Der Mann hinter Strache

Gernot Rumpold im Interview

Wien, 04. Februar 2020 /

ZackZack: Sie waren ja nun fast 15 Jahre weg von der politischen Bühne. Vorher lange Zeit bei der Haider-FPÖ dann kurz beim BZÖ. Wie sind Sie zur DAÖ gekommen?

Gernot Rumpold: Wegen meiner Verurteilung im Telekom-Prozess und der Privatinsolvenz 2014 musste ich schauen wo ich bleibe und von vorne anfangen. Ich habe alte Kontakte abgeklopft und bin über Umwege zu Karl Baron gekommen. Der hat mich im Mai 2019 gefragt, ob ich ihn im Wirtschaftskammerwahlkampf unterstützen würde. Das war eigentlich parallel zu Ibiza. Karl Baron war damals mit der Werbelinie der freiheitlichen Wirtschaft nicht einverstanden und deswegen hat er mich geholt.

„Das war von Strache nicht geplant“

Im September war der Wahlkampf für die Wirtschaftskammerwahl im vollen Gange und man hat gemerkt, dass uns Dominik Nepp mit der FPÖ im Stich lässt. Da fingen dann die Gespräche im September auch mit Strache an, ob man nicht selbst etwas machen könnte. Das Maß war dann voll, als man Karl Baron von der FPÖ die Zustellermächtigung für die Wahl entzog. Und von da an ging alles sehr schnell im Dezember. Für Strache selbst war das alles auch sehr überraschend. Das war weder von Strache, noch von Baron geplant. Genau in dieser Zeit, Ende November, Anfang Dezember, wurde Strache auch aus der Partei ausgeschlossen.

ZZ: Warum heißt die DAÖ eigentlich nicht AfÖ. Wäre ja viel naheliegender.

GR: “Allianz für Österreich – AfÖ” war bereits besetzt und deswegen mussten wir den Namen “Die Allianz für Österreich” und damit DAÖ nehmen.

ZZ: Treten Sie mit dem Namen auch zur Wahl an oder wird er geändert auf Liste Strache?

GR: Der Klub und die Partei heißen einmal DAÖ. Aber man kann ja, wie man sieht bei Doskozil, mit Liste HC Strache antreten. Wenn Strache sich zum Antreten entscheidet, wird das sicher Liste Strache heißen. Die DAÖ wird dann als Plattform dienen.

„In der Migrationsfrage erntet Kurz jetzt Straches Lorbeeren“

ZZ: Was ist eigentlich die Strategie hinter der DAÖ? Bei der Abspaltung des BZÖ von der FPÖ wollte man ja eine Partei mit komplett neuem Profil gründen. Keine zweite FPÖ, sondern eher eine neoliberale Partei, wie die FDP in Deutschland. Bei der DAÖ hat man eher das Gefühl, man will die FPÖ ersetzten.

GR: Die ganze DAÖ-Geschichte ist aus einer Frustration entstanden. Die FPÖ, im speziellen die Führungsmannschaft, hat dem Strache das Vertrauen entzogen und ihn aus der Partei ausgeschlossen, obwohl er nicht einmal verurteilt ist. Es gilt ja die Unschuldsvermutung. Auch für Strache. Das hat einfach niemand mehr verstanden, dass eine Partei einen ehemaligen Obmann, der 14 Jahre lang die Partei im Alleingang zum Erfolg geführt hat, so behandelt wird. Er hat mit Ibiza einen Fehler gemacht. Da war strafrechtlich nichts dran und es war nur eine „b’soffene G’schicht.“

ZZ: Aber was ist das Unterscheidungsmerkmal? Ist dann die DAÖ nicht einfach die FPÖ plus Strache?

GR: Das Unterscheidungsmerkmal liegt natürlich in der Person von Strache. Er hatte ja in der FPÖ-Obmannschaft die Themenvorgabe und auch die Strategie. Er hat die Partei klar als koalitionsfähige Mitte-Rechts-Partei positioniert. Mit ganz klarem harten Kurs in der Migrationsfrage.
In der Migrationsfrage erntet Kurz jetzt Straches Lorbeeren. Dass der UNO-Migrationspakt nicht umgesetzt wurde, ist Straches Verdienst. Kurz hätte unterschrieben. Das alles war weg mit Strache. Hofer hat dann eine Politik der Anbiederung gemacht. Das war keine FPÖ mehr. Leute, die Strache gewählt haben, haben die FPÖ dann nicht mehr erkannt. Der Sinn der DAÖ soll die Rückkehr der klaren freiheitlichen Strache-Strategie sein.

ZZ: Eine einzelne Person als Wahlmotiv ist ja doch etwas dünn.

GR: Es wird auf jeden Fall ein Team geformt, das diese strategische Ausrichtung auch unterfüttert. Karl Baron ist natürlich bundesweit nicht bekannt, aber das wird schon. Er bekommt nach und nach ein Profil. Und Strache alleine ist schon aufgrund seiner Bekanntheit und Erfahrung ein Asset, das sich jeder wünscht.

„Da müsste man alle Stammtische Österreichs einsperren“

ZZ: Gegen Strache wird ja im Zusammenhang mit der Ibiza und Casinos-Affäre von der Staatsanwaltschaft ermittelt…

GR: Das wird alles bestimmt bald eingestellt werden. Dann müsste man alle Stammtische in Österreich einsperren. Er war weder Vizekanzler, noch sonst etwas. Er war nur Oppositionspolitiker. All das, was er gesagt hat, ist nicht eingetroffen. Im Gegenteil. Die ÖVP hat es gemacht mit Spenden etc.
Bei der Spesenaffäre kommen einfach die Anschuldigungen von irgendjemanden aus dem Jahr 2015 nochmals hoch. Es wurde damals eingestellt und da es nichts Neues gibt, wird es auch dieses Mal eingestellt – auch das mit den Bargeld-Bündeln. Warum sollte da jetzt was Neues rauskommen? Nur, weil ein unglaubwürdiger Zeuge was anderes sagt? Anzeigen kann ja jeder.
Beim Sidlo kann auch nichts sein, weil dann müsste gegen alle Parteien ermittelt werden.
Wenn das alles eingestellt wird, bin ich neugierig, was dann Hofer, Kick, Hainbuchner, Nepp und wie sie alle heißen, sagen.

ZZ: Die Geschichte steht und fällt mit Strache. Wann wird der Wähler erfahren, ob und wann er antritt?

GR: Auf jeden Fall rechtzeitig. Wenn der Termin Ende Oktober ist, wird er wahrscheinlich bis Mai warten mit seiner Entscheidung. Wenn vorverlegt wird, wird es bald sein.

ZZ: Wann wird es ein Parteiprogramm geben?

GR: Parteiprogramm als solches wird es nicht geben, sondern ein 10-Punkte-Programm. Das wird dann präsentiert, wenn irgendwo eine Wahl in Sicht ist.

ZZ: Gibt es Ambitionen auf Bundesebene?

GR: Sollte die Wien-Wahl positiv ablaufen, dann auf jeden Fall.

ZZ: Werden Sie kandidieren?

GR: Nein. Ich bin PR-Berater.

ZZ: Wird es prominente Neuzugänge geben?

GR: Wenn der Wahltermin steht, ja. Aber nicht von FPÖ-Seite. Es werden komplett neue Leute sein. Solche Leute, die dann kein FPÖ-Mandat mehr bekommen, braucht man am wenigsten. Es ist auch nicht notwenig. Wir haben mit Karl Baron, Dietrich Kops und Klaus Handler den Klub und die Plattform gegründet. Die Hauptaufgabe ist nun, die ganzen Bezirke zu organisieren, um wahlkampffit zu werden. Schließlich brauchen wir 2.950 Unterstützungserklärungen. Das ist alles andere als einfach. Damit werden wir uns in den nächsten zwei bis drei Monaten beschäftigen müssen.

Das Gespräch führte Fari Ramic

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Titelbild/Fotos: ZackZack – Martin Pichler

Gernot Rumpold war lange Zeit der “Mann fürs Grobe” in Jörg Haiders sogenannter “Buberlpartie.” Er war unter anderem Landesgeschäftsführer und später Bundesgeschäftsführer der Haider-FPÖ. Nach der Haider-Zeit macht er sich in der PR-Branche selbstständig. Nach einer rechtskräftigen Verurteilung im Telekomprozess zog er sich von der politischen Bühne zurück und macht nun einen Neustart bei der DAÖ.

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