CDU-Merz: Finanzkrise ins Kanzleramt?

Friedrich Merz will wieder einmal CDU-Chef werden – und damit wahrscheinlich Kanzlerkandidat der Konservativen. Doch wer ist dieser Mann, dem Angela Merkel zu links ist? Und was hat seine ehemalige Tätigkeit mit der Finanzkrise zu tun?

Berlin, 13. Februar 2020 / Das Rennen um den CDU-Vorsitz ist eröffnet: Der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz will Parteivorsitzender werden. Der 64-Jährige werde sich um den Parteivorsitz bewerben, war am Mittwoch in Berlin aus seinem engsten Umfeld zu erfahren.

Schon wieder Kandidatur

Merz sei entschlossen, zu kandidieren, wisse die Parteibasis hinter sich und fühle sich durch aktuelle Umfragen ermutigt, hieß es. Offen blieb zunächst, ob Merz sich damit auch um die Kanzlerkandidatur bewirbt. Merz hatte sich bereits im Herbst 2018 um den Parteivorsitz beworben, war auf dem Parteitag im Dezember 2018 Kramp-Karrenbauer aber knapp unterlegen. Jetzt probiert er es wieder.

Vor Tagen wurde bekannt, dass Friedrich Merz seinen Posten im Aufsichtsrat des weltweit größten Vermögensverwalters BlackRock aufgibt.

Er wolle seine „Zeit nun nutzen, die CDU noch stärker bei ihrer Erneuerung zu unterstützen und mich weiter politisch einzubringen“. Deutschland und Europa stünden zu Beginn des neuen Jahrzehnts vor großen Herausforderungen. „Ich möchte dazu beitragen, dass unser Land erfolgreich bleibt und zukunftsfähig wird“, so Merz.

Profiteur der Finanzkrise – und mächtiger als ganze Länder

Merz stand in der Vergangenheit des Öfteren in der Kritik wegen des Engagements beim amerikanischen Finanzkonzern. BlackRock verwaltet ein Vermögen von über sechs Billionen US-Dollar. Das sind sechstausend Milliarden Euro, eine gigantische Zahl mit zwölf Nullen.

Der Vermögensverwalter ist längst mehr als nur eine Schattenmacht in Deutschland: BlackRock hält Anteile an fast allen größeren Börsenunternehmen. Dazu gehören Dax-Konzerne wie die Deutsche Bank oder der Chemieriese BASF. Ein derart schwergewichteter Finanzriese, der die Ersparnisse von vielen Hunderttausenden Menschen verwaltet, verfügt natürlich auch über privilegierte Beziehungen zu Notenbanken und Politikern.

Vielfach war zu lesen, dass BlackRock auch der größte Profiteur der schweren Finanzkrise um 2007/08 gewesen sei. So schreibt der Berliner Tagesspiegel:

„Die Mächtigen der Finanzwelt saßen auf Bergen unverkäuflicher Wertpapiere im Nennwert von vielen hundert Milliarden Dollar und wussten nicht, wie sie damit umgehen sollten. Für Fink (Chef von BlackRock, Red.) und seine Partner die Chance ihres Lebens. Sie hatten ein computergestütztes System für die Analyse großer Portfolios entwickelt. Damit wussten sie Rat für den Umgang mit den „toxischen“ Konstrukten der Banken.“

Neben Beratungen beider Seiten – Banken und Staaten – cashte BlackRock mächtig mit Deals zu faulen Papieren, bankrotten Geldhäusern und anderen kaputten Institutionen ab.

Doch der entscheidende Coup war die Übernahme des Fondsgeschäfts der angeschlagenen britischen Großbank Barclays. Über Nacht verdoppelte sich das gewaltige Vermögen von BlackRock – und wohl auch die demokratisch nicht legitimierte und ausufernde Macht des Finanzgiganten.

Merz zählt sich zu „Mittelschicht“

Friedrich Merz steht zudem immer wieder wegen seiner lockeren Beziehung zu Geldfragen in der Kritik. So behauptete er, er gehöre zur Mittelschicht. Das sorgte für Gelächter und Unverständnis, woraufhin der Wirtschaftsanwalt, Aufsichtsrat und Lobbyist kolportierte, ein Bruttoeinkommen von ca. 1 Million Euro zu bekommen.

Bekannt wurde Merz mit seinem gescheiterten CDU-Wahlkampf bekannt, als er 2003 versuchte, mit einem einfachen Steuersystem „auf einem Bierdeckel“ passend zu punkten. Bezogen auf die letzte Bundestagswahl, sagte Merz, die Union müsse auch mit einem klaren wirtschafts- und finanzpolitischen Profil in den Wahlkampf ziehen. Wenn das der ehemalige Aufsichtsrat von BlackRock sagt, ist das jedenfalls nicht überraschend.

(wb/Agenturen)

Grafik: OW/ZackZack

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