Pussy Riot

Polizei stoppt Dreharbeiten

Die russische Polizei stoppte am Sonntag den Dreh eines regierungskritischen Musikvideos der Punk-Band Pussy Riot. Der Vorwurf: Es handle sich um ein illegales extremistisches Video, das Homosexualität propagiere. Laut Pussy Riot sollen Widerstand gegen die russischen Machthaber sowie Protest gegen Polizeigewalt Inhalt des Videos gewesen sein.

Wien, 10. Februar 2020 / Die russische Polizei hat die Punkband Pussy Riot bei Dreharbeiten für ein regierungskritisches Video mit dem Titel „Rage“ gestoppt. Im Kinostudio Lenfim in St. Petersburg sei nach einem Einsatz der Beamten der Strom abgestellt worden, teilte Frontfrau Nadeschda Tolokonnikowa am Montag mit. Der Vorwurf laute, das Video sei illegal, weil es Homosexualität propagiere und extremistisch sei.

Kunst- und Redefreiheit fehle in Russland

Der Punksong handle vom Widerstand gegen die Machthaber in Russland und gegen Polizeigewalt, schrieb Tolokonnikowa auf Twitter. Die Punkband veröffentlichte ein Video von dem Polizeieinsatz und kritisierte, dass es in Russland an Kunst- und Redefreiheit fehle. Trotzdem will Pussy Riot das Video noch drehen. „Wir sammeln nun Geld für neue Dreharbeiten – und ich bin überzeugt, dass wir das zusammenbekommen“, teilte die Künstlerin mit.

Pussy Riot filmte und twitterte den Polizei-Einsatz. Auf die Frage hin, was los sei, erwidern die Beamten: „Sie sind beschuldigt wegen Homosexuellen-Propaganda. Sie verbreiten Hass. Alles was Sie machen ist illegal. Es ist nicht erlaubt, extremistische Aktivitäten zu verrichten.“

Polizei versuchte Absage der Dreharbeiten zu erreichen

Nach Darstellung von Tolokonnikowa hatte die Polizei schon vorab versucht, bei der Lenfilm-Leitung eine Absage der Dreharbeiten zu erreichen. Das chronisch an Unterfinanzierung leidende Studio habe aber erklärt, dass der Vertrag mit den Künstlern unterzeichnet und die Miete bezahlt sei. „In dem Clip sollte auch die Polizei vorkommen – statt der Kinodarsteller kam eine echte Einheit“, sagte sie. Tolokonnikowa meinte, dass die Arbeit von drei Monaten zerstört sei.

Straflager wegen Protestaktion gegen Putin

Tolokonnikowa, die wegen einer Protestaktion gegen Putin in einer Kirche schon im Straflager saß, gilt als Frontfrau der oft mit bunten Strumpfmasken auftretenden feministischen Punkband Pussy Riot. Die Band gibt international Konzerte und sorgt immer wieder mit radikaler Videokunst für Aufsehen. Auch in den USA, wo Tolokonnikowa ein Video gegen Rassismus und Sexismus unter US-Präsident Donald Trump drehte, ist die Frauengruppe bekannt – sowie aus der Serie „House of Cards“.

(apa)

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Titelbild: APA Picturedesk

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