Wer ist Hartwig Löger?

Der Emoji-Spezialist

Wien, 09. Februar 2020 /

  • geboren 1965 in Selzthal, Steiermark
  • ehemaliger Finanzminister, der seine Erfahrung aus der Versicherungsbranche etwas „überstrapazierte“
  • wird als Beschuldigter in der Casinos-Affäre geführt – was dem Kanzler sauer aufstößt

Per Zufall in die Branche

Der Sohn eines Eisenbahners in dritter Generation wuchs in der Steiermark auf. Den Traumberuf Pilot konnte er beim Bundesheer nicht verwirklichen, eine Knieverletzung machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Apropos Rechnung: durch einen Zufall kam er dann in Berührung mit der Versicherungsbranche. Zunächst ganz unten, denn er begann im Verkauf bei einem Wiener Maklerunternehmen. Ende der 1980er absolvierte er nebenher Universitätslehrgänge in der Versicherungswirtschaft an der WU Wien sowie einen Managementlehrgang an der Uni St. Gallen. Über die Allianz und die Grazer Wechselseitige kam er zur Uniqa. Von 2011 bis 2017 war er CEO der Uniqa Österreich und Vorstandsmitglied der Uniqa Dachgesellschaft.

Per „Zurückhaltung“ zum CEO – und Minister?

Sein Aufstieg zum CEO bei der Uniqa begann zeitgleich mit seiner politischen Karriere: 2011 wurde er Mitglied beim ÖVP-Wirtschaftsbund in Wien. Im November 2014 übernahm Löger die 900.000 Mann starke „Sportunion“ – ein Sport-Dachverband mit einer Reihe von ÖVP-Funktionären. Löger ersetzte damals keine geringere als Bettina Glatz-Kremsner, die ehemalige Kurz-Vize und CASAG-Chefin mit Luxuspension. Der 52-Jährige Ex-Finanzminister ist zudem Mitglied in einer ur-konservativen Verbindung, der „Markomannia-Eppenstein“. Sein Coleurname „Seneka“ ist angelehnt an „Seneca“, dem römischen Denker und Nero-Berater. Dieser stand für Verzicht und Zurückhaltung. Insofern war Löger wohl der ideale Minister im türkisen Kurz-Ensemble, in welchem sich alles auf die Führung des Kanzlers zuspitzt – und sich dieser unterordnet.

Abneigung gegen staatliche Vorsorge

In seiner Amtszeit als Finanzminister machte Löger klassisch wirtschaftsliberale Politik. Er vergaß dabei nicht auf seine Vergangenheit in der Versicherungsbranche. Im Februar 2019 sagte Löger:

„Wir werden die betriebliche und private Vorsorge zusätzlich stimulieren müssen. Denn es wird in keinem Land Europas möglich sein, das zur Gänze und auf Dauer auf rein staatlicher Pension sichern zu können.“

Das Tor zur privaten Pensionsversicherung war geöffnet. Ein Segen für seinen alten Arbeitgeber. Doch, wie sich herausstellte, haben private Pensionsversicherungen alleine in 2018 über eine Milliarde an Pensionsgeldern verspekuliert. Auch die Gewinne der vergangenen Jahre, die als Rücklage dienen sollten, sind verloren. Pensionen wurden gekürzt. Als der Ex-Finanzminister, dem staatliche Vorsorge offenbar ein Dorn im Auge ist, noch die Sicherung der Pensionen durch private Institute anpries, musste er von den Riesenverlusten der privaten Versicherer gewusst haben. Die Uniqa ist schließlich das tonangebende Unternehmen bei den privaten Pensionsversicherungen. Löger hält sogar persönlich Uniqa-Aktien. Wert: knapp 100.000 Euro. Nach der Wahl 2017 stieg der Wert einer Uniqa-Aktie um satte 57,41 Prozent.

Während des österreichischen Ratsvorsitzes in der EU brachte er zudem die Finanztransaktionssteuer zu Fall. Er setzte sich stattdessen für eine harmlosere Aktiensteuer ein – die er nicht durchsetzen konnte. Die ÖVP wirft nun genau das dem deutschen Finanzminister vor.

Interessantes

In der Casinos-Affäre wird Hartwig Löger als Beschuldigter geführt. Die Ermittler statteten ihm einen unangenehmen Besuch ab. Die Hausdurchsuchung machte es der ÖVP-Spitze unmöglich, wieder auf Löger als Finanzminister in der neuen türkis-grünen Koalition zurückzugreifen. Offiziell ging der Rückzug von ihm selbst aus. Pikant ist, dass – im Gegensatz zu beispielsweise HC Strache -, die ermittelnde SOKO Ibiza Lögers Handy offenbar nicht beschlagnahmte. Die SOKO Ibiza, anders als ursprünglich geplant, führt die Ermittlungen rund um Ibiza und die Casinos-Affäre – und stach damit die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwalt (WKStA) aus. Lange lag der Verdacht nahe, dass die SOKO-Ermittler bei türkisen Handys einen Bogen machen. Doch all das nutzte nichts, Chats mit HC Strache belasten den Ex-Finanzminister schwer. Strache schrieb im Zusammenhang mit der Bestellung von Peter Sidlo in den Vorstand der CASAG:

„Lieber Hartwig! Herzlichen Dank für deine Unterstützung bezüglich CASAG! Lg HC“.

Lögers Antwort: ein Daumen hoch-Emoji. Zu seiner Verteidigung spielte er den Emoji als „Gib a Ruh“-Zeichen runter, erntete für diese eigenwillige Deutung allerdings viel Hohn und Spott.

Die Ermittlungen gegen den „Gib a Ruh“-Türkisen stoßen Sebastian Kurz unterdessen sauer auf. So beschwerte sich der Kanzler in einem fragwürdigen Hintergrundgespräch bei geladenen Journalisten über die WKStA und griff diese in ungewohnter Emotionalität massiv an. Die Angriffe kommen nicht von ungefähr: Kurz will nicht nur seinen Ex-Finanzminister und Freund Löger schützen, sondern wohl auch sich selbst. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

ZackZack sagt aber: Daumen runter.

(wb)

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 Titelbild: APA Picturedesk

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