Heuschrecken – biblische Plage bereitet sich aus

Pakistan und Somalia erklären den Notstand

Wenn die Heuschrecken einfallen, dann bleibt nichts als Ödland zurück. Heuschreckenplagen im Orient und in Afrika treten immer wieder auf. Doch dieses Mal passiert das in bisher unbekanntem Ausmaß. In Pakistan und in Somalia wurde am Wochenende der Notstand ausgerufen. Es drohen in beiden Ländern Hungersnöte. Forscher sehen einen Zusammenhang mit den Buschbränden in Australien.

Wien/Nairobi, 05. Februar 2020 / Laut Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ist die Wüstenheuschrecke das verheerendste Wanderinsekt weltweit. Ein Schwarm ausgewachsener Tiere von der Größe eines Quadratkilometers könne an einem Tag so viel fressen wie 35.000 Menschen. In Kenia wurde ein Schwarm gesichtet, der 60 Kilometer lang und 40 Kilometer breit sein soll. Der Schwarm bedeckt damit eine Fläche von 240 Quadratkilometer. In den vergangenen Monaten gab es einen Wechsel von Dürrezeiten und starken Überschwemmungen. Ein Großteil der Ernten ist vernichtet. Die Heuschrecken machen sich nun über die Reste her.

11 Millionen Menschen von Hunger bedroht

Bei der jetzigen Plage handelt es sich in Äthiopien und Somalia um die schlimmste seit 25 Jahren. In Kenia sei die Lage laut FAO seit 70 Jahren nicht mehr so gravierend gewesen. Laut einer Meldung der ARD-Tagesschau könnte es aber noch schlimmer werden. Es fehlt an Möglichkeiten, die Insekten mit Pestiziden zu bekämpfen. In Somalia stehen keine Flugzeuge zur Bekämpfung zur Verfügung. In Kenia gibt es zu wenige davon. Die Vereinten Nationen befürchten, dass die Schwärme bis Juni um das 500-fache anwachsen könnten. Für die Landwirtschaft wäre das eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes. Schon derzeit sind in der Region elf Millionen Menschen von Mangelernährung bedroht.

Ernte in Pakistan massiv betroffen

„Wir stehen der schlimmsten Heuschreckenplage in mehr als zwei Jahrzehnten gegenüber und haben entschieden, den nationalen Notstand zu erklären“, sagte der pakistanische Informationsminister Imran Khan am Samstag. Die Behörden fürchten angesichts der gefräßigen Insekten um die Ernährungssicherheit des asiatischen Landes. Die Heuschreckenschwärme waren im vergangenen Juni aus dem westlichen Nachbarland Iran nach Pakistan eingedrungen und hatten sich zuerst im Südwesten des Landes über Baumwolle, Weizen, Mais und anderes Getreide hergemacht. „Ich habe Zweifel, ob wir unser Weizenproduktionsziel von 27 Millionen Tonnen dieses Jahr erreichen können“, sagte der Farmer Nisar Khaskhali.

Forscher erklären die Ursache

Als Ursache für die riesigen Heuschreckenschwärme nennen Experten die Auswirkungen eines Klimaphänomens, des Indischer-Ozean-Dipols (IOD). Die besonderen Bedingungen, die dieses Phänomen erzeugt, sind auch für die Buschbrände in Australien mitverantwortlich. Herrschen vor der afrikanischen Küste warme Temperaturen auf der Meeresoberfläche, kommt es dort zu vermehrten Niederschlägen. Genau gegenteilige Verhältnisse, nämlich große Trockenheit, entstehen dann in Australien. Diese extreme Trockenheit ist für die derzeitigen Buschfeuer dort mitverantwortlich.

(sm)

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Titelbild: APA Picturedesk

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