschuss einberufen. Dieser berät nun über die Ausrufung einer Gesundheitsnotlage. Mit einer etwaigen Ausrufung würde die WHO schärfere Maßnahmen zur Bekämpfung der Seuche empfehlen. Dazu könnten strengere Grenzkontrollen, das Einrichten von spezialisierten Behandlungszentren oder mögliche Pflicht-Impfungen gehören.

Das hiesige Außenministerium rät auf seiner Website zu folgenden Maßnahmen für China-Touristen:

„Reisende sollten häufig die Hände waschen, sicherheitshalber eine Maske tragen, offene Märkte, Tiere und rohes Fleisch meiden und bei Auftreten der beschriebenen Symptome einen Arzt aufsuchen.“

(APA)

Titelbild: APA Picturedesk

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