Davoser Elite-Treffen

Das Weltwirtschaftsforum in Davos ist gestartet. Abgeschirmt von Militär und Polizei, berät die globale Elite über die großen Probleme der Welt. Ganz oben auf der Agenda: der Klimawandel. Kritiker sprechen von „Greenwashing“.

Davos, 21. Jänner 2020 / Zum 50. Mal trifft sich die politische und wirtschaftliche Elite der Welt im Schweizer Davos. Und es ist das teuerste Weltwirtschaftsforum, das es je gab. Noch nie zuvor kostete das Treffen den Schweizern so viel Geld: mehrere Millionen Franken kosten die Sicherheitsvorkehrungen. Mindestens 1.500 Polizisten und Soldaten schirmen Politiker und Firmenchefs von den Demonstranten ab.

Heftige Kritik, immer weniger Vertrauen

Offenbar machte sich der Davoser Zirkel Sorgen: die USA sprach eine Reisewarnung für Davos aus. Laut Außenministerium der USA würde es zu geplanten und ungeplanten Demonstrationen in Bern, Luzern, Zürich, Davos und anderen Städten kommen. Das ist mittlerweile Tradition. Vor allem in den frühen 2000er Jahren kam es immer wieder zu heftigen Demonstrationen. Die Gegner des Weltwirtschaftsforums fordern schon lange seine Abschaffung. „Die Mitglieder des WEF stehen für ein System, das in einer endlichen Welt auf unendliches Wachstum baut“, sagen die Kritiker.

Und die Skepsis gegenüber der Veranstaltung reißt nicht ab, sie wird sogar größer. Einer aktuellen Umfrage in Deutschland zufolge, glauben nur noch 12 Prozent der Deutschen, dass der Kapitalismus nützlich für ihr Leben sei. Die neue Klimabewegung tut ihr übriges, um das Davoser Treffen unter Druck zu setzen. Deshalb setzt das Weltwirtschaftsforum dieses Mal besonders auf „Greenwashing“. So sei man bereits zum vierten Mal klimaneutral organisiert.

Kritik auch an Thunberg

Auch Greta Thunberg wird hofiert. Sie bekam ordentlich Gegenwind vom Forum „Das Andere Davos“ zu spüren. Die Organisatorien schrieben einen offenen Brief an Thunberg. Darin wird die schwedische Klimaaktivistin aufgefordert, von Davos fernzubleiben. Stattdessen solle „das Greenwashing des Weltwirtschaftsforums“ bloßgestellt und kritisiert werden. Mit Shell, BP oder großen Geschäftsbanken über den Ausstieg aus dem fossilen Kapitalismus zu diskutieren, wäre zwecklos.

Denn die Geschäftsgrundlage dieser Unternehmen sind die fossilen Rohstoffe. Und diese würden nicht darauf verzichten, auch wenn sie wüssten, dass wir auf die Katastrophe zusteuern würden. Trotzdem steht auf Platz eins der Agenda in Davos: Umweltschutz. Auf der Liste der größten Sorgen sind die ersten fünf Plätze mit Umweltthemen besetzt.

Klimakrise vor Ungleichheitskrise

Erst danach kommen anderen Themen: technologische Revolution, wachsende ökonomische Ungleichheit, Zukunft der Arbeit, Unternehmensführung. Fast zeitgleich mit dem Start des Forums veröffentlichte das Institut Oxfam eine neue Ungleichheitsstudie. Sie rief die „Ungleichheitskrise“, wohl mit Anspielung auf die „Klimakrise“, aus. Die obersten 2.153 Menschen besitzen mehr Vermögen als die 4,6 Milliarden ärmsten Menschen.

Eröffnet wird das Forum heute von Donald Trump – seines Zeichens Milliardär und US-Präsident. In den nächsten Tagen soll dem Begriff „Stakeholder-Kapitalismus“ eine konkrete Bedeutung gegeben werden – vor allem um Institutionen zu helfen, die Pariser Ziele zu erreichen. Bis Freitag läuft das – von Militär und Polizei abgeschirmte – Davoser Eliten-Treffen.

Der deutsche Grünen-Chef Robert Habeck war nach der Rede von Donald Trump fast sprachlos:

(ot)

Titelbild: APA Picturedesk

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