Zu Gast bei Strache

Lokalaugenschein bei der DAÖ

Das Neujahrstreffen der DAÖ. Oder anders: Ein Sammelsurium von Strache-Fans und Ewiggestrigen. ZackZack.at war vor Ort und hat sich das genauer angeschaut.

Wien, 24. Jänner 2020 / Schauplatz des Neusjahrstreffens sind die Sofiensäle im dritten Wiener-Gemeindebezirk – sozusagen Heimspiel für Heinz Christian Strache. Einlass ist 18 Uhr und der Andrang ist genauso groß wie das Interesse der Medien. Alle sind sie da. Während man im Freien auf den Einlass wartet, merkt man, dass so ziemlich alle um einen rauchen. Nebenan empört sich ein Mann darüber, dass er gerade gefilmt wurde und verlangt lautstark die Löschung des Materials.

Großer Andrang

Pünktlich um 18 Uhr öffenen sich Pforten zu den Sofiensälen. Der Andrang ist extrem groß. Der Umgang mit den Gästen ist sehr freundlich. Jeder wird persönlich begrüßt und die Stiege hinaufgebeten. Oben offenbart sich die ganze Schönheit der Sofiensäle. Es läuft flotte Musik aus den 80ern im Hintergund-  oder besser gesagt: drei Lieder in Dauerschleife. Von der Galerie blickt Parteichef und Klubobmann Karl Baron herunter. Er scheint sehr stolz zu sein. Immer wieder kommt Klaus Hander, ein weiterer blauer Abtrünniger, zu Baron und sagt ihm etwas ins Ohr. Das vermeintliche Mastermind Gernot Rumpold geht im Hintergrund telefonierend nervös hin und her.

Der Andrang ist groß. Vor allem jener von Medienvertretern.

Schaut man sich unter den Gästen um, so fällt vor allem eines auf: Es gibt keine unscheinbar gekleideten Menschen. Entweder sind sie extrem gut gekleidet oder extrem schlecht. Überspitzt formuliert: Hooligans und Banker. Gendern ist hier nicht nötig. Das Gros der Besucher ist männlich und über 50 und scheint sich prächtig zu amüsieren. Dietrich Kops – Didi, wie er selbst genannt werden will – hat sich als einziger von den „Drei Musketieren“, den FPÖ-Überläufern, unter die Menschen gemischt. Er ist gut gelaunt, freundlich und äußerst gesprächig. Gegenüber ZackZack zeigt er sich erfreut über das große Interesse der Menschen und Medien. In unzähligen Gesprächen ist zu hören, dass alle „ihren HC“ sehen wollen.

DAÖ oder Songcontest?

Gegen 18:45 beginnt der Moderator mit dem offiziellen Teil. Es wird ein Video auf der riesigen Leinwand vorgespielt. Was es mit der DAÖ zu tun hat, ist nicht erkennbar. Eine Anreihung verschiedenster Stock-Videos von Wien, die genauso gut beim Songcontest 2015 laufen hätten können – wahrscheinlich sind sie das auch.

Strache auf Alis Spuren?

Plötzlich wird es ernst. Karl Baron, Klaus Handler, Dietmar Kops und der Gastredner Heinz Christian Strache werden lautstark vom Moderartor vorgestellt. Jedem ist klar, dass es nur um den Letztgenannten geht. Es ertönt „Don’t stop me now“ von Queen. Dass Freddie Mercury homosexuell war, wissen hier wohl die Wenigsten. Sofort tummeln sich um Strache alle Kameras und Mikrofone. Für ihn ist es wie Balsam für die Seele. Er genießt die Aufmerksamkeit regelrecht. Straches Einzug erinnert an die Rückkehr Muhammad Alis 1970 gegen Joe Frazier. Nur dass Strache Muhammad Ali, Angelo Dundee und „Smoking“ Joe Frazier gleichzeitig ist. Kämpfer, Berater und Rächer in einem vereint. Alle drei werden sich jetzt gerade im Grab umdrehen.

Politischer Aschermittwoch und Ü50 Party

Diese Inszenierung ist ganz klar das Werk von Gernot Rumpold. Für den Weg von ganz hinten bis nach vorne zur Bühne braucht Strache gefühlt eine Ewigkeit. Strache ist lässig angezogen: Schwarzer Blazer, schwarzer Rollkragen und Blue Jeans. Er geht voran, dahinter die anderen Drei – das Anhängsel. Begleitet wird Straches Einzug von tosenden HC-Rufen. „HC! HC! HC!“ Die Stimmung ist aufgeheizt. Irgendwie ist es eine groteske Kombination aus dem politischen Aschermittwoch der FPÖ und einer Ü50 Party. Strache wird nochmals begrüßt. Es gibt Standing-Ovations. Nach der Begrüßung wird das Lied Mr. Saxobeat abgespielt. Dazu spielt ein Saxophonist. Warum, weiß niemand.

Drinnen: Eine Mischung aus politischem Aschermittwoch und Ü50-Party.

Dietrich Kops ist dran. Es folgen Platitüden: HC Bashing und der seichte Wahlkampf seien der Grund für Abspaltung von der FPÖ gewesen. Klaus Hander schlägt in die gleiche Kerbe, nur regt ihn dazu noch Autofahrer-Bashing auf. Niemand in Wien sei mehr stolz auf sein Auto.

Dann übernimmt der formale Chef der DAÖ, Klaus Baron, das Mikrofon. Er liest mehr schlecht als recht eine Rede vom Zettel ab. Vor allem Aussagen wie „Wahre Freihtliche haben Rückgrat und sind keine Gummipuppen“ und „Wer hat noch keine besoffene Geschichte gehabt?! Er wurde halt dabei gefilmt“ lassen Gernot Rumpold als Autor vermuten. Es folgen Freiheitliche Klassiker wie Gemeindewohnungen nur an Ausländer, Moscheen wie Pilze aus dem Boden und dass manche Teile Wiens angbelich wie Saudi Arabien aussehen. Baron gibt sich sichtlich mühe, mit der DAÖ für Strache ein attraktives Angebot zu schaffen. Er spricht von „Unserem HC.“ Irgendwie erinnert die Rede sehr an den sehr frühen Strache von 2006 – nur eben um Welten uncharismatischer.

Strache sieht sich als Opfer

Dann kommt HC. Auf ihn haben alle gewartet. Tosender Applaus. Man sieht, dass Strache ein Profi ist. Vor allem der Kontrast zu den anderen Dreien macht das deutlich. Er begrüst seine „Freunde“ und seine Ehefrau die „Nationalratsabgeordnete“ Philippa. Er spricht von freiheitlichen Werten wie Treue, Kameradschaft und Zusammenhalt. All das habe sein Nachfolger Hofer mit Füßen getreten. Die DAÖ sei eine Bewegung von Bürgern für Bürgern – nicht für Funktionäre. Strache spicht von Ibiza so, als hätte er damit nichts zu tun. Ibiza habe alles verändert. Vor allem sei Ibiza nur ein „Abendtermin“ im Sommer 2017 gewesen. Dass der UN-Migrationspakt abgelehnt werde, sei seine Leistung gewesen. Auch habe er persönlich das Rauchverbot verhindert. Das löst bei den andwesenden tosenden Applaus aus.

Es tue ihm Leid, was Ibiza ausgelöst hat. Er habe nur „blöd geredet“. „Nicht die FPÖ hat HC übernommen sondern HC die FPÖ 2005.“ Dank gebe es keinen. Der Rest der Rede erstickt in Platitüden, wie man sie von den letzten 13 Jahren kennt. Das Auftreten Straches erinnernt stark an jungen Strache aus den Nullerjahren. Er hetzt gegen Funktionäre, Medien, Ausländer. Er imitiert sein jüngeres Ich, wie es wiederum Haider imitiert.

Strache deutet Antreten an

Zum Schluss deutet er ein Antreten für die DAÖ bei der Wien-Wahl an, allerdings müsse noch über „einiges“ gesprochen und noch einige „Hausaufgaben“ gemacht werden. Die Rede endet, wie sie angefangen hat, mit viel Applaus. Straches Fans dürften zufrieden sein – er auch.

„ZackZack hat viel von mir übernommen“

Nach dem offiziellen Teil ist der Medienandrang wieder groß, aber natürlich nur bei Strache. Für die anderen Drei interessiert sich niemand. Er scheint ihnen auch nichts auszumachen. Auf die Fragen reagiert Strache ausweichend bis aggressiv. „ZackZack hat von mir viele Anregungen übernommen.“ Ob das ein Lob war, ist zweifelhaft. Ibiza sei eine kriminelle Falle gewesen und er Opfer. Straches Fans dürften es glauben, andere nicht.

Vom Neujahrstreffen der DAÖ berichtete Fari Ramic.

Titelbild: APA Picturedesk

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