Was macht Kurz in Davos?

Jetzt reist dann auch Sebastian Kurz nach Davos. Er trifft nicht nur den gescheiterten Putschisten Venezuelas, Juan Guaidó, sondern auch einen mächtigen Google-Manager. Die Google-Firma von Jared Cohen kümmert sich offiziell um Zensur, Extremismus und Geo-Politik im Netz, will allerdings inoffiziell das Internet zum Google-Imperium machen.

Wien/Davos, 22. Jänner 2020 / Auch Davos ist grün geworden: Klimaschutz ist beim 50. Weltwirtschaftsforum ein zentrales Thema. Bekanntlich ist auch Sebastian Kurz grün geworden, ebenso weiß man vom Kanzler, dass er die internationale Bühne bevorzugt. Der ÖVP-Chef kann da in Davos nicht fehlen.

Kurz bekräftigt Unterstützung für Putschisten

Hunderte einflussreiche Personen aus Politik und Wirtschaft sind in Davos anwesend, viele NGO-Chefs oder Umweltexperten. Doch Kurz trifft lieber Konzernchefs und fragwürdige Polit-Figuren. Netzwerken mit der neuen globalen Oligarchie steht für Kurz in Davos am Programm. Er trifft nicht nur Juan Guaidó, der regelmäßig beim Putsch im eigenen Land scheitert, oder Jared Cohen, ein hoher Google-Manager. Wer sind die Personen, die Kurz für ein Meeting in Davos auserwählte?

Juan Guaidó versucht seit über einem Jahr Venezuelas Präsidenten Nicolas Maduro aus dem Amt zu befördern. Unterstützt wird er dabei vom US-Präsidenten Donald Trump. Venezuela ist das öl-reichste Land Südamerikas. Dass Sozialisten in Venezuela regieren, ist den USA ein Dorn im Auge. Sebastian Kurz war der erste EU-Regierungschef, der Guaidó als Präsidenten von Venezuela anerkannte. Er wolle ihn nun „weiter unterstützen“, hieß es damals. Allerdings laufen auch Ermittlungen wegen Hochverrats gegen Guaidó. Das Militär steht weiter hinter Präsident Maduro und will nichts vom selbst ernannten Präsidenten wissen.

Kirche und Technologie

Kurz und Guaidó verbindet nicht nur der gemeinsame Feind Sozialismus, sondern auch ihr Hang zu Kirchen-Politik. Sebastian Kurz ließ sich bekanntlich von einem evangelikalen Fundamentalisten segnen, seine türkise Partei gilt zudem als eng vernetzt mit den katholischen Fundamentalisten von Opus Dei. Juan Guaidó setzt bei seinem Machtkampf auch auf die Unterstützung evangelikaler Kirchen. Diese greifen in Südamerika nach immer mehr Macht.

Nur einen Tag, nachdem Kurz wieder Kanzler wurde, schickte er seine Unterstützung via Twitter an Guaidó. Das gegen ihn Ermittlungen wegen Hochverrat laufen, und er auch von Trump unterstützt wird, ist Kurz egal. Jetzt kommt es zum persönlichen Treffen.

Aber nicht nur die Kirche ist Sebastian Kurz wichtig. Besonders interessant sind für ihn auch die Machenschaften der Tech-Konzerne des Silicon Valleys. Mit Apple-Chef Tim Cook traf er sich im vergangenen Jahr zweimal: Einmal in Davos vor 12 Monaten und im Sommer bei einer Reise ins Silicon Valley. Morgen kommt es zum nächsten Treffen zwischen dem mächtigen Apple-Mann und Sebastian Kurz.

Treffen mit Googles Zensur-Firma

Noch brisanter das Treffen mit dem weniger bekannten Jared Cohen. Er wechselte 2010 vom US-Außenministerium zu Google. Mittlerweile ist er Chef des Google-Unternehmens Jigsaw. Nach eigenen Angaben kümmert sich Jigsaw unter anderen um Lösungen bei Online-Zensur, Extremismus und den Schutz vor Online-Belästigung. So behauptet das Unternehmen, eine künstliche Intelligenz geschaffen zu haben, die „toxische Kommentare identifizieren, die den zivilisierten Gedankenaustausch untergraben.“ Auch will Google via Jigsaw Einfluss auf Geopolitik nehmen.

Jared Cohen weht jedoch heftiger Gegenwind entgegen: Seine Firma wolle das Internet zum exklusiven Google-Imperium machen, sagt etwa der Professor für Kommunikation Shawn Powers. Er sieht auch die engen Verflechtungen mit Washington skeptisch. Man dürfe Politik und Zensur nicht privaten, profitorientierten Unternehmen überlassen.

Bevor er am Freitag dann eine Rede hält, wird Kurz noch weitere Konzern-Chefs treffen. So sind Meetings mit den Bossen des Pharmakonzerns Novartis, des Energiemultis ABB und des Beratungsunternehmens McKinsey geplant. Auch EZB-Chefin Christine Lagarde und IWF-Direktorin Kristalina Georgiewa will Kurz treffen. Nicht nur die Wirtschaft, sondern auch politische Akteure werden vom Kanzler bei Laune gehalten. Ob die Öffentlichkeit erfährt, worüber der Kanzler mit den mächtigen Wirtschaftsbossen gesprochen haben wird, darf bezweifelt werden.

(ot)

 

Titelbild: APA Picturedesk

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