Wer ist Bettina Glatz-Kremsner?

Die Kurz-Stellvertreterin

Wien, 26. Jänner 2020 /

  • geboren 1962 in Wien, aufgewachsen in Budapest
  • verhandelte 2017 Türkis-Blau mit und wurde für zwei Jahre Kurz-Stellvertreterin
  • seit 1. Mai 2019 Generaldirektorin der Casinos Austria AG, vorher Finanzvorstand und im Mittelpunkt der Sidlo-Rochade

Profil:

Nachdem Bettina Glatz-Kremsner in Budapest aufgewachsen war, zog sie 1980 zurück nach Wien, ihrem Geburtsort. Dort besuchte sie die Wirtschaftsuniversität für ein Studium der Handelswissenschaften. Ihre berufliche Laufbahn ist bemerkenswert linear: 1990 stieg sie bei den Österreichischen Lotterien als Operations Managerin ein, ehe sie acht Jahre später Vorstandsassistentin bei der CASAG wurde. Gleichzeitig bekleidete sie ab 1998 den Posten der Stabsstellen-Leitung Vorstandssekretariat & Controlling bei den Lotterien. Das „Roulette“ ging auch danach gut für sie aus: 2006 wurde sie Lotterie-Vorstandsdirektorin und vier Jahre später Teil des CASAG-Vorstandes. Dem nicht genug, gehörte sie neben ihrer Vorstands- sowie Aufsichtsratsfunktion bei der CASAG zeitweise auch anderen Aufsichtsräten an. So ist sie Aufsichtsratsvorsitzende des Energieversorgers EVN und Generalrätin der Österreichischen Nationalbank. Sie sagt: „Solche zusätzlichen Mandate sind sehr befruchtend für meine Tätigkeit, man kann dabei recht viel lernen.“

Der wohl interessanteste, aber auch umstrittenste Job der CASAG-Chefin war wohl der als Kurz-Stellvertreterin. Von 2017 bis 2019 bekleidete sie den Posten. Wie kam es dazu? Sie selbst sagte der „Presse“,

„sie habe sich von Anfang an wunderbar mit Sebastian Kurz verstanden. Daher habe sie im Sommer auch spontan sein Angebot angenommen, ÖVP-Vize zu werden.“

Interessant ist, dass sie – ohne politische Vorerfahrung auf hohem Level – einen der wichtigsten Posten in der Volkspartei bekam. Unmittelbar danach saß sie schon am Verhandlungstisch: Türkis-Blau sollte in die Wege geleitet werden, Glatz-Kremsner war mittendrin. Als Türkis-Blau stand, wurde ihr Job als ÖVP-Vize offenbar richtig schlagend: für den CASAG-Vorstand gab es einen türkis-blauen Proporz-Deal, den Glatz-Kremsner umsetzte. Die CASAG-Chefin intervenierte im Streit um die Aufstockung des Vorstands und war letztlich ein wichtiger Faktor für die Bestellung des mittlerweile gefeuerten Finanzvorstands Peter Sidlo. Trotz eigener Auffassung, ein Dreier-Vorstand sei nicht zweckmäßig, setzte sie Sidlo durch – und den Willen der Regierung um. Geschadet haben ihr ihre Dienste nicht: 700.000 Euro Jahresgehalt, 1.742.284 Euro Abfertigung, 915.672 Euro „einvernehmlichen Bonus“ für 2018 und für die ersten vier Monate 2019, und schließlich eine Firmenpension von mehr als 400.000 Euro jährlich. Das kann sich sehen lassen.

Die lange als türkis-blaue „Superministerin“ für Wirtschaft und Finanzen gehandelte CASAG-Chefin ortete sogar einen Konflikt zwischen ihren Funktionen:

Sie wolle zwar aus ihrer Managertätigkeit wichtigen „Input“ für die Partei liefern. Aber nach und nach sei ihr aufgefallen, dass sich die CASAG-Führungsposition eigentlich gar nicht mit ihrer politischen Funktion „unter einen Hut bringen lasse“.

Wann ist ihr das aufgefallen? Nach dem Sidlo-Deal etwa?

So unpolitisch, wie sich gerne gibt, ist sie jedenfalls nicht. Wirtschaftspolitisch hat sie klare Vorstellungen:

„Für österreichische Unternehmen müssen auch optimale Rahmenbedingungen im internationalen Wettbewerb bestehen, um den Standort langfristig abzusichern. Dazu gehören auch Themen wie eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten.“

 

Interessantes:

Der enge Draht zu Ungarn blieb auch nach ihrem Umzug nach Wien aufrecht: seit 2013 ist sie Honorarkonsulin der Republik Ungarn mit Wirkungsbereich in Wien und Niederösterreich. Die diplomatische Funktion auf ehrenamtlicher Basis übte Glatz-Kremsner also auch während ihrer Zeit als hohe parteipolitische Funktionärin und Unternehmensmanagerin aus. Warum Ungarn allerdings eine Honorarkonsulin ausgerechnet in Wien, wo es nicht an diplomatischer Vertretung mangelt, braucht? Und warum gerade Bettina Glatz-Kremsner, die keinen einschlägigen juristischen Studienabschluss hat? Gerade auf konsularischer Ebene ist dies für Berufsbeamte im Auslandsdienst meist ein Muss. Auch für Glatz-Kremsner selbst erschließt sich der unmittelbare Nutzen aus dieser Tätigkeit nicht sofort: der Aufwand für eine Honorarkonsulin ist relativ hoch, man muss das Büro selbst finanzieren und den Erlös aus den enthobenen Gebühren an Papa Staat abführen.

(wb)

Titelbild: APA Picturedesk

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