Pro & Contra: Über das Coronavirus berichten

Mit Leserumfrage!

Als in China das Coronavirus ausbrach, berichtete ZackZack einige Tage lang. Dann hörten wir auf. Wir fragen uns: Über das Virus berichten, ist das wichtige Information oder Panikmache? Im Pro & Contra nehmen wir Stellung. Die Entscheidung treffen aber Sie, die ZackZack-Leser. Nehmen Sie einfach an der Leserumfrage im Artikel teil!

Wien, 30. Jänner 2020 /

Pro:

Wenn die Weltgesundheitsorganisation erneut den Notfallausschuss einberuft, tut sie das nicht zum Spaß. Notfallkoordinator Michael Ryan sagt: „Die ganze Welt muss jetzt in Alarmbereitschaft sein“. Er muss das sagen – zur Steigerung erhöhter Wachsamkeit und um der Verantwortung seiner Organisation gerecht zu werden. Aber auch aus Gründen der Aufklärung.

Und zu dieser Aufklärung müssen Medien beitragen. Wie sie das tun, ist eine wichtige Frage. Allerdings keine rein stilistische. Pointiert ist dabei nicht gleich falsch. Um aufzuklären, muss man auf eine Geschichte aufmerksam machen, natürlich auch mit einprägsamen Titeln. Dass dies ein schmaler Grat sein kann, zeigt in diesen Tagen vor allem die BILD-Zeitung.

Die Angst, in Panikmache abzudriften, ist aber kein Grund, von Berichterstattung gänzlich abzusehen. Genauso wenig ist die teils unklare Faktenlage ein Grund zu schweigen. Denn es gibt ja Fakten, die wichtig sind für Österreich: Dass die AUA Flüge nach China streicht, betrifft Reisende und die Wirtschaft. Wie hoch die Ansteckungsgefahr ist, wie Prävention ausschauen könnte, all das ist berichtenswert. Sei es auch „nur“ zur Entwarnung. Wenn die chinesische Regierung einerseits beschwichtigt, andererseits aber ganze Millionenstädte unter Quarantäne stellt, ist das Virus zumindest nicht harmlos. Darüber nicht zu berichten, würde Spekulationen und Verschwörungstheorien erst recht befeuern.

Benjamin Weiser

Contra:

Wo liegt die Grenze zwischen Berichterstattung und Panikmache? Die Entscheidung fällt oft schwer, nicht nur im Boulevard. Wir haben in der Redaktion von ZackZack zwei Grundregeln: Kein Voyeurismus und keine Fake News. Abgesehen davon ist alles erlaubt.

Im Fall des Coronavirus können wir nicht wissen, was Fakt ist und was nicht. Die Chinesen revidieren ständig ihre Zahlen. Entweder wissen die chinesischen Behörden nicht genau, was vor sich geht, oder wollen es nicht verraten – wahrscheinlich beides.

Solange wir keine Möglichkeit haben, zu überprüfen, ob das stimmt, was China verlautbart, können wir nicht ausschließen, dass wir Regierungspropaganda weiterverbreiten. ZackZack ist aber sicher nicht das Presseorgan der chinesischen Regierung.

Anders wäre die Sache, wenn Österreich unmittelbar betroffen wäre. Ist es aber nicht. Aktuell (Stand Donnerstag, 10:00) gibt es laut Gesundheitsministerium null Verdachtsfälle in Österreich. Im letzten Jahr starben hierzulande rund 1400 Menschen an der Grippe, im Jahr davor sogar doppelt so viele. Sind deshalb die Zeitungen voll von Berichten über die Grippe? Nein, weil wir wissen, dass kein Grund zur Panik besteht. Also bringt ein Artikel über die Grippe keine Klicks und damit kein Geld.

Beim Coronavirus besteht auch kein Grund zur Panik. Indem die Medien ausführlich berichten, erzeugen sie aber das Bild, es wäre so. Das ist Geschäftemacherei mit der Angst der Leser. So etwas machen wir nicht.

Thomas Walach

Leserumfrage

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Titelbild: APA

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