Causa Kurz – Was ein Hintergrundgespräch wirklich bedeutet

Kommentar

Ein „Hintergrundgespräch“ wird zur „Causa Kurz“. Aber dieser Fall erzählt nicht nur viel über Österreich, sondern auch über den Journalismus. Ganz offensichtlich ist nur die unabhängige Justiz in die Ecke gedrängt, sondern auch die unabhängige Presse.

Wien, 07. Februar 2020 / Mit gepflegter Regelmäßigkeit lädt der ÖVP-Chef und Bundeskanzler Sebastian Kurz Journalisten in die Parteiakademie. Ausgewählt und handverlesen sind die Redakteure, die eingeladen werden. Sie fühlen sich dann wohl auch besonders stolz, immerhin zählen sie zu jener Medienelite, die vom Kanzler persönlich ausgewählt wurden.

Politik und Medien in Österreich „per Du“

Immerhin zu einem „Hintergrundgespräch“, nicht zu einer langweiligen Pressekonferenz, sondern zu einem Termin, aus dem nicht zitiert werden darf. Auch wenn es die Aufgabe der Journalisten wäre, zu berichten. Hintergrundinformationen und ÖVP-Spins können zwar durchaus wertvoll zu wissen sein, auch bei der täglichen Arbeit der politischen Berichterstattung, aber lohnt es sich, der Einladung zu folgen?

Denn es bekommt den fahlen Geschmack der Hofberichterstattung, wenn der Kanzler zum „Off-Gespräch“ einlädt. Besonders in einem Land, in dem sich der Großteil der politischen und medialen Arbeit innerhalb des Wiener Gürtels abspielt, Journalisten und Politiker schneller beim „Du“ sind, als so mancher Kater bei der Mäusejagd.

Eingeschüchterte Journalisten?

Kritische Distanz, die eigentlich Bedingung für eine objektiv gehaltene Berichterstattung ist, kann man in Österreich bemängeln. Maroni-Essen mit Medien und Politik oder Benkos „Törggelen“, es gäbe noch mehrere Beispiele, die eine innige Freundschaft zwischen Journalisten und Politikern nahelegen.

Das aber der Kanzler zum Hintergrundgespräch lädt, sagt weniger über Kurz, als über die Journalisten aus. Wenn der Kanzler dann demokratiebedenkliche Töne anstimmt, die Journalisten aber weiter hörig bleiben und zum „Falter“ laufen, damit sich der auf das Redaktionsgeheimnis berufen kann – das ist ein zutiefst besorgniserregendes Indiz für eine strenge Autoritätshörigkeit unter Journalisten. Oder es ist noch schlimmer und ein Zeichen für Angst?

Journalismus muss kritisch hinhören

Es ist Aufgabe der Journalisten, zu berichten. Nicht, sich hinter einer anderen Redaktion zu verstecken. 40 Journalisten sollen beim Geheim-Meeting anwesend gewesen sein. Wo sind sie nun? Wo ist der gemeinsame Bericht, der klarstellt, was Sebastian Kurz dort gesagt hat? Es gibt ihn (noch) nicht. Vielleicht waren es auch nur eine Handvoll der 40 Personen, die Angst um den Rechtsstaat bekamen, als sie dem Kanzler zuhörten.

Hat der Großteil der Redakteure zu den Worten des Kanzlers gar applaudiert? Weil sie so stolz waren, beim Hintergrundgespräch dabei zu sein, dass ihnen der autoritäre Unterton der Hauptperson des Abends gar nicht auffiel? In dieser Republik kann man sich das vorstellen. Sebastian Kurz kann sich die Medienlandschaft vielleicht herrichten wie es ihm gefällt, aber Journalisten müssen dabei auch mitspielen.

Thomas Oysmüller

Bild: APA Picturedesk

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