Doskozil SPÖ-Chef?

Pro und Contra

Hans Peter Doskozil gewinnt im Burgenland die Wahlen haushoch – und steht jetzt im Mittelpunkt der Diskussionen um die Zukunft der SPÖ. Benedikt Faast und Fari Ramic argumentieren in „Pro und Contra“, ob „Dosko“ der richtige Mann für die Parteispitze der Roten wäre.

Wien, 27. Jänner 2020 /

Pro:

Hans Peter Doskozil gilt innerhalb der SPÖ als Querschießer und ist einigen Genossen in Wien ein Dorn im Auge. Das wird nun noch schlimmer werden, da sich Doskozil bestätigt fühlen dürfte. Die absolute Mehrheit im Burgenland hat nicht die SPÖ, sondern Doskozil alleine geholt. Er zeigt, dass die Wähler sehr wohl sozialdemokratische Politik schätzen. Vor allem, wenn sie umgesetzt wird. Mindestlohn für Landesbedienstete, Pflegereform, Biowende etc. Sozialpolitisch links – sicherheitspolitisch rechts. Das ist Doskozil, das mögen die Wähler. Er könnte auf Bundesebene eine Trendwende einleiten. Doskozil wirkt bodenständig, authentisch, pragmatisch und setzt vor allem um.

Auf Bundesebene wurde gerade erst gewählt, weswegen es keinen Sinn für Doskozil macht, nach Wien zu wechseln. Zu wenig ist in der Opposition zu holen und zu schlecht wäre das Signal an die burgenländischen Wähler. Er könnte es aber so machen, wie einst Jörg Haider: der war Partei-Chef und Landeshauptmann in einem, was schon fast ein Revolution in der SPÖ wäre.

Im Endeffekt bleibt der SPÖ gar nichts anderes übrig, als Dozkozil früher oder später das Zepter zu übergeben. Zu schlecht und zu dünn ist die Personaldecke.

Fari Ramic

Contra:

Nein, Doskozil sollte nicht SPÖ-Parteichef werden. Doskozil ist ein Mann der Taten. Da wohl für längere Zeit keine Wahlen im Bund anstehen – außer Kurz sprengt die dritte Regierung innerhalb kurzer Zeit – wäre Doskozils „Hands on“-Mentalität als Oppositionspolitiker verschwendet. Viel eher sollte er jetzt das Burgenland führen und könnte ein Paradebeispiel für andere SPÖ-Landeschefs – Dornauer, Ludwig ihr seid gemeint – werden. Doskozil hatte die Burgenland-FPÖ unter voller Kontrolle: er gab Tschürtz seine „Spielwiese“, das Sicherheitspartner-Projekt, und kümmerte sich selbst um den Rest. Jetzt, wo er die Absolute hat, kann er noch mehr ein Vorzeige-SPÖ-Bundesland aufbauen. Parteichef kann er immer noch werden, wenn die nächsten Nationalratswahlen anstehen.

Noch dazu: Ein Ergebnis von 50 Prozent ist auch ein Auftrag der Wähler an ihn, im Burgenland zu bleiben. Im Gegensatz zu Kogler und Edtstadler, Stichwort Europawahl, wirkte der gestern zu Tränen gerührte Doskozil bedeutend verbundener mit dem Wählerwillen.

Benedikt Faast

Titelbild: APA Picturedesk

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