Forscher warnen

Hummeln von Massenaussterben bedroht

Eine neue Studie gibt beunruhigende Zahlen zum Hummelsterben preis, das mit knallharter Realität konfrontiert: Das Hummelsterben ist viel schwerwiegender, als bisher angenommen und steht in Verbindung mit steigenden Temperaturen. Wenn es so weitergeht, könnten viele Arten Aussterben – mit schweren Folgen für unsere Artenvielfalt, denn Hummeln sind wichtige Bestäuber. 

Wien, 8. Februar 2020 / Der Klimawandel stellt laut einer Studie, die das Magazin „Science“ am Freitag veröffentlichte, eine enorme Gefahr für die Hummelarten in Europa und Nordamerika dar und führt zu massivem Hummelsterben. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Hummel an einem bestimmten Ort in Europa und Nordamerika gefunden wird, ist seit den 1970er Jahren um ein Drittel zurückgegangen. Schreitet das Hummelsterben weiter voran, warnen die Herausgeber der Studie, könnten einige Ernten ausfallen und die Ernährung von Mensch und Tier beeinträchtigt werden.

Befunde „beunruhigend“

„Die Populationen verschwinden an Orten, wo die Temperaturen steigen“, erklärte Peter Soroye von der Universität von Ottawa, einer Hauptautoren der im Fachblatt „Science“ veröffentlichten Untersuchung. „Wenn dieser Rückgang in diesem Tempo weitergeht, könnten zahlreiche Arten innerhalb weniger Jahrzehnte für immer verschwinden.“ Tim Newbold vom Zentrum für Biodiversitäts- und Umweltforschung der Universität London sagt gegenüber dem Guardian:

„Wir waren überrascht, wie stark der Klimawandel bereits zu einem Rückgang der Hummeln geführt hat. Wenn sich der Klimawandel in den kommenden Jahren beschleunigt, ist ein noch stärkerer Rückgang zu erwarten. Wir müssen erhebliche Anstrengungen unternehmen, um den Klimawandel einzudämmen und die Vielfalt der Hummeln zu erhalten.“

Die Befunde sind umso beunruhigender, als Hummeln für viele Pflanzen wie Tomaten, Kürbis oder Beeren eine Schlüsselrolle in der Bestäubung einnehmen. Sie sind ein wichtiger Faktor für Artenvielfalt. Lebensräume der Hummeln müssten in Anbetracht steigender Temperaturen erhalten werden: Bäume, Sträucher und Hänge bieten für die Insekten Schutz und Rückzugsmöglichkeiten vor der Hitze, sind die Forscher überzeugt.

Studie berücksichtigt mehr als 500.000 Daten seit 1901

Für die Studie hatten die Forscher um Soroye mehr als 500.000 Daten über 66 Hummel-Arten in Europa und Nordamerika aus den Zeiträumen 1901 bis 1974 und 2000 bis 2014 ausgewertet. Sie setzten dabei sowohl die geografische Verteilung der Insekten als auch ihre Artenvielfalt mit Wetterdaten in Beziehung.

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Wahrscheinlichkeit auf Hummeln zu treffen um über 30 Prozent gesunken

Das Ergebnis ist, dass es im Zeitraum 2000 bis 2014 deutlich unwahrscheinlicher geworden ist, an einem Ort Hummeln vorzufinden, als 1901 bis 1974. Die Wahrscheinlichkeit, Hummeln an einem Ort anzutreffen, sank im Vergleich um durchschnittlich 31,5 Prozent.

Rolle der Erderwärmung

In den vergangenen Jahren wurden wiederholt Studien zum Artensterben veröffentlicht. Dabei ist es allerdings schwierig zu beziffern, wie stark die Erderwärmung dazu beiträgt und wie sehr andere Umweltprobleme wie die Pestizidbelastung dafür verantwortlich sind. In dieser Studie sei es den Forschern allerdings erstmals gelungen, das lokale Aussterben und die Ansiedlung der Hummeln wirklich mit dem Klimawandel in Verbindung zu bringen. Der Fingerabdruck des Klimawandels sei deutlich.

(lb/apa)

Titelbild: Pixabay

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