Wer ist Margarete Schramböck?

Die Konzern-Freundin

Wien, 02. Februar 2020 /

– geboren 1970 in St. Johann in Tirol

– Wirtschaftsministerin mit esoterisch-schamanischer „Ausbildung“

– beschwert sich über Gesetze, die es verhindern, Arbeitssuchende quer durchs Land zu hetzen

Profil:

Nach ihrer Schulzeit in den Tiroler Bergen zog es Margarete Schramböck 1989 nach Wien, ihrem späteren Feindbild. Dort absolvierte sie ein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität. Ende der 90er promovierte sie dort, ehe sie im französischen Lyon einen Master of Business Administration (MBA), die teure Eintrittskarte in weltweite Unternehmensnetzwerke, abschloss. Das sollte sich auszahlen: bei der ehemaligen französischen Telekommunikationsfirma Alcatel begann ihre Konzern-Karriere. Nach mehreren Stationen, untern anderen als Managing Director beim IT-Dienstleister Dimension Data Austria, wechselte sie zu A1 Telekom Austria. Dort bekam ihre bis dato steile Karriere den ersten Knacks: die mexikanischen Investoren bei A1 setzten im Oktober 2017 ihre Absetzung als Chefin des Konzerns durch. Lange blieb sie allerdings nicht arbeitslos. Sebastian Kurz holte sie im Dezember 2017 als Wirtschaftsministerin in sein türkises Team. Trotzdem wurde sie bei ihrer Nominierung zunächst als vorgeblich „parteilose“ Ministerin inszeniert, ehe sie dann kurze Zeit später in den Landesvorstand der ÖVP geschickt wurde. Politik ohne Partei, das funktioniert auch für Schramböck nicht.

Schramböck steht für eine kompromisslos türkise Arbeits- und Wirtschaftspolitik, die sich vor allem in drei Positionen zusammenfassen lässt: 12-Stunden-Tag, Erhöhung des Drucks auf Arbeitssuchende und Wien-Bashing. Für Schramböck sind die Einschränkungen des umstrittenen 12-Stunden-Tages halb so schlimm. Es gibt ja Facebook! So sagte sie:

„Wir haben die digitalen Medien, es gibt keinen Grund mehr, heute zu erklären, ich kann nicht mit meinen Freunden in Kontakt bleiben, weil das findet digital statt.“

Dass Schramböck konzernfreundliche Politik betreibt, ist angesichts ihrer Karriere kein Wunder. Der Unterschied zwischen Politik und Wirtschaft ist ihr nach ihrer kurzen Amtszeit noch nicht ganz bewusst. Kostenloses „Greenwashing“ aus dem Ministerium ist allerdings neu:

„Unsere Kunden sind die Unternehmen, und die haben sich vorher schon für die Umwelt eingesetzt.“

Während die Ministerin Unternehmen als Kunden der Politik – die diese eigentlich regulieren sollte – sieht, sind ihr Arbeitssuchende ein Dorn im Auge. So klagt sie über die sogenannten „Zumutbarkeitsbestimmungen“. Diese sehen einen gewissen Schutz von Arbeitsuchenden vor. Den Schutz würde sie allerdings gerne auflockern:

„Die Zumutbarkeitsbestimmungen sind nicht so, dass man einen arbeitslosen Koch aus Wien verpflichten kann, nach Tirol zu gehen. Das halte ich bei jungen Menschen ohne Betreuungspflichten nicht für zielführend.“

Man darf also gespannt sein, ob der prekär arbeitende Koch aus Wien bald nach Tirol oder Vorarlberg pendeln muss – und sich darin üben kann, seine Beziehung mit Hilfe von Facebook aufrechtzuerhalten.

Interessantes:

Vielleicht sollten sich die arbeitssuchenden Köche aber mal bei der Ministerin persönlich informieren, wie man mit all dem Druck am besten umgeht. Denn Schramböck hat eine dubiose Zusatz-„Ausbildung“: so führte sie acht Jahre lang einen Gewerbeschein als Energetikerin. Ob sie die Kurse zusammen mit HC Strache belegte, der sich laut Profil einen Schamanen ins Vizekanzleramt geholt haben soll, ist nicht bekannt. Bis Jänner 2018 wäre sie jedenfalls befugt gewesen, mit Pendeln oder Wünschelruten zu wedeln, um Störfelder im Körper oder Wasseradern zu erkennen. Auch Lichtquellen, Musik, Aromastoffe und Edelsteine sollen Teil ihrer ominösen „Ausbildung“ gewesen sein. Gearbeitet habe sie allerdings nie als Energetikerin, so Schramböck.

(wb)

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