Kurz-Spiel um Schredderaffäre

Sebastian Kurz nimmt seinen Schredder-Mitarbeiter in Schutz. Alle Vorwürfe seien eingestellt. Der Chef-Türkise nützt jedoch die Chance und geht in die Offensive.

Wien, 11. Februar 2020 / Gestern sagte Kurz zu Armin Wolf: „Heute hat er mich (Arno M. alias Schredderman) informiert, dass er vom Staatsanwalt erfahren hat, dass an all diesen Vorwürfen nichts dran ist und dass alles eingestellt wurde.“ Aber Kurz spielt ein falsches Spiel. Auch wenn der Mitarbeiter als Beschuldigter geführt wurde: die zentrale Figur in der Schredder-Affäre war immer Sebastian Kurz, nicht Arno M.

Kurz wärmt Schredder-Aktion auf

Dass der Druck enorm gewesen sein muss, als der Schredderman als „Walter Maisinger“ zur Firma Reißwolf ging, steht außer Frage. Festplatten aus dem Kanzleramt zu befördern, kommt nicht täglich vor. Obwohl es aus ÖVP-Kreisen im Sommer hieß, Arno M. hätte auf eigene Faust gehandelt. Das glaubte ohnehin keiner. Er war nur das ausführende Organ.

Jetzt wärmte Kurz die Affäre selbst auf, nur um die Medien zu kritisieren. Diese hätten keine Scheu gehabt, über den Schredderman zu berichten – und das ohne jeden Anhaltspunkt. Aber: Die ÖVP ließ heimlich Eigentum der Republik entfernen, vernichtete es dreimal und bezahlte nicht einmal die Rechnung. Herhalten dafür musste der junge Mitarbeiter, der laut Kurz bloß eine „Schlamperei“ begangen hätte. Die Schredder-Affäre war aber keine Lappalie!

Die bemitleidenswerte ÖVP

Was auf den Festplatten war, wird ein Geheimnis bleiben. Es gilt die Unschuldsvermutung, und zwar für die ÖVP-Spitzen. Dass der Mitarbeiter aber gerade am Tag der Justiz-Aussprache den Kanzler informierte, dass alle Untersuchungen eingestellt wären – ein bemerkenswerter Zufall.

Oder macht er Arno jetzt zum armen Helden? Denn am Schredderman kann der Kanzler seine Geschichte weitererzählen: Die Öffentlichkeit arbeite mit Vorverurteilungen gegen die ÖVP. Alle seien gegen die brave, blütenweiß-saubere Kanzler-Partei. Selbst einen jungen, unschuldigen Mitarbeiter hätte man medial zerstört. Nur weil er zur ÖVP gehöre.

Der echte Schredderman

Aber das Einzige, das zerstört wurde, sind Festplatten. Die ÖVP wird die Schredder-Partei bleiben. Verschleiern, Verbergen, Täuschen und Schreddern zählt zum Haupt-Inventar in der Trickkiste der türkisen Truppe. Der echte Schredderman ist nicht Arno M., sondern Sebastian Kurz.

Braucht man dafür wirklich ein Beispiel? Erinnern Sie sich noch an den ominösen ÖVP-Hack?

Thomas Oysmüller

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